Tarja - My winter storm

Tarja- My winter storm

Vertigo / Universal
VÖ: 16.11.2007

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Allein auf weiter Flur

Gibt's noch irgendwo jemanden, der nicht hinlänglich über das Rausschmiss-Theater zwischen Nightwish und Tarja Turunen informiert ist? Wohl nicht, oder? Dann wundert es sicherlich auch niemanden, dass die Veröffentlichung des Albums der so Geschassten auf respektvolle sechs Wochen nach der Platte des ehemaligen Arbeitgebers verschoben wurde, oder? Mit Glück haben sich Nightwish mittlerweile von der Pole-Position insbesondere der finnischen Charts getrollt und machen nun Platz für "My winter storm". Denn dass das erste vollständige Album (nach zwei EPs vor ein paar Jahren und einer furchtbaren Weihnachtsplatte 2006) der unter der schlichten Flagge "Tarja" segelnden Sängerin nach dort oben stürmt, dafür sorgen Presse, Hype, Vorschusslorbeeren und der Star-Status wiederum vor allem daheim in Suomi.

Hier hingegen muss ein wenig Substanz her. Und die heißt erst einmal "Fett". Fette Chöre, fette Streicher, fetter Sound. Und Gesang, der das bringt, was man von einer Opernsängerin mit drei Oktaven Stimmvolumen erwartet. "Keep all the roses, I'm not dead / I left a thorn under your bed / I'm never gone / Go tell the world I'm still around." Schon lustig, wie sich Nightwish und Tarja per Songtext nach wie vor Giftpfeile um die Ohren jagen. Aber das hier erwähnte "I walk alone" ist durchaus nicht schlecht. Mächtig Bombast im Refrain, ausgebreitete Arme inklusive. So sehr, dass Boxerin Regina Halmich den Song als Einmarschhymne für ihren letzten Kampf gewählt hat.

Ein bisschen Punch täte vielem, was nach "I walk alone" kommt, allerdings auch gut. Zumindest könnten durchaus brauchbare Riffs wie in "Lost northern star" konsequenter weiter getrieben werden. Aber wahrscheinlich würde dadurch ein großer Teil der Zielgruppe verschreckt und der Abstand zu Nightwish zu eng. Dass es funktionieren kann, zeigen "Die alive" oder vor allem "Ciarán's well", wo durchaus einmal die Gitarre etwas lauter sprechen darf. Doch über größte Strecken wurde Frau Turunen durch die Aufnahmelokation, nämlich das Studio von Hans Zimmer in Hollywood, zu allzu kitschigen, musicalesken Tönen inspiriert. Und für das Verbrechen, Alice Coopers "Poison" derart miserabel zu covern, sollte Mr. Furnier himself die Boa Constrictor von der Kette lassen.

Nach sechzig Minuten ist klar, dass die Trennung von Nightwish und Tarja Turunen nicht nur von persönlichen Animositäten beeinflusst worden sein kann. Denn eines ist klar: Eine herausragende Stimme kann zauberhafte Balladen wie "Our great divide" interpretieren. Eine Songschreiberin ist an Frau Turunen jedenfalls nicht verloren gegangen. Das fiel bei Nightwish nicht auf, da Tuomas Holopainen dort eh Alleinherrscher ist. Solo jedoch benötigt sie kräftige Unterstützung. Und diese Unterstützungstruppe täte gut daran, die Sängerin ein wenig in die richtige Richtung zu lenken. Aber das lässt wahrscheinlich das Ego nicht zu.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • I walk alone
  • Our great divide
  • Ciarán's well

Tracklist

  1. Ite, missa est
  2. I walk alone
  3. Lost northern star
  4. Seeking for the reign
  5. The reign
  6. The escape of the doll
  7. My little phoenix
  8. Boy and the ghost
  9. Sing for me
  10. Oasis
  11. Poison
  12. Our great divide
  13. Sunset
  14. Damned and divine
  15. Die alive
  16. Minor heaven
  17. Ciarán's well
  18. Calling grace

Gesamtspielzeit: 60:56 min.

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