Matchbox Twenty - Exile on mainstream

Matchbox Twenty- Exile on mainstream

Atlantic / Warner
VÖ: 28.09.2007

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

School Of Schmock

Matchbox Twenty sind nicht unbedingt für ihr stilistisches Hoppehoppereiter bekannt. Ganz im Gegenteil. Träger, selbstzufriedener und ermüdender konnte man sich lange kaum eine Band vorstellen. Selbst vom grummeligen Sound ihrer mit Alternative-Folk versetzten frühen Singles zum Adult-Rock der letzten Scheiben schien der Weg mächtig kurz. Jedenfalls konnte man bisher, wenn der Radiomoderator eine neue Single der fünf Schuco-Vertreter ankündigte, mit einem leicht apathischen Augenbrauenlupfer als Kommentar nie wirklich verkehrt liegen. Nun aber macht einem ausgerechnet ihre ach so clever selbstironisch betitelte Hit-Sammlung einen dicken Strich durch die Rechnung.

Denn die Brauen bleiben zwar gelupft, zunächst jedoch anerkennend und in der Tat: überrascht. Die sechs neuen Songs, mit denen Matchbox Twenty ihr Feuerwerk der mittelprächtigen Laune beginnen lassen, wirken gut durchblutet und noch ofenwarm. Vor allem "How far we've come" und "All your reasons" legen nur kurz die akustischen Gitarren vor, um sofort einer solitären Mischung aus College-Rock und Emo-Pop-Refrains Platz zu machen. Immer noch kurz vor der Attitüde, kann man diesen Songs trotzdem wirklich mal gar nichts vorwerfen. Auch der etwas zurückgenommenere Rock von "I'll believe you when" und "If I fall" zeigen sich frisch wie selten. Einzig für den stinklangweiligen Corporate-Soul von "Can't let you go" dürfte allein noch Stefan Raab sein Cordsacko zum roten Teppich auf den Boden schmeißen. Ansonsten aber verschießen Matchbox Twenty ihr Pulver hier schneller als der folgenden Exposition der Spannungslosigkeit lieb sein kann.

Und so ist es beinahe eine self-fulfilling prophecy, wenn mit "Long day" die Schulglocke rasselt und der Geschichtsunterricht beginnt. Denn die Minuten werden in der Tat lang und länger, je tiefer man Matchbox Twenty in ihre Singles-Chronologie hinabsteigen und dabei die New-Rock- und Schluffi-Blues-Einschläge immer näher kommen hört. Die Buffalo-Tom-Harmonien zu den Strophen von "Push" und "3 am", der mit dezentem Gospel unterfütterte Refrain von "Real world" und das leicht verdaddelte Outro von "Bent" sind immer noch das Beste, was sie zu Stande gebracht haben. Spätestens mit "Back 2 good" aber geriert sich die Matchbox-Twenty-Schwitzpackung wie ein viel zu lang geratener Schultag, zu dem der Hosenbund immer mehr rückwärtiges Dekolleté freigibt und der Blick aus dem Fenster stetig jammervoller und rechtwinkliger wird. Bis zum vorläufigen Tiefpunkt "Unwell" mitten in der achten Stunde irgendein Hinterbänkler verzweifelt "Schnulzenfrei!" johlt und kreischend aus dem Klassenzimmer stürmt. Und selbst beim hastig hinterhergerufenen "Schulverweis!" bloß lachend die Hände zum Himmel streckt und sein Bobbycar weiter den Mainstream hinunter treibt. Auf Augenhöhe mit Matchbox Twentys Vergangenheit, den Blick jedoch gebannt auf die Zeichen und Wunder einer scheinbar rosigen Zukunft gerichtet. Nochmal volltanken und dann auf ins Exil des Modellautolandes.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • How far we've come
  • All your reasons
  • Push

Tracklist

  1. How far we've come
  2. I'll believe you when
  3. All your reasons
  4. These hard times
  5. If I fall
  6. Can't let you go
  7. Long day
  8. Push
  9. 3 am
  10. Real world
  11. Back 2 good
  12. Bent
  13. If you're gone
  14. Mad season
  15. Disease
  16. Unwell
  17. Bright lights

Gesamtspielzeit: 66:15 min.

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