Phosphorescent - Pride

Phosphorescent- Pride

Dead Oceans / Cargo
VÖ: 26.10.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

In der Höhe

Es ist zwar schon über zwei Jahre her, aber nachtragende Menschen wie wir haben es natürlich nicht vergessen: Sufjan Stevens wurde bei Erscheinen seines weltbewegenden "Illinois"-Albums mit dem geradezu grotesken Vorwurf konfrontiert, er mache den Soundtrack zum Kölner Kirchentag. Wenn den überhaupt jemand geliefert hat, dann ja wohl seine Danielson-Buddies etwas verspätet mit ihren Gruppengebeten von "Ships" - oder Matthew "Phosphorescent" Houck mit seinen ersten beiden Platten. Als spiritueller Sinnsucher mit eigener Marching Band inszenierte er dort ein Hosianna und Halleluja, dass es beim andächtigen Hinknien nur so krachte in den Kniegelenken. In handelsübliche Gesangsbücher hätte man seine Lieder trotzdem niemals stecken können; dafür blieb der Ton zu skeptisch, das Leben zu sehr Rätsel.

Das Dumme daran ist nun: Jetzt, da es endlich mal eine Phosphorescent-Platte bis nach Deutschland schafft, ist der Mann längst mit anderen Dingen beschäftigt. Vom ländlichen Alabama ist er nach New York gezogen, seine Freunde mit den Blasinstrumenten sind zurück geblieben, und "Pride" klingt dementsprechend, als hätte man Houck alle Feierlichkeit aus den Liedern radiert. Er ist noch immer ein 1a-Esoteriker, der sich gemeinsam mit der eigenen Ergriffenheit hochschaukeln kann, aber so erdverbunden wie in den acht langen Liedern dieser Platte hat er noch nie musiziert. "Cocaine lights" umrundet das immer gleiche Piano-Motiv mit abstrakten bis surrealen Beobachtungen zu Liebe und Lord, und "Wolves" wird von einer Beirut-Ukulele geführt, während Houck die Geschichte vom bösen Wolf in einer Erwachsenenversion erzählt. Mehr haben diese Songs meist nicht mehr nötig.

Trotzdem behält sich "Pride" als Geheimwaffe einen Chor vor, den Houck in seinem erweiterten Bekanntenkreis zusammengestellt hat und nun auf das Album loslässt, als gelte es, jedem zweiten Song das Gesicht zu zerkratzen. Der zweiminütige Ausreißer "At death, a proclamation" profitiert davon mehr als jedes andere Stück und schöpft mit nervösen Antreiber-Trommeln, Akkordeon und Klavier noch einmal ähnlich aus den Vollen wie die älteren Phosphorescent-Lieder. Aber erst wenn der Chor im abschließenden Titelstück von allen Pflichten befreit wird und jeder singen darf, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, findet er einen Einklang mit Houcks schwer verwundeter Stimme, der den Sinn hinter diesem Experiment offen legt: Allein sind sie verloren, gemeinsam sind sie stark. Das könnte Houck sogar aus der Bibel haben.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • A picture of our torn up praise
  • Wolves
  • At death, a proclamation

Tracklist

  1. A picture of our torn up praise
  2. Be dark night
  3. Wolves
  4. At death, a proclamation
  5. The waves at night
  6. My dove, my lamb
  7. Cocaine lights
  8. Pride

Gesamtspielzeit: 41:15 min.

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