Jamie Scott & The Town - Park bench theories

Jamie Scott & The Town- Park bench theories

Polydor / Universal
VÖ: 09.11.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Bank von England

Ob auch Jamie Scott zunächst seine neugierigen Finger am Beutel mit den gezuckerten Cornflakes vorbei gewunden hat, um nach versteckten Gimmicks zu buddeln? Wir wissen es nicht. Doch hat er seine allerersten Songs auf Frosties-Packungen gekritzelt. Damals, als Fünfkäsehoch im Alter von neun Jahren. Schon als Kind hat er die Finger über Klavier und Gitarren-Griffbrett wuseln lassen und die breit gefächerte Plattensammlung seiner Eltern rotieren lassen, bis sich die Rillen bogen. Zehn Jahre später hatte der schnieke Junge seinen ersten Major-Deal bei Sony in der Tasche, der jedoch kurz darauf schon wieder abgefrühstückt war. Unterbuttern lassen hat er sich nicht, sondern noch einmal bei Null neu angefangen, weitergefeilt und eine neue Chance bekommen. Mit neuem, dickem Plattenvertrag und seinem Erstlingswerk "Park bench theories" macht sich der 25-jährige auf, den weiblichen Herzen mit seinen zartbesaiteten Songs zwischen Folk, Soul und Pop Flugstunden zu geben.

Und Talent hat der Junge. Ein sanft schmirgelndes Timbre, ein Gefühl für schmeichelnde Melodien und zarte Spannungsbögen. Gepaart mit den Umständen, dass Jamie Scott a) mindestens tageslichttauglich ist, er b) in ähnlichen Gewässern fischt wie der überaus erfolgreiche Schmachtlappen James Blunt und c) Scott derzeit die Shows von Take That eröffnet, bedarf es keines Propheten-Patents, um ihm einen erfolgreichen Start vorherzusagen. Das scheint gewissermaßen ähnlich sicher wie die Bank von England - aller Immobilien-Unbill in Amerika zum Trotz. Ein Dutzend feiner Songs hat er für sein Debüt eingespielt. Hinter seiner ominösen Begleit-Band "The Town" verbirgt sich dabei niemand Geringeres als die Jungs von Travis - mit Ausnahme von Fran Healy. Diese wurden prompt von Produzent Martin Terefe verpflichtet, nachdem sie nur wenige Wochen zuvor im selben Studio ihr letztes Album "The boy with no name" aufgenommen und just ein wenig Zeit-Spielraum hatten.

Seine frühe Prägung hört man den Songs von Jamie Scott noch immer an. Altmodisch im besten Sinne verzwirnt er Singer/Songwirter-Balladen und feisten Soul zu erdigen Songs. Gibt sich sehnsüchtig - ohne jemals in so schwelgerisches Gejammer auszubrechen wie sein Konterpart James Blunt. Klaviertropfen perlen, die Gitarre zupft sich lieblich durch sanft geschwungene Linien, unterfüttert von geschmeidigen Grooves und punktgenauen Basslinien. Und doch hat er manchen Songs beinahe zu viel Liebe angedeihen lassen, sie mit sachte schmelzenden Streicherschwaden und tönenden Zuckerstreuseln überfeinert. Sie gezähmt. Spannend wäre zu erleben, wenn der gute Jamie eine Pulle Whiskey aus dem Stand leersöffe und die zahmen Fesseln seiner einfühlsamen Contenance abstriffe. Vielleicht träte dann mehr vom unrasierten Charme zu Tage, der momentweise aufblitzt und in seiner struppigen Intensität den Songs prompt viel mehr Erlebnistiefe verleiht. Wie viel besser stehen ihm die wenigen entschlackten Momente zu Gesicht. Eine tolle Stimme hat der Bursche bereits; nach seiner eigenen sucht er anscheinend noch ein wenig. Auch textlich: "You think you’re not beautiful / But you’re so beautiful". Ähnlichkeiten mit Texten noch lebender Personen sind hier nicht ausgeschlossen. Und selbst wenn sein Debüt trotz feiner Songs streckenweise ein wenig handzahm daher kommt: Bei seinem Talent könnte uns womöglich in einigen Jahren Großes blühen. Schon jetzt denkbar: Ein Jamie-Scott-Starschnitt auf der Rückseite von Frosties-Packungen.

(Ole Cordsen)

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Highlights

  • Runaway train
  • Shadows
  • Love song to remember

Tracklist

  1. Runaway train
  2. When will I see your face again
  3. London town
  4. Changes
  5. Shadows
  6. Standing in the rain
  7. Love song to remember
  8. Weeping willow
  9. Two men
  10. Rise up
  11. Hey you
  12. Lady west

Gesamtspielzeit: 51:10 min.

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