Britta Persson - Top quality bones and a little terrorist

Britta Persson- Top quality bones and a little terrorist

Make My Day / Al!ve
VÖ: 26.10.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Das Frühlingsfest der Folkmusik

Da wird Britta Perssons Debütalbum "Top quality bones and a little terrorist" schon pünktlich zu Halloween veröffentlicht und was ist? Es hat rein gar nichts mit saisonalen Quälgeistern in Skelettkostümchen zu tun. Soweit die schlechte Nachricht. Die gute: Immerhin gibt es Süßes und Saures - akkurat aus dem Alltag tranchierte, köstliche Episoden über zwischenmenschliche Insolvenzen und erkenntnisreiche Lebenslottogewinner, präzise beobachtet und übersichtlich arrangiert. Mehr als eine Akustikgitarre braucht die junge Dame aus Stockholm, die zum ersten Mal vor gut drei Jahren auf Kristofer Åströms "Loupita" in Erscheinung trat, nämlich kaum. Und selbst wenn die Instrumentierung ausnahmsweise mal etwas üppiger gerät, wie bei dem Akkordeon-beheizten "Bellamy Straat Straat", könnte sie trotzdem jederzeit problemlos auf sechs Saiten runtergekürzt werden.

"I'll make spring out of this winter / No one can stop me this year / I'll let you know that I love you / As soon as I'm done here." Man muss ja schließlich Prioritäten setzen - und diese Tugend beherzigt Britta Persson konsequent: Atmosphäre ist ihr wichtiger als Perfektion, eine gute Geschichte mehr wert als musikalische Innovation und Freundschaft sowieso das Höchste der Gefühle. So stieg sie samt einer Handvoll Demos in den Zug nach Göteborg und besuchte ihren alten Kumpel Åström, um gemeinsam eine Woche lang Songs einzuspielen. Etwas später durften dann auch noch Per Nordmark (Fireside), Peter Hermansson (Hidden Truck) und Mattias Friberg (Logh) ihre Spuren hinterlassen; das alles natürlich im rustikalen Lo-Fi-Gewand.

Es scheint, als wüsste Britta Persson manchmal selbst nicht so genau, wohin die Musik sie im nächsten Moment tragen wird - mit großen Augen tastet sie sich sachte und neugierig voran. Viele Worte verliert sie dabei allerdings nicht und muss sich oft zweimal durch den Text singen, damit keine halben Instrumentals herauskommen. Und trotzdem besitzt dieser Self-Made-Minimalismus einen unverkennbaren Charme: Es ist schon durchaus reizvoll, wie ihre dezent naiv anmutende Stimme während des Refrains von "Winter tour" furchtlos Serpentinen berodelt und die fürsorgliche Akustikgitarre immer ein Trostpflaster in Reichweite und einen wärmenden Kakao in Riechweite hat. Oder wie "This spring", das mit Abstand entzückendste Stück der Platte, Folk, Jazz, Country und skandinavische Melancholie liebevoll miteinander verquickt. Die famose Dance-Pop-Miniatur "You are not my boyfriend" ist streng genommen das einzige Uptempo-Stück der Platte und liefert wenigstens ein winziges Indiz dafür, wie Britta Persson bloß darauf kommt, Madonna und Natasha Bedingfield als Referenzen anzuführen.

So sympathisch "Top quality bones and a little terrorist" mit seinem unprätentiösen Songwriting auch ist, zuweilen klingen die Lieder dann doch so, als seien sie eher für den Hausgebrauch bestimmt oder gar zufällig mitgeschnitten worden. Bei "Low or wine" wird ungelenk am Piano dilettiert und jegliche dynamische Ausgestaltung erfolgreich vermieden; "Finger is up" verfängt sich in monotoner Gitarren-Begleitung und ermüdender Etüdenhaftigheit, bevor eine Melodica zur Rettung eilt. "Bummer summer", ein Duett mit Åström, bietet hingegen eine weitaus spannendere Dramaturgie: Es beginnt als düsteres Klagelied und erlebt eine interessante Metamorphose zum launigen Kabarett-Schlager, der nichts weiter als die Weltherrschaft anstrebt: "We'll all be kings of the world!" Die Jahreszeiten hat Britta Persson zumindest schon ganz gut im Griff.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Winter tour
  • This spring
  • You are not my boyfriend

Tracklist

  1. Winter tour
  2. This spring
  3. Low or wine
  4. Oh how wrong
  5. First class
  6. You are not my boyfriend
  7. Finger is up
  8. Bellamy Straat Straat
  9. Bummer summer
  10. Train song

Gesamtspielzeit: 38:11 min.

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