Lifehouse - Who we are

Lifehouse- Who we are

Geffen / UMIS / Universal
VÖ: 16.11.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Beichtathletik

Es gibt Bands, die verblüffende Ähnlichkeiten mit Walmart besitzen; andere erinnern eher an McDonald's, GAP oder eBay. Jason Wade wiederum leitet ein sehr erfolgreiches kleines Kumpelunternehmen, das seine Erzeugnisse dort verkauft, wo sie entstehen: im Bauchladen. Das Sortiment ist dementsprechend übersichtlich, genauer gesagt geht es eigentlich immer um High-School-Emotionen und College-Radio-Refrains. Beides natürlich in XXL, wie sich das für Amerika gehört. Wer nun erwartungsvoll www.lifehouse.com/ besucht, um dort im Katalog der Band zu schmökern, landet jedoch in einem virtuellen Beichtstuhl, der rein gar nichts mit den Jungs aus Los Angeles zu tun hat. Oder vielleicht doch? Man kann sich jedenfalls sehr gut vorstellen, dass auch Wade, Rick Woolstenhulme und Bryce Soderberg die eine oder andere Sünde auf ihren Schultern tragen. Sie sind immerhin als kompositorische Wiederholungstäter bekannt und geben unumwunden zu, gerne "Somewhere only we know" von Keane zu covern. Zudem klang ihr drittes Album, schlicht "Lifehouse" betitelt, verdächtig nach Sweet-Shop und Second-Hand-Boutique.

Nun präsentieren die Kalifornier ihre neue Kollektion, und die sitzt wider Erwarten fast wie angegossen. Obwohl - oder möglicherweise gerade weil - nun wirklich niemand mehr damit gerechnet hätte, dass Lifehouse noch einmal annähernd die Klasse ihres vor sieben Jahren erschienenen Debüts "No name face" erreichen würden. Ein "Hanging by a moment" ist zwar auch dieses Mal nicht dabei, aber dafür ein ganzes Dutzend kraftstrotzender Vize-Hits, denen es mit angenehm wenig Streicher-Kleister ganz vorzüglich gelingt, die Herzkammer frisch zu tapezieren. "Disarray" poltert bereits im Flur voller Tatendrang los - mit Muckibuden-Bass, Dextro-Energy-Drums, verhältnismäßig großmäuliger Gitarre und einer gehörigen Portion Dave Grohl in der Stimme: "Faced my demons / Wrestling these angels to the ground." Halleluja!

Lifehouse haben dieses Mal den direkten Weg vom Tourbus ins Studio genommen und die Energie ihrer Konzerte nahezu verlustfrei auf ihr viertes Album übertragen. Die Identitätskrise ist Geschichte, die Clownerie mit der Klonerei der eigenen Ideen auch, und "Who we are" so etwas wie der Beginn eines neuen Kapitels geworden. "Feeling alive all over again" verkündet ein hörbar befreiter Jason Wade in der ersten Single "First time", die Refrains explodieren mindestens wie Aldi-Silvesterkracher, es gibt mit "Easier to be" und "Make me over" sogar zwei tadellose, federleichte Popsongs und tatsächlich nur drei Balladen auf der neuen Platte. Die schönste heißt "Learn you inside out" und schnitzt mehr harmonischen Anspruch aus den Pianotasten, als man Lifehouse jemals zugetraut hätte. Nur "Storm", eine halbe A-Cappella-Nummer, die aus einer Zeit stammt, als die Band sich noch Blyss nannte, ist etwas blutarm geraten, und über die penetranten Ska-Spielereien von "The joke" kann man auch nicht so richtig lachen. In den Beichtstuhl müssen Lifehouse deswegen aber noch lange nicht - der Bauchladen hat schließlich einen guten Draht nach oben. Und damit ist nicht nur ein helles Köpfchen gemeint.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Disarray
  • Easier to be
  • Learn you inside out

Tracklist

  1. Disarray
  2. First time
  3. Whatever it takes
  4. Who we are
  5. Broken
  6. The joke
  7. Easier to be
  8. Make me over
  9. Mesmerized
  10. Bridges
  11. Learn you inside out
  12. Storm

Gesamtspielzeit: 46:22 min.

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User Beitrag
KaMZ
2007-10-23 23:55:13 Uhr
Ah, danke für die Info :-)
Leatherface
2007-10-23 23:42:37 Uhr
Das läuft manchmal so, dass die Plattenfirmen ein Album still veröffentlichen und schon mal den Hardcore-Fans die Möglichkeit geben das Album ohne Import-Gedöns zu erstehen. Der offizielle Release mit Marketing-Aufwand usw findet dann erst später statt.
KaMZ
2007-10-23 23:36:27 Uhr
Wollte kurz mal durchfragen, warum denn das offizielle deutsche VÖ-Datum der 11. November sein soll?

Hab im "Saturn" vor Monaten schon "Who We Are" erstehen können...
Scheint wohl, dass schon bei der ausländischen Veröffentlichung eine Exemplare es von Übersee hierher geschafft haben. Sonst kann ich es mir nicht erklären.
Patte
2007-06-24 13:19:15 Uhr
Macht bisher einen eher lauen Eindruck auf mich.
Der Paul
2007-06-24 02:46:52 Uhr
Ganz ehrlich? Lifehouse haben sich defintiv weiterentwickelt. Wer an "No Name Face" hängt sollte sich "Who We Are" kaufen. Denn diese ist ein Grenzgänger zwischen dem Debüt und der letzten VÖ "Lifehouse". Auf der hat man durchaus gemerkt, dass Jason Wade etwas verkopfter an die Sache rangegangen ist. Was der Qualität aber keinen Abbruch tut! "Stanley Climbfall" hingegen war der Versuch, nach der mehr als erfolgreichen Debüt-Platte etwas entsprechendes nachzlegen - was unmerklich nach hinten los gegangen ist. Dennoch sollte man der Platte eine Chance geben. sie hat es verdient und ist - wie ich finde - die beste Platte, die Jason Wade und seine Jungs je rausgebracht haben (auch wenn ein Vergleich mit "No Name Face" sehr knapp ausfällt). Allerdings kann ich den Einwand, "Storm" sei absoluter Mist, nicht verstehen. Ein sehr emotionaler Song und eine gelungene Interpretation. Gebt der Platte eine Chance, hört auf lifehousemusic.com rein und entscheidet selbst. Von mir gibt´s eine Empfehlung - bei mir läuft die seit Dienstag rauf und runter!
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