Franz Kasper - Man with a dog

Franz Kasper- Man with a dog

Day-Glo / PIAS / Rough Trade
VÖ: 23.11.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Haben und Sein

Die Saloon-Tür schwingt quietschend nach innen, und noch ehe die Tresenärsche sich schniefend umdrehen können, um die Neuankömmlinge zu begutachten, hat sich der langhaarige Kopf der Truppe, bewaffnet mit einem Jean-Paul-Sartre-Kneifer, schon auf die knarrende Holzbühne geschwungen und dem verstaubten Rumpel-Piano die ersten swingenden Töne entlockt. Seine Companeros leisten ihm nach einiger Zeit Gesellschaft und unterstützen ihn mit Mundharmonika, Fidel und Cello. Eine Flohschleuder von Hund sitzt vor der Bühne und jault im Takt mit. Währenddessen wandern die ungläubigen Mundwinkel des Barkeepers langsam wieder nordwärts. Dieser Typ mag zwar komisch aussehen, seinen Getränkewunsch - "Kölsch!" - hat er auch noch nie gehört, den Blues hat er trotzdem im Blut.

Franz Kasper ist ein Workaholic. Der Philosophiestudent aus Köln veröffentlicht mit "Man with a dog" sein mittlerweile fünftes Album in sechs Jahren und ist über den Status eines Geheimtipps allmählich hinaus. Weniger verkopft, als man es von einem Studiosus Philosophicus erwartet hätte, schüttelt sich dieser Kerl mit einem selbstbewussten Schulterzucken zuckersüße Blues- und Indiefolk-Melodien aus dem Ärmel und klingt dabei so authentisch wie sonst nur die allseits bekannten Einsiedlerkrebse aus dem Mittleren Westen.

Für die einen mag Franz Kasper ein Country-Folk-Cowboy sein. Andere sehen in ihm vielleicht einen feingeistigen Jazzmusiker. Oder wer es ganz stumpf möchte, ist versucht, ihn in die Singer-Songwriter-Schublade zu stopfen. Der Referenzbaukasten (siehe wie immer unten) ist ja groß genug. Ihm selbst können diese Kategorien egal sein. Hauptsache, er existiert und kann die Codes, die da aus seiner musikalischen Seele emporsteigen, entschlüsseln. In dieser Hinsicht ist er dann doch ganz Philosoph.

Die ersten Takte auf "Man with a dog" entführen einen gleich in die nächste verqualmte Blues-Kaschemme. Franz Kaspers Stimme präsentiert sich noch wandlungsfähiger als auf dem 2005 erschienenen "The grasshopper and me". In "Close to nothing (Woman's blues)" holpert er mit viel Gespür durch die Zeilen, die Harmonika torkelt besoffen vor sich hin und wird vom Schlagzeug immer wieder eingefangen. Mimt er in den ersten Songs noch den experimentierfreudigen Barpianisten, zieht seine langjährigen Combo in der zweiten Plattenhälfte das Tempo ordentlich an. Das klingt straighter, erdiger und fokussierter als bisher. "Are we too late?" beschließt nach knapp fünfunddreißig Minuten "Man with a dog" so atemberaubend, dass man die aufgeworfene Frage schon nach dem ersten Refrain einstimmig beantworten kann. Nein, wir kommen genau richtig!

(Steffen Meyer)

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Highlights

  • How do I get close
  • What had to be done
  • Are we too late?

Tracklist

  1. From upon you
  2. Close to nothing (Woman's blues)
  3. How do I get close
  4. Sgt. pepper
  5. Oh, pecunia
  6. After all this time
  7. What had to be done
  8. Man with a dog
  9. The prison song
  10. Are we too late?

Gesamtspielzeit: 34:38 min.

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