Jay-Z - American gangster

Jay-Z- American gangster

Roc-A-Fella / Def Jam / Universal
VÖ: 09.11.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

4 life

Manchmal muss man einfach nur über die Vergangenheit reden, um sie vergessen zu können. Deshalb sei unter Schmerzen noch einmal an Jay-Zs breitformatig beworbenes Comeback-Album aus dem letzten Jahr erinnert, das als einziges Kunststück fertig brachte, wirklich niemandem einen Gefallen zu tun. "Kingdom come" schien so selbstzufrieden in seiner allumfassenden Mittelmäßigkeit, dass es für weniger profilierte Künstler eher das Karriere-Ende statt eines zweiten Frühlings bedeutet hätte. Der Vorteil aber, den nach so einem Debakel alle haben, die ihr eigener Chef sind: Es gibt immer ein nächstes Album, immer eine Chance zur Rehabilitation. Jay-Z macht deshalb, was er am besten kann - er kürt sich in aller Unbescheidenheit zum "American gangster" und besinnt sich auf die Kleinigkeiten, die ihn groß gemacht haben.

"American gangster" ist nicht der Soundtrack zum gleichnamigen Film. Der Film von Ridley Scott mit Denzel Washington und Russell Crowe wird vielmehr zum Nebenprodukt der achten Jay-Z-Platte degradiert, die den ehemals wichtigsten HipHop-Produzenten New Yorks nicht nur vollständig wiederherstellt, sondern auch fit macht für die Zukunft. Nach Vorabansicht der Drogensaga um den afroamerikanischen Heroindealer und Großverdiener Frank Lucas fühlte sich Jay-Z derart an die eigene Lebensgeschichte erinnert, dass ihm sein "American gangster"-Album praktisch zuflog wie sonst nur die Magnum-Flaschen im hochexklusiven Stammclub. Es gab diesmal kein Rumeiern, keinen Business-Plan, nur ein paar Wochen konzentrierten Arbeitens. Ob das nun zufällig oder ganz bewusst passiert ist - es könnte Jay-Z die Karriere retten.

Natürlich passt ihm dabei hervorragend in den Kram, dass er diesmal aus der Defensive kommen kann und gegen geschrumpfte Erwartungen antritt. Trotz seiner thematischen Schwere klingt "American gangster" deshalb niemals gehemmt oder übertrieben bemüht. Nachdem das Intro zunächst alle erdenklichen Streetcred-Klischees beiseite wischt, kann "Pray" seine sakralen Absichten sogar mit Zickenstreichern und Gospelchor angehen, bevor Jay-Z in "American dreamin'" die Wandlungsfähigkeit seiner Stimme wieder entdeckt. Selbst der beruflich hyperaktive Lil' Wayne schaltet ausnahmsweise in den vierten Gang zurück und schleift seinen Gastgeber am Schlips durch das ungewöhnlich besonnene Beastie-Boys-Update "Hello Brooklyn 2.0". Als einziger Track der ersten Albumhälfte wurde es nicht von P. Diddy mitproduziert. Man erträgt ihn bedeutend besser, wenn er nicht zu hören oder zu sehen ist.

Die Show stehlen trotzdem andere. Pharrell Williams, bei dem mittlerweile niemand mehr voraussagen kann, was man kriegt, produziert mit "I know" das spielerische Gegenstück zum spektakulären "Roc boys", dessen prominentes Fanfaren-Sample die Menahan Street Band zu reichen Menschen machen dürfte. Und für "Success" treten sich Jay-Z und der ehemalige Erzrivale Nas solange auf die Füße, bis beide vom zugehörigen Schweineorgel-Beat dahingerafft werden. Obwohl "American gangster" auch die üblichen, etwas überraschungsarmen Motown-Bausteine von Marvin Gaye bis zu den Isley Brothers einkauft und niemals einen Hehl aus seiner Billboard-Bestimmung macht, bringt es Jay-Z also in Position für sein Leben nach dem Comeback. Ein bisschen verspätet zwar, aber Michael Jordan hat ja auch fast eine ganze Saison gebraucht, um nach seinem ersten Rücktritt wieder in Schwung zu kommen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Pray
  • Roc boys (And the winner is)
  • I know
  • Success

Tracklist

  1. Intro
  2. Pray
  3. American dreamin'
  4. Hello Brooklyn 2.0 (feat. Lil' Wayne)
  5. No hook
  6. Roc boys (And the winner is)
  7. Sweet
  8. I know
  9. Party life
  10. Ignorant sh*t (feat. Beanie Sigel)
  11. Say hello
  12. Success (feat. Nas)
  13. Fallin'
  14. Blue magic
  15. American gangster

Gesamtspielzeit: 57:38 min.

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