Blitzen Trapper - Wild mountain nation

Blitzen Trapper- Wild mountain nation

Sub Pop / Cargo
VÖ: 16.11.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Brokeback rock band

Es lässt sich nicht leugnen, dass im Verlauf der letzten 12 Monate die eine oder andere Plattentests-Rezension zu viel mit einem Verweis auf P.Diddy begonnen hat. Trotzdem: Wenn es nun schon wieder passiert, sind ausnahmsweise die anderen schuld - wir können schließlich auch nichts dafür, dass Blitzen Trapper aus Portland ihr drittes Album "Wild mountain nation" so anfangen, als würde eine frisch betankte Thekenmannschaft versuchen, das unvergleichliche "Bad boy 4 life" vom großen Meister des kleinen HipHops nachzuspielen. Gitarren verfangen sich ineinander, der Drummer trifft höchstens jeden zweiten Schlag, und Sänger Eric Earley verbiegt und zerhackt seine Worte, bis gar nicht mehr auffällt, wie hoffnungslos er den epileptischen Melodieanfällen seiner Band hinterher hetzt. Ist natürlich - geil. Wo kämen wir denn hin, wenn es anders wäre?

Um also arbeiten zu können mit Blitzen Trapper, reichen zunächst ein paar wahllos zusammen gekehrte Feststellungen: Hier knackst und knirscht es noch im Gebälk, hier hängt die Bauersfrau ihre nasse Wäsche auf, und hier rappelt es auch im Karton. Der Mariachi-Mittelteil des bereits auseinander geschraubten Openers "Devil's a go-go" fügt sich dabei genauso problemlos ein, wie der weitgehend akustische "Space invaders"-Pop "Sci-fi kid". Wo die Band eigentlich herkommt und immer wieder hin will, muss einem aber schon das Titelstück von "Wild mountain nation" beibringen. Solch saftigen Southern-Rock haben zuletzt My Morning Jacket gespielt, bevor sie mit "Z" die Bodenhaftung verloren. Wenn es Blitzen Trapper also nicht bereits gäbe, müsste Cameron Crowe schon wieder einen Heimatfilm drehen, um sie dafür zu erfinden.

Auch jenseits seines krakeligen, dreckigen Gitarrenspiels und aller Hillbilly-Hemdsärmligkeiten ist "Wild mountain nation" vor allem eine hinreißend nostalgische Ansammlung von aus der Mode gekommenem Musikquatsch. Natürlich surrt und hadert hier die Mundharmonika, selbstverständlich bedienen die Texte jedes denkbare Classic-Rock-Klischee zwischen Bergen, Tälern und Groschenroman. Das einzige misslungene Stück ist trotzdem das allzu rücksichtslos rasende Beinahe-Instrumental "Woof & warp of the quiet giant's hem", dem man fast wünschen möchte, dass es sich selbst etwas ernster nähme. Spätestens hier ist nichts mehr übrig von den feinfühligen Fingerspitzen, mit denen Blitzen Trapper erst vor zwei Monaten eine brillante Daytrotter-Session eingespielt hatten. "Wild mountain nation" will von Anfang an etwas ganz anderes, und das ist für Menschen mit Vorwissen das einzige Problem, um das man sich irgendwo herumwieseln muss.

Die Platte macht einem das nicht besonders schwer - allein schon wie sich "Miss spiritual tramp" zwischen Mord, Totschlag und Schweinerock in seinem heillosen Durcheinander suhlt, ist eine Erfahrung, die man sonst nur bei einer Traktorfahrt machen kann. "Wild mountain nation" neigt zu Brachialem und der Brechstange, es hat aber auch den fettigen Gefühlezeiger "Badger's black birdgade", der das Albumende mit Slide-Gitarre und Blues Harp in launischer Feuerholz-Laune hinauszögert. Irgendwo zwischen diesen Kontrapunkten suchen und finden Blitzen Trapper ein Verständnis von Rockmusik, das unter Cowboyhüte genauso passt wie Trucker Caps, und erweitern es um einen sympathischen Dachschaden, der selbst geübte Zimmermänner in Erklärungsnöte bringt. Sie sind vielleicht nicht ganz knusper - aber mindestens die Band, die Heath Ledger und Jake Gyllenhaal im Zeltlager anmachen würden.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Devil's a-go-go
  • Wild mountain nation
  • Miss spiritual tramp
  • Country caravan

Tracklist

  1. Devil's a-go-go
  2. Wild mountain nation
  3. Futures & folly
  4. Miss spiritual tramp
  5. Woof & warp of the quiet giant's hem
  6. Sci-fi kid
  7. Wild Mtn. jam
  8. Hot tip/Tough cub
  9. The green king sings
  10. Summer town
  11. Murder babe
  12. Country caravan
  13. Badger's black brigade

Gesamtspielzeit: 33:39 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
DerZensor
2007-12-05 02:07:24 Uhr
War witzig aber: Meinen die das wirklich ernst? Ich meine, so viele Klischeewörter und Songs kann doch gar kein Zufall sein.

PS: Two Gallants war super.
fakeboy
2007-12-05 01:45:08 Uhr
grossartiges konzert heute als support von two gallants in zürich! hat ordentlich gerockt und auch ziemlich viel spass gemacht. kommen nächste woche auch nach d-land, lasst euch das nicht entgehen!
Susu
2007-11-29 17:23:48 Uhr
Einfach mal wieder ein herrlich schräges, verpeiltes Album, das jede Menge Spaß macht...ich finds klasse!
logan
2007-11-20 00:09:22 Uhr
Die Myspace-Teaser lassen sich schon mal gut an, auch wenn der Titelsong etwas formulaisch daher kommt. Mein grundlegendes Interesse ist jedenfalls geweckt. Mal schauen, was die anderen Links hier so hergeben...
Dän
2007-10-23 09:36:01 Uhr
Das Album kommt nun am 16.11. raus, und ich rede gern noch ein bisschen mit mir selbst, bis es so weit ist.
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