Dirty Projectors - Rise above

Dirty Projectors- Rise above

Beggars Banquet / Rough Trade
VÖ: 02.11.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zielflagge

In unserer schnelllebigen Zeit können sich die meisten Menschen nicht mehr daran erinnern, was am vorherigen Tag geschehen ist. Sie haben auch oft nicht die Zeit, langfristiger als über einen Tag hinaus zu planen, da das hic und nunc genug Unwegsamkeiten bereit hält und langfristige Planungen durcheinander werfen, ja gar unmöglich machen kann. In der Popmusik helfen da Retrosunds, um alte Erinnerungen wachzurufen. Und jedermann kann sein eigenes Artefakt errichten, da gewiss ist, dass jeder Trend wiederkehrt. Er muss nur aufspringen und sich rechtzeitig offenbaren. Der Brooklyner Musiker David Longstreth geht mit seinem Projekt Dirty Projectors keinen konventionellen Weg, wenn er seine Jugenderinnerungen wachrüttelt und versucht, sein eigenes retrospektives Artefakt zu erschaffen. Der Versuch, den er auf "Rise above" unternimmt, ist die Rekapitulation des 1981er Klassikers "Damaged" von Black Flag. Dieses Werk sollte 26 Jahre später nicht plagiiert, sondern ein zweites Mal in einem völlig neuen Gewand erscheinen. Ein hehrer Versuch!

Das Album ist zumeist ein aufregendes Wechselspiel zwischen Amber Coffman und einem weiblichen Part, der auf "Rise above" noch von Susanna Waiche erfüllt wurde, live mittlerweile aber von Angel Deradoorian übernommen wird. Die Punkattitüde von Black Flag ist geblieben, die Dirty Projectors geben sich allerdings nicht so reduziert und atmen ordentlich Kollektivgeist à la Animal Collective. "No more" ist herrlich elektrifizierende Ballsaalmusik, die heute möglicherweise Mozart komponieren würde. Das darauf folgende "Depression" trägt einen eher irreführenden Titel, beinhaltet es doch durchaus manische Züge und passt wunderbar in unsere Zeit: Krankheiten werden ausgelebt. Und ja, es sind Krankheiten, die, nach den ersten Symptomen zu urteilen, kaum Struktur aufweisen und sich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten ausbreiten, um dabei ein wildes Durcheinander zu erzeugen. Wie sonst erklärt sich der Versuch, mit "Gimme gimme gimme" Punk und Abba zu versöhnen und in einem einzigen Song aufzuheben?

Das Chaos bleibt aber geordnet, dafür sorgt Mastermind Longstreth. Da macht es auch nichts, wenn die Ouvertüre "Rise above" von Black Flags "Damaged" bei den Dirty Projectors fast am Ende steht. Aus einem rotzigem Punksong wurde ein geschmeidiger, ruhiger Popsong, der sich nie traut, vollends auszubrechen, auch wenn er es das eine oder andere Mal andeutet. Geblieben aber ist der Text: "Jealous cowards try to control / Rise above / We're gonna rise above / They distort what we say / We're gonna rise above / Try and stop what we do / Rise above / When they can't do it themselves / We are tired of your abuse / Try to stop us it's no use." An Aussagekraft haben diese Zeilen kaum eingebüßt. Es ist nur alles nicht mehr ganz so revolutionär wie einst.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • No more
  • Rise above

Tracklist

  1. What I see
  2. No more
  3. Depression
  4. Six pack
  5. Thirsty and miserable
  6. Police story
  7. Gimme gimme gimme
  8. Spray paint (the walls)
  9. Room 13
  10. Rise above
  11. Untitled

Gesamtspielzeit: 45:48 min.

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