Casey's Orbit - Splashbeat

Casey's Orbit- Splashbeat

Enola
VÖ: 20.03.2000

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ungepflegte Langeweile

Von der VISIONS-CD zum Plattenvertrag: Wer jetzt laut "Liquido" schreit, erfaßt nur die halbe Wahrheit. Zwar haben auch Casey's Orbit diesen Weg beschritten, aber ein "Narcotic" ist bei ihnen beim besten Willen nicht in Sicht. "Indio" hieß das Stück, durch das Enola Records auf diesen Dreier aus dem süddeutschen Immenstadt aufmerksam geworden ist. Beginnend mit einem zischenden Drumpattern, das alsbald von einem synthetischen Bass unterstützt wird, windet sich der Track ins Ohr des Zuhörers... und sofort wieder heraus. Da helfen auch die kratzigen Gitarren nicht mehr.

Die angestrengten Versuche, nicht typisch deutsch zu klingen, die man dieser Scheibe an allen Ecken anhört, verwundern ein wenig. Die Bandmitglieder kommen schließlich ursprünglich aus Johannesburg, Südafrika, Akron, Ohio und Tel Aviv, Israel. Dieses multinationale Gemisch vermengt nun seit Anfang 1994 munter die Zutaten, die für ein zünftiges Alternative-Pop-Gebräu vonnöten sind. Daß jedoch schon drei Köche den Brei verderben ist neu. Allerdings ist dies auch schon so ziemlich alles, was an diesem uninspirierten Geschrammel neu ist, auch wenn der Titel ihres Debütalbums, "Splashbeat", nach frischen Spritzern klingt.

Die Standard-Rock-Trio-Besetzung versucht mangelnden Ideenreichtum ihres durch und durch konventionellen Songmaterials hinter diversen Drumloops und Synthiespuren zu verstecken. Was schon manch anderer Band, die in unseren Breitengraden beheimatet ist, zumindest halbwegs gelang, will bei Casey's Orbit nicht funktionieren. Schnell kommt man darauf, woran es denn hapert. Die Songs fehlen. Was nützen mir die wildesten Vermengungen, wenn ich erstens keine vernünftige Songgrundlage habe und zweitens gar nicht weiß, was ich mit den ganzen Soundgimmicks überhaupt anfangen soll? Schon der Opener, "Splashbeatmusik", ist so ein Fall. Geblubber, Gescratche und Geschraddel kämpfen gegeneinander an... und der Verlierer ist die Musik.

Auch textlich graben Casey's Orbit eine Plattheit nach der anderen aus. "Yesterday is not so far / Not so far as it always used to be" heißt es in "Senorita", welches noch einen der besseren Songs darstellt und sogar fast chartskompatibel erscheint. Mit "I want you to come back to me / o babymy / Don't walk on by / Don't be so shy" überkommt sie dann in "Babymy" der Reimzwang.

Selbst wenn man von den Texten genug hat, überfluten einen die Plattheiten. Ein weiterer Loop, ein paar zusätzliche synthetische Sphärenklänge und ein paar weitere aus dem Kaugummiautomaten gezogene Beats wollen uns Modernität vorheucheln. Spätestens jedoch wenn die teilweise stümperhaft gespielte Gitarre und der holpernde Bass noch dazu kommen, merkt man, daß man sich keinen Groove am Reißbrett ausdenken kann. Allen Versuchen zum Trotz machen Casey's Orbit eben typisch deutsche Alternative-Pop-Musik mit elektronischen Einflüssen. Wer jetzt immer noch an Liquido denken muß, sollte von "Splashbeat" trotzdem die Finger lassen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Scarletta
  • Senorita
  • Casey

Tracklist

  1. Splashbeatmusik
  2. Scarletta
  3. Profession
  4. Indio
  5. Senorita
  6. Casey
  7. Long hot summer
  8. Blistering barnacles
  9. Leyla
  10. Sweet
  11. Farmer
  12. Splish splash
  13. Babymy

Gesamtspielzeit: 48:07 min.