Molotov Jive - When it's over I'll come back again
Bonnier Amigo / FDI / Soulfood
VÖ: 26.10.2007
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Auf den Putz
Diese vier Bürschchen aus Karlstad müssten im Grunde erst einmal so richtig in Kernseife gebadet werden, bevor man sie in den CD-Player lässt. Ihre Riffs klingen wirklich unverschämt dreckig; nach zerschlissenen Röhrenjeans, großmäuligen Verstärkern und allerlei illegalen Substanzen. Die Melodien rasen leichtsinnig und völlig zügellos von einem Refrain zum nächsten, und im Beweisfoto der Radarkontrolle sind Molotov Jive dann praktischerweise kaum zu erkennen. Wobei: Zu ihrem Vorteil dient das nicht unbedingt. Denn die Mannschaft auf dem Beifahrersitz ist deutlich zu sehen und noch viel deutlicher zu hören: Razorlight, Libertines, Mando Diao. Wenn Anton, Johan, Anders und Oskar wieder richtig sauber sind, könnten sie ihr Glück vielleicht als H&M-Models versuchen.
Was dem ganzen aber noch die Krone aufsetzt: Obwohl kein Zweifel daran besteht, dass diese vier gerade zwanzigjährigen Schweden listige Trickbetrüger sind, kauft man ihnen trotzdem so ziemlich alles ab. Den abgeklärten Retro-Rock'n'Roll von "Weight (off my shoulder)", das rotzfrech ins Ohr geschlenzte "The luck you got" und sogar ihre Bandgeschichte. Die geht so: Nachdem die Schulfreunde Anton Annersand und Johann Hansson vor drei Jahren beschlossen, fortan Sänger und Schlagzeuger in ihrer eigenen Band zu sein, traf Antons Vater auf einer Hochzeit zufälligerweise einen alten Kumpel aus Schulzeiten wieder, mit dem er damals auch Musik gemacht hatte. Aus Alar Suurna war mittlerweile ein gefragter Produzent geworden, und Daddy Annersand bat ihn kurzerhand, Molotov Jive unter seine Fittiche zu nehmen. Suurna sagte brav ja, schließlich befanden sie sich auf einer Hochzeit.
Und dann lief alles im Fast-Forward-Modus: Molotov Jive ergatterten einen Plattenvertrag bei Schwedens Elite-Indie-Label Bonnier Amigo, gingen mit den Arctic Monkeys und Sugarplum Fairy auf Tour und bastelten ein Debütalbum zusammen, das nicht weniger als ein kleines Atomkraftwerk ist. Anton Annersand überdehnt aufopferungsvoll seine Stimmbänder, mimt mal den angetrunkenen Choleriker, mal den übernächtigten Melancholiker und klingt dabei doch immer wieder wie Johnny Borrell auf dem Razorlight-Erstling "Up all night". Neben diversen temporeichen Eskalations-Hymnen gibt es auf "When it's over I'll come back again" zumindest eine große Ballade, so richtig mit Tränendrüsendrücker-Piano und einer gehörigen Portion Selbstmitleid: "Hold me tight (like a gun)." Nach diesen elf Explosiönchen ist klar: Molotov Jive gehören einfach nicht in die Wanne - sie sind auch so mit allen Wassern gewaschen.
Highlights
- Weight (off my shoulder)
- The luck you got
- Hold me tight (like a gun)
Tracklist
- Weight (off my shoulder)
- The luck you got
- Valentines Day
- Hold me tight (like a gun)
- Mr. Mushroom
- Made in Spain
- Rich girls game
- She dreamt of New York
- Die she must
- Here comes the flood
- Bloodgiver
Gesamtspielzeit: 41:40 min.
Referenzen
Razorlight; Mando Diao; The Libertines; Dirty Pretty Things; Sugarplum Fairy; The Fratellis; Arctic Monkeys; The Rifles; The Cribs; Babyshambles; The Kooks; The Films; Kaiser Chiefs; The Ordinary Boys; The Futureheads; Maximo Park; The Maccabees; We Are Scientists; 1990s; Shout Out Louds; De Stijl; The Unisex; The Legends; Caesars; The Rakes; The Jam; Paul Weller; Hot Hot Heat; Rooney; Mumm-Ra; Whyte Seeds; Jet; The Subways; The Vines; The Beatles
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- Molotov Jive (10 Beiträge / Letzter am 12.02.2007 - 01:26 Uhr)




