Rilo Kiley - Under the blacklight

Rilo Kiley- Under the blacklight

Warner
VÖ: 26.10.2007

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gefallene Engel

Wenn es eine Band gibt, die in absolut unwiderruflicher Untrennbarkeit zu Los Angeles gehört, dann sind das natürlich nicht die Red Hot Chili Peppers, sondern Rilo Kiley. Der Schmutz auf den Seitenstraßen, die halb kaputten Neonleuchten der Stripclubs und Sexshops, die Risse in der glatt polierten Oberfläche - der ganze Kram wurde bei Jenny Lewis, Blake Sennett und ihren Männern immer schon mindestens mitverhandelt. Spätestens auf ihrer letzten Platte "More adventurous" begannen Rilo Kiley dann, solche Themen in zusehens glänzenden Glitzerliedern zu verstecken, sie machten den folgerichtigen Schritt zum Major-Label und bringen mit "Under the blacklight" nun eigentlich nur zu Ende, was sich seit mehreren Jahren abzeichnete. Ein Aufreger ist die Platte natürlich trotzdem.

Vordergründig betrachtet: Das vierte Rilo-Kiley-Album ist ihr bisher seichtestes und offensichtlichstes, eine unverblümte Popplatte, die "More adventurous" wie einen unverkäuflichen Karrierekiller aussehen lässt. Kein Chorus ist Lewis diesmal naheliegend genug, keine Melodie zu blöd, um nicht drei Minuten lang darauf herum zu reiten. Wer Rilo Kiley immer als in country- und folkgeerdete Rockband verstanden hatte, darf sie sich jetzt als heimlichen AOR-Traum jedes Menschen vorstellen, der "Rumours" von Fleetwood Mac für die beste Platte aller Zeiten hält (was ja per se kein Verbrechen ist). Auf "Under the blacklight" werden solche Ideen mit ein paar gut geölten Tanzmoves aus den Edeldiscos der 80er Jahre ausgekontert - die Transferleistung, das Ganze als L.A.-Allegorie zu begreifen, unter deren Oberfläche fröhlich die Fetzen fliegen, wird selbstverständlich stillschweigend vorausgesetzt.

Es sind Texte über Nutten und Pornostars, frühreife Fünfzehnjährige und gelackte Geldverdiener, die Lewis hier mal mit zynischer Gleichgültigkeit, mal mit übertriebenem Körpereinsatz singt. Rilo Kiley würgen ihrem neu gefundenen Schönklang damit eine zweite Ebene rein, die die Lebenserwartung von "Under the blacklight" zwar verlängert, das Album aber letztlich nicht retten kann. Es mag ja sehr L.A. sein, die eigene Abgründigkeit hinter höchstens knietiefen Liedern zu verstecken und jene Eitel-Sonnenschein-Fassade um jeden Preis zu wahren, die einem eh kein gesunder Mensch abnimmt. Kommt man aber erst mal so weit mit, bleibt hier eine Platte, die gerade in den Disziplinen schwächelt, die sitzen müssten, wenn man mit der völligen Popband-Werdung durchkommen will. Wenige Wendungen erwischen einen auf dem falschen Fuß, kaum einer Melodie will man treudoof hinterherlaufen.

Dazu passt, dass "Under the blacklight" vor allem in den Momenten von einer unwahrscheinlichen Sorte Charme verführt wird, die über jedes erdenkliche Ziel hinausschießen. Wie eine hängen gebliebene Schallplatte leiert Lewis im unwiderstehlichen, scheinnaiven "15" zu speckigen Motown-Bläsern, reuelos verschaukelt sie den Cha-Cha-Twist von "Smoke detector", und niemand hält sie mehr auf, wenn das anfangs dubiose "The moneymaker" als knochentrockener Quasi-Funk zum Star der Platte wird, ohne nur einmal mit der künstlich verlängerten Wimper zu zucken. Man möchte das schuldlose Wörtchen "leer" steigern können, um diesen Song zu beschreiben, aber sobald er einen am Kragen hat, dauert es Nächte, bis man ihn wieder los wird. Eine ganze Platte mit solchen Stücken wäre entweder rasend schlecht geworden - oder völlig grandios. Bis Rilo Kiley sie in Angriff nehmen, ordnet sich "Under the blacklight" genau dazwischen ein. Gut zu wissen, dass Lewis und den anderen auch als Popband ohne Wenn oder Aber noch Ziele bleiben.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • The moneymaker
  • Smoke detector

Tracklist

  1. Silver lining
  2. Close call
  3. The moneymaker
  4. Breakin' up
  5. Under the blacklight
  6. Dreamworld
  7. Dejalo
  8. 15
  9. Smoke detector
  10. The angels hung around
  11. Give a little love

Gesamtspielzeit: 37:32 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Boston
2009-01-05 20:43:22 Uhr
Heute abend ab 22 Uhr im Deutschlandfunk:
Rock et ceterea über Rilo Kiley
Pure_Massacre
2007-11-23 11:08:02 Uhr
Mir ist leerer Porno-Funk irgendwie immer noch lieber als leerer Bubblegum-Pop, weiß auch nicht.

Doof ist nur, dass der Grat zwischen Porno-Funk und leerem Bubblegum-Pop in diesem Fall ein extrem schmaler ist. Na ja.....ich halte "The Moneymaker" dennoch ebenso für einen der besseren Songs auf "Under the blacklight" ;)
Stefan
2007-11-08 19:24:23 Uhr
What a Schrottalbum. Eine meiner größten Enttäuschungen dieses Jahres.
Armin
2007-10-29 16:44:03 Uhr
Rilo Kiley "Under The Blacklight" - hier haben wir nen Albumplayer am
Start:
http://www.prelistenings.de/rilo-kiley/

--
2007-10-23 21:07:06 Uhr
ich rede mir immer wieder ein, dass der song "the moneymaker" heisst, weil die band zeigen wollte, dass sich auch shice songs verkaufen können. also ein zeichen gegen den mainstream plastik-pop.
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