Kate Nash - Made of bricks

Kate Nash- Made of bricks

Polydor / Universal
VÖ: 12.10.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kernseifenopern

Das größte Problem von Coming-of-age-Fernsehserien wie "Dawson's Creek": Die Charaktere, die darin dargestellt werden, sind keine echten Menschen. Sie sind spritziger und spitzzüngiger, sie sehen besser aus, und sie entwickeln sogar ihre Alkoholprobleme schneller. Mit den Mädchen scheint es dabei schlimmer zu sein als mit den Jungs: Während man sich gerade noch vorstellen kann, wie im echten Leben jemand als Seth-Cohen-Nerd-Verschnitt durch die Spätpubertät torkelt, wirken selbst die liebevollsten und unterhaltsamsten Fernsehdarstellungen junger Frauen (Rory Gilmore, Veronica Mars etc.) häufig überzeichnet, idealisiert und an den entscheidenden Stellen abgerundet. Es gibt solche Menschen einfach nicht - dachte man zumindest, bis dann plötzlich das MySpace-Profil von Kate Nash auftauchte und vieles einen Sinn ergab.

Nash ist gerade 20 geworden, sie sieht so süß aus, dass es weh tut, und wenn sie nicht gerade ihr hinreißendes Debütalbum "Made of bricks" gemacht hätte, könnte sie auch in einer dieser Serien mitspielen. Groß verstellen wäre unnötig: Sie ist ja schon scharfzüngig bis zur Unverschämtheit, gesegnet mit großem Wortwitz und beseelt von einer Phantasie, die besser ist als jedes denkbare Drehbuch. Die Charaktere in ihren Lieder sind jünger, als man es selbst jemals war, sie streiten sich in Bars, verlieben sich am Bahnhof und bleiben auch mal zuhause, wenn in der Glotze "CSI" kommt. Trotz ihrer Schlagfertigkeit und Cleverness haftet ihnen aber nie etwas Künstliches an - Nash singt und spielt sie so selbstverständlich, dass man nicht mal mehr ihre absurdesten Geschichten für erfunden halten möchte.

"Mariella" marschiert da vorneweg, das wortreiche Lied eines Mädchens, das nicht mehr sprechen will, weil es immer für vorlaut gehalten wurde und nun so viele "Never ever ever"s im Kopf hat, dass sich ihre Hirngespinste in kein vernünftiges Versmaß mehr quetschen lassen. Das Klavier rudert dazu schwer beschäftigt, und selbst den Mund klebt sich das arme Mädchen zu - es ist natürlich eine großartige Geste der Selbstironie, weil Nash immer dann am besten ist, wenn sich ihr Redefluss nicht mehr stoppen lässt, sie den Worten neue Bedeutungen aufzwängt und sie unter ihrem Akzent verbiegt, bis sie ihr in den Kram passen. "Foundations" macht das ähnlich und ist dazu noch ein riesiger Hit: Die Beziehungsgeschichte eines Durchschnittspärchens, nachgestellt mit einem Sturheitswettbewerb von Pianoakkorden und Schlagzeugbeat. Nash ist tough, keine Frage. Aber unverwundbar ist sie nicht.

Dabei hat sie längst nicht nur für ihre Texte einen Ansatz gefunden, der es ihr möglich macht, auf originelle Weise über die unoriginellsten Themen der Popmusik zu singen. Egal wo man hinblickt, "Made of bricks" ist immer eines der vielseitigsten Alben des bisherigen Jahres. "Moutwash" entwickelt sich aus einem eckigen Boomtown-Rats-Intro zum geistreichen Wundenlecker der Platte. "Dickhead" spielt mit großen Unschuldsaugen an runtergetakteten Soulideen herum. "We get on" geht seine Bestimmung als umfassende Liebeskummerabsage mit aller gebührenden Leichtfüßigkeit an. Und in der vorgeschobenen Streicherseligkeit des "Skeleton song" steckt sogar ein echter John-Cale-Moment mit drin. Das ist vielleicht noch nicht immer alles ausgereift und in Nashs Kopf auch schon zwei Schritte weiter als auf ihrer Platte. Wenn dieses Album aber in England auf der Eins steht, dann vor allem, weil es dort hingehört.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Foundations
  • Mouthwash
  • Mariella
  • Skeleton song

Tracklist

  1. Play
  2. Foundations
  3. Moutwash
  4. Dickhead
  5. Birds
  6. We get on
  7. Mariella
  8. Shit song (Interlude) / Shit song
  9. Pumpkin soup
  10. Skeleton song
  11. Nicest thing
  12. Merry happy

Gesamtspielzeit: 47:58 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Mixtape
2008-08-01 23:01:40 Uhr
Wer Kate Nash mag, dem könnte auch Florence & The Machine gefallen.
Leatherface
2008-08-01 22:20:32 Uhr
:-)
Leatherface
2008-08-01 21:57:57 Uhr
Läuft gerade wieder auf Dauerrotation. Für ein Popalbum ist die Haltbarkeit erstaunlich lang. Hätte ich nicht gedacht.

Man beachte auch einige Songs, die nicht auf dem Album gelandet sind:
Dirt
Caroline's a victim
Stitching Leggings
Navy Taxi
Like Maybe

Außerdem ihre ganz spezielle Version von Habanera und ein Arctic Monkeys-Cover.
Mr. Rail
2008-07-14 20:56:02 Uhr

Sehr schönes Debüt!

Play 7/10
Foundations 8/10
Mouthwash 7,5 /10
Dickhead 6,5/10
Birds 8/10
We get on 8/10
Mariella 7,5 /10
Shit song 7,5/10
Pumpkin soup 6/10
Skeleton 7,5
Nicest thing 9/10

Gesamtwertung 8/10
JaRaDa
2008-05-19 20:48:38 Uhr
http://youtube.com/watch?v=mvN0O7jkbQI&feature=related

Wie toll!
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