The Hives - The black and white album

The Hives- The black and white album

Polydor / Universal
VÖ: 12.10.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Tiefer gelegt

The Hives fahren jetzt Lowrider und machen Mainstream-HipHop. Okay, das mit den Lowridern war gelogen. Aber dafür haben sie sich neben Pharrell Williams auch Timbaland als Produzenten ins Studio geholt. Die Zusammenarbeiten mit Letzterem allerdings haben es nicht aufs Album geschafft. Nicht, weil sie zu schlecht waren, sondern weil die Tracks nicht rechtzeitig fertig geworden sind. Tja, Glück und Pech liegen manchmal sehr nah beieinander. Dafür ist jedoch auf Timbalands Album "Shock value" die Kooperation "Throw it on me" zu hören – bei der man sich allerdings fragt, wozu es da die Hives gebraucht hat. So oder so: Dank Williams' Einfluss haben die Schweden jetzt ein Instrument entdeckt, das bei ihnen bislang ein klägliches Schattendasein führte – den Bass.

HipHop freilich machen The Hives trotz dieser beiden Produzentennamen und des merklich druckvolleren Sounds Gott sei Dank nicht. Experimente hingegen wagen sie zuhauf auf "The black and white album". Und das will schon was heißen bei einer Band, die auf ihren bisherigen Alben fast ausschließlich schnörkellosen Garage-Punk hören ließ. Nach "Tyrannosaurus Hives", der dritten Platte dieser Machart, aber sollte es diesmal etwas Anderes sein. Da kam das Angebot von Pharrell Williams, mal etwas zusammen zu machen, natürlich wie gerufen und wurde bei zwei Nummern auch genutzt.

So grooven die Schweden in "T.H.E.H.I.V.E.S." plötzlich mit Discofunk durchs Viertel. Auch "Well allright!", die zweite Kooperation mit Williams, lässt in den "Yeah-eah-eahs" und "Woo-hoos" dessen Einfluss spüren, obschon der Song insgesamt deutlich typischer ist für die Hives. Beginnend als geradliniger Rock'n'Roll scheint mittendrin plötzlich Adam Green ins Mikro zu nölen. So als sei jemand versehentlich an die Fernbedienung gekommen und habe auf einen anderen Kanal umgeschaltet. Überraschende und schöne Idee. "A stroll through Hivemanor corridors" wiederum ist ein mit dem Diktiergerät aufgenommenes Instrumental nach Art eines Draculafilms. Im völlig bescheuerten "Giddy up" galoppieren die Schweden dann mit einer irre geleiteten Silvesterrakete im Arm wie im Wildwestfilm durch die Wohnung und verlangen plärrend nach einer Party. In "Puppet on a string" schließlich schlafen sie mit Tom Waits im Blut ein und wachen in einem Tim-Burton-Film wieder auf.

Um all diese neuartigen Songs und Zwischenspiele herum sind dann – in dramaturgisch cleverer Weise – die typischen Hives-Stücke arrangiert. Und die können zupacken wie ein Pitbull. So die aus der Werbung bekannte Single "Tick tick boom", die das Album auch eröffnet, das folgende "Try it again", "It won't be long" oder "Square one here I come", die allesamt nicht mehr aus dem Ohr zu kriegen und Prototypen von Hits sind. Allerdings sind einige dieser Songs auch etwas zu offensichtlich auf Mitsingen berechnet. Aber was will man schon machen gegen die Macht eines Saufliedes wie "You dress up for Armageddon", das dringend danach verlangt, mit der Bierpulle in der Hand mitgegrölt zu werden? Eben, nichts.

Wenn dann nach exakt 46 Minuten alles vorbei ist, hat man die mit Abstand längste Hives-Platte aller Zeiten gehört – und sich dabei nicht eine Sekunde lang gelangweilt. Das gelingt in Zeiten, in denen viele Alben Füllmaterial um zwei, drei gute Singles herum bauen, beileibe nicht vielen Bands. Wo so viel Licht ist, ist allerdings auch etwas Schatten. Irritieren dürfte manche Fans neben den experimentelleren Stücken vor allem, dass die frühere unbändige Schneidigkeit einem wuchtigeren, runderen Sound gewichen ist und aus den Hives eine Garage-Punk-Band ohne Garage macht. Dabei ist auch die Geschwindigkeit zugunsten von mehr Groove etwas zurückgefahren worden, und der Punk trägt infolge der erwähnten Eingängigkeit einen Mantel aus Pop. Wer also ein Haar in der Suppe sucht, der wird auch problemlos eines finden. Den herausragenden Unterhaltungswert dieses Albums wird man damit aber nicht wegdiskutieren können. Und letztlich hat einfach beides seine Berechtigung: "Veni vidi vicous" war der Höhepunkt des rohen, zackigen Garage-Punk, "The black and white album" ist nun die erste Duftmarke der "neuen" Hives. Ersteres war klar und frisch, letzteres ist routinierter, dafür abwechslungsreicher. Was dann am Ende besser war, das können wir klären, wenn wir dereinst stocktaub im Altenheim sitzen.

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • Tick tick boom
  • Try it again
  • T.H.E.H.I.V.E.S.

Tracklist

  1. Tick tick boom
  2. Try it again
  3. You got it all... wrong
  4. Well alright
  5. Hey little world
  6. A stroll through Hivemanor corridors
  7. It won't be long
  8. T.H.E.H.I.V.E.S.
  9. Return the favour
  10. Giddy up
  11. Square one here I come
  12. You dress up for Armageddon
  13. Puppet on a string
  14. Bigger hole to fill

Gesamtspielzeit: 46:00 min.

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