The Bled - Silent treatment

The Bled- Silent treatment

Vagrant / PIAS / Rough Trade
VÖ: 05.10.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Halbe Eier

Es gibt solche und solche, das war schon immer so. The Bled waren dabei früher sicher stets die anderen, die die in der Schule gemobbt wurden wegen irgendwas, wirkliche Gründe braucht man da ja sowieso nicht. Wie auch immer, jedenfalls haben sie bestimmt ordentlich einstecken müssen, nur weil sie kaputte Hosen anhatten, sich nicht trauten, in der ersten Klasse die zwei Meter vom Klettergerüst zu springen oder weil sie als Homos beschimpft wurden, weil sie die blonde Sunny-Barbie aus der Parallelklasse für eine doofe Schlampe hielten. Ein ganz normales Schulzeittrauma eigentlich. Der Unterschied ist nur, dass sich The Bled nie davon erholt haben.

Es gibt viele Möglichkeiten, solch eine zerrüttelte Jugend zu verarbeiten. Schulmassaker gehören definitiv nicht dazu, das nur so nebenbei bemerkt. Die einen werden dann also die größten Streber, bekommen Physik-Nobelpreise, die anderen gehen in die Politik oder grinsen gestört in die Kameras des Unterschichtenfernsehens. Oder gründen eben eine Band und lassen all das raus, was sie früher gern gemacht hätten, aber sich halt nicht getraut haben. So Slipknot-mäßig. The Bled würden das auch gerne.

Das Problem ist aber: The Bled trauen sich immer noch nicht so ganz. Aber sie würden gerne, das muss man ihnen lassen, und das hört man auch. So hätte "Silent treatment" durchaus nach mehr Stock im Arsch klingen können, macht es aber zum Glück nicht. Doch es braucht seine Zeit, bis The Bled auftauen. Das soll nicht heißen, dass ihnen etwas mehr Prolloattitüde gut tun würde, aber gerade die ersten Songs klingen doch noch zu sehr nach unsicheren, eingezogenen Schultern und vorsichtiger Abwartestellung. Mehr als auf den freieren Vorgängern "Pass the flask" und "Found in the flood". Keinem mögen sie irgendwie weh tun. So fallen auch die Refrains nicht ganz so poporientiert aus, die harten Breaks könnten im Gegenzug etwas mehr Pfeffer verkraften, aber wir wissen ja, The Bled sind nicht so die Draufgängertypen. Außerdem soll das ja keine Schocktherapie werden.

Letzteres wäre dann auch nicht wirklich authentisch, wenn eine der braveren unter all diesen unzähligen Post-Hardcore/-Metalcore-Bands auf einmal zum freidrehenden Rundumschlag ausholt. Vielmehr geht die Rechnung genau dann auf, wenn beide Seiten durchblitzen: die sachte Bubiseite mit einprägsamen Gesanglinien wie in "Asleep on the front lines", die dann aber auch gerne einmal gegen Ende ins chaotisch Ausflippende abdriftet. Der Liebling aller darf schließlich auch einmal auf den Tisch hauen. In eine ähnlich spannend vielfältige Kerbe schlägt auch das markante "Breathing room barricades". Härte trifft Melodie und das endlich einmal völlig befreit, konsequent und unbefangen. Wenn jetzt noch die Handbremse im Kopf umgelegt wird, dann haben The Bled ihr Trauma überwunden. Dann gibt’s auf die Nuss.

(Christoph Schwarze)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Asleep on the front lines
  • Breathing room barricades

Tracklist

  1. Shadetree mechanics
  2. You should be ashamed of myself
  3. Threes away
  4. Asleep on the front lines
  5. Platonic sleepover massacre
  6. Starving artiste
  7. Silver lining
  8. Some just vanish
  9. Breathing room barricades
  10. Beheaded my way
  11. My bitter half

Gesamtspielzeit: 35:46 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
trecker
2008-12-06 12:29:22 Uhr
Und wieder eine Band, die viel zu früh von uns geht...quelle : wikipedia.org

On April 18th, while playing with the Dillinger Escape Plan at Ridglea Theater in Fort Worth, TX, vocalist James Muñoz told the crowd "this is our last tour for a long while" due to mutual exhaustion among the band members from extensive touring over the past year and financial turmoil within the band. During The Bled's hiatus, Jeremy Ray has gone on to start the band Starving Arms. The band includes former members of the Tucson rock/hardcore band The Funeral March, and the Arizona post-hardcore act, Versus the Mirror.
Fredoy
2008-03-26 17:16:14 Uhr
"ohne dabei zu verwässern"

Die neue Scheibe ist weitaus poppiger....
trecker
2007-09-28 16:37:01 Uhr
Silent Treatment is doch der Hammer !!!

Und the Bled endlich mal ne Band die 3 gute Alben rausbringen ohne dabei zu verwässern. Top Band, top Mucke, top Alben !
Zwiebel
2007-09-27 19:55:05 Uhr
Nix da,die Pass the Flask haut alles kurz und klein :P
chucky
2007-09-26 14:37:34 Uhr
Found in the Flood ist klar besser, als Pass the Flask! Die Rezension hier triffts eigentlich sehr gut. Unglaubliche Songs drauf!
Hotel Corral Essex?
Daylght Bombings?
Der Abschlusstrack?

Wie kann man das nicht gut finden?
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify