Veljanov - The sweet life

Veljanov- The sweet life

Chrom / Motor
VÖ: 30.04.2001

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Kreide, die ich fraß

Frei nach der altbekannten Frage "Wann kommt der Hit, der mich emporspült?" profilieren sich in jüngster Zeit die mehr oder minder charismatischen Frontmänner deutscher Dunkelcombos gerne auch nebenher mit anderen Projekten. So ist Alexander Veljanov im sonstigen Leben Vorsteher von Deine Lakaien, die mit Hymnen an die Nacht wie "Love me to the end" oder "Return" schon so manche schwarze Seele berührten. In sein Soloprojekt unter eigenem Namen nimmt er auch auf dem Zweitling nicht nur ein gerüttelt Maß an Dunkelheit mit, sondern auch die beeindruckende Frisur, die immer noch an eine Mischung aus Coppolas Dracula und Marge Simpson erinnert. Leider aber findet sich wie schon beim Vorgänger "Secrets of the silver tongue" das eine oder andere sprichwörtliche Haar in der musikalischen Suppe.

Dabei werden mit David Young, dem neuem Innenausstatter, durchaus andere Saiten aufgezogen. Die Spinnweben wehen beiseite und auch die tropfenden Kerzen, die die Wände dekorieren, fangen an zu flackern. Das holpernde Titelstück und die hymnische erste Single "Fly away" zündeln an einem zarten Leuchten herum. Auch Songs wie "The wind" oder "Chains of steel" streben zum Licht, enden aber wie fehlgeleitete Motten an der flackernden Glühbirne. Zuviel Helium in Veljanovs markanter Stimme, zuviel Süße in der Melodie ruiniert die Stimmung. Mit dem Wunsch nach Pop steht sich der einzelne Lakai selber im Weg.

Schon beim letzten Album hatte der Übersong "The man with the silver gun" viel versprochen, was sich auf Albumlänge als überschminktes Lippenbekenntnis erwies. Belangloser Pluckerrock wie bei "Town by the river" und die leblose Umsetzung von Leadbellys "Black girl", welches sogar in der Mars-Werbung beseelter erklang, lassen Schlimmstes befürchten. Mit der Besinnung auf bittersüßen Bombast gelingt mit "Seraphim" und "In my room" aber doch noch so etwas wie die Versöhnung mit der Nacht. Einen "Dark star" vermißt man auf "The sweet life" dennoch schmerzlich.

(Oliver Ding)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • The sweet life
  • Fly away

Tracklist

  1. The sweet life
  2. Fly away
  3. Black girl
  4. The wind
  5. Seraphim
  6. Town by the river
  7. Longer longer
  8. In my room
  9. Das Lied vom einsamen Mädchen
  10. Chains of steel
  11. Blag zhivot

Gesamtspielzeit: 49:22 min.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv