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Josh Ritter - The historical conquests of Josh Ritter

Josh Ritter- The historical conquests of Josh Ritter

V2 / Rough Trade
VÖ: 28.09.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Discovery Channel

Echt jetzt, man will ja gar nichts mehr gegen den Klimawandel sagen, die arme Sau. Aber 2007 ist eben nicht nur das Jahr der auftauenden Polarkappen und Ex-Präsidentschaftskandidaten, sondern auch das Jahr der auftauenden Songwriter. Jeff Tweedy hat mit "Sky blue sky" das bisher wärmste und herzlichste Wilco-Album geschrieben. Iron And Wine mutet sich auf seiner dieser Tage erscheinenden Platte "The shepherd's dog" ein paar Anflüge von White-Man's-Funk zu. Und nur José González, dieses klinisch tote Häufchen Restseele, hält seine Körpertemperatur mit dem ebenfalls neuen "In our nature" noch erfolgreich unter der Frostgrenze. Es passt also gut ins Bild: dass auch Josh Ritter seine ganz persönliche Entdecke-die-Möglichkeiten-LP aufgenommen hat.

Im Prinzip hatte er gar keine andere Wahl. Mit "The animal years" und insbesondere dessen alles überschattenden Neun-Minuten-Mammut "Thin blue flame" war Ritter letztes Jahr einmal mehr nur knapp am Meisterwerk gescheitert. Er schien jedoch auch an die Grenzen seiner Idee von salonfähiger, gemäßigt depressiver Townes-Van-Zandt-Musik zu stoßen. Mehr war da nicht mehr rauszuholen, und deshalb spielt er mit "The historical conquests of Josh Ritter" nun auf, als hätte er mit all seinen imaginären Freunden eine Rockband gegründet. "My orchestra is gigantic / This thing could sink the Titanic", singt er einmal - und wirklich: Niemand kann die vorzügliche Unvernunft von "To the dogs or whoever" danach noch aufhalten.

Es ist dann sicherlich kein Zufall mehr, dass "Mind's eye" losgeht wie "London calling", bevor sich das Klavier einhakt und in der Folgezeit zu einem der Spielmacher des Albums wird. Die zaghafte Zuversicht von "Right moves" hat anschließend die ersten, noch verhaltenen Fanfaren und Streicherpirouetten, bevor man Ritter in "The temptation of Adam" dann sogar wieder erkennen kann. Überschaubares Folkpicking, Grabstimmungs-Geigen/-Bläser und die elende Geschichte einer missverstandenen Liebesbeziehung. In diesem Moment ist "The historical conquests of Josh Ritter" noch einmal ähnlich aufwühlend wie sein Vorgänger. Es ist aber völlig in Ordnung, dass sich die Platte anschließend vor allem darauf einschießt, ihren Sound auszubauen.

Auch die Holzbläser aus "Rumors" und das Fäustlings-Piano von "Real long distance" schmeißen sich der neuen Leichtigkeit an den Hals - am Ende klingt die Gitarre nach Staubsauger, die Trompete nach Free Jazz, und Ritter brennt mit "Empty hearts" auf dem Zitiergaul durch. Die Parallelen zu Adam Greens "Bluebirds" könnten noch versehentlich passiert sein, jene zu Arcade Fires "Laika" müssten dann aber schon ein sehr großer Zufall sein. So oder so: Ritter ist raus aus seiner Comfort Zone und scheint sich damit besser denn je zu fühlen. Nur dass die Ferris-MC-Locken als Geste der moralischen Sinneswandel-Unterstützung ab mussten, das tut schon ein bisschen weh.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • To the dogs or whoever
  • Mind's eye
  • The temptation of Adam
  • Real long distance

Tracklist

  1. To the dogs or whoever
  2. Mind's eye
  3. Right moves
  4. The temptation of Adam
  5. Open doors
  6. Rumors
  7. Edge of the world
  8. Wait for love
  9. Real long distance
  10. Next to the last romantic
  11. Moons
  12. Still beating
  13. Empty hearts
  14. Wait for love (You know you will)

Gesamtspielzeit: 42:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Beefy
2010-02-23 15:13:04 Uhr
Würde es nicht unbedingt als sein Schwächstes bezeichnen. Finde es doch ziemlich abwechslungsreich und mir gefallen auch die Bonustracks. "The Animal Years" bleibt aber ungeschlagen.
The Triumph of Our Tired Eyes
2010-02-23 13:33:20 Uhr
Sein schwächstes Album, stimmt. Aber mit "The Temptation of Adam" einer seiner besten Songs mit drauf.
Pure_Massacre
2007-11-10 14:28:30 Uhr
Ist tatsächlich für 2,99 Euro bei mir eingetrudelt! :)
captain kidd
2007-10-11 00:12:41 Uhr
leider sein schwächstes album. wenn auch der opener einer seiner stärksten songs ist.
Pure_Massacre
2007-10-11 00:07:02 Uhr
Wow, schon 12 Einträge. Gigantisch.
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