The Good Life - Help wanted nights

The Good Life- Help wanted nights

Saddle Creek / Indigo
VÖ: 05.10.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wahre Liebe wartet

Jetzt muss es aber auch mal gut sein, Freunde: Der Nächste, der behauptet, The Good Life seien lediglich Tim Kashers Seit- und Erholungsprojekt zur erklärten Hauptbaustelle Cursive, wird an einen Cadillac festgebunden und durch die Wüste Omahas geschleift. Es ist doch schließlich sehr klar, dass sich das Blatt längst gewendet hat und Cursive im vergangenen Sommer auf "Happy hollow" erste (nur ganz leichte) Abnutzungserscheinungen zeigten, während sich die letzte The-Good-Life-Platte "Album of the year" als bisher klügstes und fertigstes Statement einer Kasher-Band empfohlen hat. Nichts war 2004 herzzerreißender als diese zwölf Songs mit runtergelassener Deckung und offenem Hosenstall. Niemandem hätte man das Glück vehementer an den Hals gewünscht als dem notorisch beziehungsgestressten Kasher.

Trotzdem: Es sieht weiterhin nicht gut aus für ihn. "It doesn't have to be / Some fucked up tragedy", singt er einmal auf "Help wanted nights", aber natürlich weiß er es besser, weiß, dass es sehr wohl so zu sein hat. Das vierte Album von The Good Life ist das vierte Album von The Good Life, das von Kashers missglückten Beziehungskisten und immer wieder rührenden Neuanfängen zehrt. Es gibt darauf nichts, was beschönigt würde, keine mildernden Umstände, nur schmerzhafte Offenheiten, die manch einer dem eigenen Tagebuch nicht anvertrauen würde. Kasher kennt da keine Hemmungen. Er ist kein Poet, er sagt's nur, wie es ist.

Und das Wichtigste: Er macht weiter, weil er weitermachen muss, er ist ums Verrecken nicht klein zu kriegen. Die zugehörige Musik setzt auf "Help wanted nights" The Good Lifes Abkehr von elektronischen Zusatzstoffen hin zu traditionsbewusstem Songwriting fort. Anders als "Album of the year", wo gerade dieser Schlenker ins Konservative den Songs eine unvermutete Strahlkraft und Natürlichkeit gab, wirken einige der Lieder von "Help wanted nights" jedoch unvollendet, zu vorhersehbar und schmucklos ausgestaltet. Das doppelte Finale im Titelstück des Vorgängers, der untote Engelschor aus "You're not you" oder die Raserei von "Notes in his pockets"? Lassen ihre Nachfolger vergleichsweise alt aussehen.

Man muss also schlucken können, dass diesmal alles eine Nummer kleiner angelegt ist, bevor sich auch "Help wanted nights" als wertvolle Platte für gebeutelte Stehaufmännchen und Durchhalter auf dem letzten bisschen Zahnfleisch entpuppt. Die quietschende Gitarre, überhaupt ein Lieblingsspielzeug diesmal, fährt der vorgeschobenen Kinderlied-Unschuldigkeit von "Heartbroke" über den Mund. Das eilige Schlagzeug aus "You don't feel like home to me" stellt sich angenehm quer zum sonst sehr betulichen, überschaubaren Rest des Stücks. Und erst am Ende kommt auf "Help wanted nights" der Song fürs gemeinsame Reinsteigern, das befreiend aufgefaltete "Rest your head" inklusive Alleinunterhalter-Orgel und dreiminütigem Ambient-Outro als Anker am Fuß. Es soll schließlich bloß niemand auf die Idee kommen, mit dieser Platte abzuheben. In Tim Kashers Universum bleibt die Liebe ein Geduldsspiel.

(Daniel Gerhardt)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • A little bit more
  • You don't feel like home to me
  • Rest your head

Tracklist

  1. On the picket fence
  2. A little bit more
  3. Heartbroke
  4. Your share of men
  5. You don't feel like home to me
  6. Keely Aimee
  7. Playing dumb
  8. Some tragedy
  9. So let go
  10. Rest your head

Gesamtspielzeit: 40:13 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Dazer
2008-02-15 12:55:17 Uhr
@Obrac: so steht's auf myspace: I just finished my record! What lovely people have played/worked on my record. Steve Bartolomei,Ben Brodin,Dan McCarthy, Tim Kinsella,Ben Vida,Adam Vida,Josh Abrams,Graeme Gibson,Nate Walcott,John Koetchen,Maria Taylor,Orenda Fink,Conor Oberst,Dave Osborn.........

lange wird's wohl nicht mehr dauern.
m.caliban
2008-02-15 09:30:51 Uhr
also, von dem Album bin ich mittelschwer enttäuscht.
Obrac
2008-02-14 21:37:17 Uhr
Was ist nun mit der niedlichen Bassistin? Veröffentlicht die mal?
Dazer
2007-11-27 16:10:51 Uhr
mich hat die anzahl an leuten auch ein wenig überrascht. gut, ein volles haus ist was anderes, aber ich hätte jetzt nicht mit 80-100 leuten gerechnet.
matze
2007-11-26 13:05:43 Uhr
ich war auch da, war wirklich super. Und vor allem viele Leute waren da - hab mit maximal 50 gerechnet.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum