Crash My Deville - Please glamour, don't hurt 'em

Crash My Deville- Please glamour, don't hurt 'em

Redfield / Cargo
VÖ: 14.09.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Schlachtplatte

Die Bremsen quietschen und fangen an zu glühen. Zu spät. Das Hinterrad hebt sich leicht und fällt dann wuchtig auf die Seite. Die Schweine müssen dran glauben, die Maschine rast geschmeidig in die Horde und schlitzt sich mit brutaler Eleganz durch die Leiber. Gedärme quillen auf die Fahrbahn, der Fahrer kotzt Blut, hält sich die schmerzende Schulter und blickt auf das Massaker. Dann schnalzt er mit seiner Teufelszunge und grinst höhnisch. Gute Arbeit.

Den grunzenden Soundtrack zu dieser Symphonie des Schmerzes bieten Crash My deville mit "Please glamour, don't hurt 'em". Druckvoll produziert, mit bitterbösen Metal-Riffs und grimmigen Doublebass schlachten die sechs Saarländer eine ganze Farm nieder. Sie wollen vielleicht ungeschoren davon kommen, teilen aber auf ihrem zweiten Album selbst ordentlich aus. Mit archaischer Gewalt malträtieren sie sowohl Instrumente als auch Stimmbänder und schlagen sich unberechenbar ihren Weg durch Genredickicht.

Beim Karaoke-Selbstversuch ist spätestens nach "Sorry, no personal convenience within the next 4.55 min" Schluss. Was bleibt, ist ein ersticktes Röcheln, der Wunsch nach zusätzlichen Lungenflügeln und die Frage, wo Chef-Grunzer Daniel Kleinbauer die Luft zum Atmen her hat. Quatsch, Luft braucht der nicht, der braucht rohe, brachiale Gewalt. Mikrophon und Starkstromkabel sind bei Crash My Deville ein und dasselbe. Der Schmerz soll frei machen und das Herz zum Weiterschlagen animieren. Doch wirklicher Genuss stellt sich bei Crash My Deville immer erst dann ein, wenn der Schmerz nachlässt, die Band ihre Wunden leckt und Christian Diehl die Growls von Daniel Kleinbauer unterbricht oder ihn in zweiter Gesangslinie unterstützt.

Höhepunkte sind die druckvolle Endzeitarie "Ride this horse to war (with no shoes on)" und die Songtriologie "The glamour". Komplexe Songstrukturen und gelungene Berg-und-Tal-Fahrten lassen hier das Potenzial von Crash My Deville erkennen, das ihr Songmaterial noch nicht immer ganz ausschöpft. Aristotelische Emotionen treten den Druck frei und entladen sich in einem besinnungslosen Wechselspiel. Auch wenn die Dynamik oftmals vorhersehbar ist und mancher Faustschlag sich über mehrere Sekunden ankündigt, steht man nach barbarischen 48 Minuten atemlos und mit aufgeschlagenen Knien auf dem Schlachtfeld der Affekte. Katharsis erreicht!

(Steffen Meyer)

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Highlights

  • Ride this horse to war (with no shoes on)
  • The glamour pt.I (The awakening)
  • The glamour pt. III (The destination)

Tracklist

  1. Here comes the glamour
  2. Don't piss down our backs and tell us it's raining
  3. You sell a bit of compusure
  4. Ride this horse to war (with no shoes on)
  5. Sorry, no personal convenience within the next 4.55 min
  6. The glamour pt.I (The awakening)
  7. The glamour pt.II (The departure)
  8. The glamour pt. III (The destination)
  9. From sinking risks and fast disgrace
  10. Handcuff-rodeo
  11. Killing on your own demands
  12. How to write hopes in times of upheaval

Gesamtspielzeit: 47:18 min.

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