Caroline's Spine - Attention please

Caroline's Spine- Attention please

Edel
VÖ: 25.10.1999

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Attention please all customers

Neulich im alternativen Musikpub meines Vertrauens: Der DJ zieht "Open fire" von Caroline's Spine hoch. Nach den ersten Takten beginnt plötzlich ein Gast am Nebentisch, unter den denkwürdigen Worten "Creed rocken!" sein wallendes Haupthaar nebst Ziegenbart zu schütteln. Stunden später, kurz vor Mitternacht: Nachdem beim zweiten Caroline's Spine-Song "Nothing to prove" der Gesang eingesetzt hat besucht ein sturzbetrunkener aber sichtlich glücklicher Topfhaarschnitträger den Discjockey und schenkt ihm lallend sein halbvolles Bier und sein verschwitztes Matchbox 20-T-Shirt.

Nun, zugegeben, diese kleine Geschichte stimmt so nicht ganz. Besagter DJ war meine Wenigkeit, und tatsächlich mußte ich wegen "Open fire" mehrere Anfragen, um welche Band es sich denn da handelt, beantworten. Dabei hatte ich auch bestimmt nicht den Eindruck, daß da irgendjemand auf etwas wirklich neues gestoßen ist. Stattdessen schienen die Interessierten vielmehr ihre Pearl Jam-Plagiat-Sammlung um ein weiteres gutes Exemplar erweitern zu wollen.

Ungewöhnlich ist zumindest die Spieldauer. Ein Grungerock-Album, und kein Song dauert über vier Minuten, wann hat es das das letzte Mal gegeben?! Trotzdem ist die nächste Schublade greifbar. Denn nicht nur die Tracklängen, sondern vor allem auch ein Blick ins Booklet rufen mir unweigerlich die Labelkollegen Goo Goo Dolls ins Gedächtnis. Was die Direktheit der Lyrics angeht besteht Verwechslungsgefahr, nur fallen die Texte bei Caroline's Spine eine Spur desillusionierter aus und werden vor allem mit deutlich weniger Zucker vorgetragen.

Mit den ersten Sätzen des Albums "Your attention please all passengers with confusion and comfort we live all our lives", und besonders mit den Worten "confusion and comfort" wäre auch eigentlich schon alles gesagt. Caroline's Spine machen Musik für großes Publikum und pendeln dabei zwischen Verwirrung und Bequemlichkeit, zwischen Härte und Eingängigkeit. Bevor Gefahr besteht in eines der Extreme abzudriften bekommt die Band noch jedesmal die Kurve. Leider halten sich dadurch echte Höhepunkte wie der melodische Titelsong oder das bereits erwähnte "Open fire" in Grenzen.

Das hier läßt sich bestimmt nicht mit dem Begriff "Independent" überschreiben. Es ist geradliniger Postgrunge, der für deutsche Radioohren bis auf die erste Single "Nothing to prove" auf Dauer etwas zu hart ist, in den amerikanischen Collegeradios aber zu recht rauf und runter gespielt werden wird.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Attention please
  • Open fire

Tracklist

  1. Attention please
  2. Deep in your wake
  3. Nothing to prove
  4. Ready set go
  5. Rock'n'roll hero
  6. Inside your mind
  7. Open fire
  8. Turned blue
  9. Work song
  10. Happy without you
  11. Again & again
  12. True star

Gesamtspielzeit: 37:54 min.

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