Fink (UK) - Distance & time

Fink (UK)- Distance & time

Ninja Tune / Rough Trade
VÖ: 28.09.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Geschichte vom traurigen Schwan

Es war einmal ein Schwan, der sich in ein Tretboot verliebt hatte. Das war vor zwei Jahren, und es war in Münster auf dem Aasee. Für den "Schwarzen Peter", wie er seines Gefieders wegen bald genannt wurde, war es eine recht frustrierende Beziehung, da seine Gefährtin naturgemäß etwas mundfaul war. Wie es dem ungleichen Paar ergangen ist, ist nicht überliefert. Ihre Spur verlor sich bald, als das Interesse der Regenbogenpresse erlahmte. Fest steht jedoch, dass sich der zuletzt etwas düstere Schwänerich liebend gerne zu einer Platte von Fink zu seiner stillen Geliebten gelegt hätte. Denn wenn Fin Greenalls Musik zu etwas taugt, dann dazu, sich aneinander zu schmiegen.

Denn wie schon das Debüt "Biscuits for breakfast" will auch "Distance & time" wieder einfach warm und schön und gerne auch ein bisschen traurig sein. Dass von diesem Ansatz ein Zauber ausgehen kann, das hat Erlend Øye mit den akustischen Kings Of Convenience wie auch mit den elektrifizierten The Whitest Boy Alive vorgemacht. Bei Fink, der bekanntermaßen seine Karriere bei Ninja Tune eigentlich mit Clubmusik begonnen hat, trifft eine perlende Akustikgitarre auf eine angenehme, gerne etwas vernuschelte Stimme, die mehr zu sich selbst als zum Publikum singt. Dazu gesellen sich ein paar Grooves in meist mittlerem Tempo. Kälteschock? Vulkanausbruch? Das gibt’s eine Tür weiter, da wo "Jamie Lidell" oder "dEUS" circa "The ideal crash" draufsteht. Finks Musik hingegen gleicht eher einem Whirlpool, der blubbert, der die Muskeln entspannt und immer die richtige Temperatur hat.

Musik, die wie diese kleinen Wellen klingt, die an einem sonnigen Herbstmorgen leise ans Seeufer klatschen. Schlicht, aber direkt und gerade deshalb faszinierend. Das gilt schon für den Opener "Trouble's what you're in", in dem Greenall über einem schleppenden Rhythmus ins Zimmer schlurft und durch sein Schnuffeltuch singt, während draußen seine Gitarre die Regentropfen sanft ans Fenster klopfen lässt und die Snare im Kaminfeuer knackt. "This is the thing" passt mit seiner enormen, sich nie entladenden Spannung eher zu einer dieser Zeitrafferaufnahmen einer Landschaft, bei der man den schnellen Wechsel von blauem Himmel und Wolken, Sonne und Regen immer mit einem leicht mulmigen Gefühl verfolgt. Am stärksten ist Finks Musik immer dort, wo sie ein wenig Fahrt aufnimmt und sich nicht allein auf die Stimme verlässt. "Blueberry pancakes" oder "Little blue mailbox" etwa besitzen dadurch weit mehr Intensität als das im Vergleich etwas abfallende, beinahe rein akustische "Get your share".

Ohne seine Rhythmusgruppe, die den Songs Kontur gibt, strauchelt Mister Greenall daher ein wenig. Da diese aber nur bei anderthalb Songs eine Zigarettenpause einlegt, ist das kein schwerwiegender Kritikpunkt. Vielmehr gelingt es Fink auf "Distance & time", das gegenüber "Biscuits for breakfast" noch stärker auf das Wesentliche reduziert wirkt, über das gesamte Album hinweg die Spannung zu halten und neun Songs zu versammeln, die wie die Blätter im gerade beginnenden Herbst sanft und langsam zu Boden fallen, ohne belanglos zu sein. Und was den eingangs erwähnten traurigen Schwan angeht ... Man munkelt, er habe irgendwo im Süden ein neues Leben angefangen. Außerdem soll er eine neue Freundin haben. Französin soll sie sein, sehr verspielt und von einem geradezu überbordenden Mitteilungsdrang. Neulich erst wurden die beiden gesehen, wie sie auf einem idyllisch gelegenen See langsam ihre Kreise zogen – während von irgendwoher leise das Genuschel eines gewissen Fink heranwehte.

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • Trouble's what you're in
  • Blueberry pancakes
  • Little blue mailbox

Tracklist

  1. Trouble's waht you're in
  2. This is the thing
  3. If only
  4. Blueberry pancakes
  5. Get your share
  6. Under the same stars
  7. So many roads
  8. Make it good
  9. Little blue mailbox

Gesamtspielzeit: 36:59 min.

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