Stars - In our bedroom after the war

Stars- In our bedroom after the war

Arts & Crafts / City Slang / Universal
VÖ: 21.09.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Friendly fire

Manchmal verrät man einfach zu viel, gibt zu viel von sich Preis. Nach den übervollen Schatzkisten von "Heart" und "Set yourself on fire" musste es auch für die Stars irgendwie so kommen: Ein bestimmter Funke, diese gewisse Heimlichtuerei, welche sie stets einzigartig werden ließ, ist aus ihren Liedern verschwunden. Es gibt weniger zu entdecken auf "In our bedroom after the war". Diese Platte hat alle Schätze gehoben und gibt nun keine Rätsel mehr auf. Und raubt so zwar immer noch den Atem. Aber auch manche Illusion.

So schleusen "Take me to the riot" oder "Midnight coward" ihre Smiths-Verliebtheit nicht länger auf gut gehüteten Schleichwegen durch die Arrangements, sondern öffnen alle Schleusen für mächtige Refrains, die natürlich zum Besten gehören, was auch die Stars jemals geschrieben haben. Jedoch: Waren sie einst Könige ihres eigenen Reiches, so überschreiten sie nun ein Terrain, auf dem ihnen etwa die Delgados schon vor Jahren ein paar Meilen voraus waren. Die Lieder stehen nackter da und zeigen, dass sie in der Tat auch nur mit Wasser duschen und nicht in Champagner baden.

Auch "Window bird", eigentlich ein Indie-Pop-Juwel aus Klavierkaskaden, einem straighten Gitarrenriff und dem so typisch in die harmonische Empfindsamkeit konternden Bass, verliert irgendetwas zwischen seinen in die nächste Songstufe polternden Auftakten. Das exzellente "The night starts here" aber begibt sich sofort auf die Suche: "You drop a coin into the sea / And shout out, 'Please, come back to me' / You name your child after your fear / And tell them, 'I have brought you here.'" Nicht loslassen zu können und doch etwas von sich zu geben, es so zugleich vor sich hinzustellen und tief im anderen zu begraben: irgendwie eröffnet sich hier doch auch eine andere kryptische Logik, entsteht die Ahnung einer neuen, Geheimnis umwobenen Schöpfungsgeschichte.

Einiges schließt sich dann aber etwas zu sehr in eben dieser Kryptik ein. So geht "The ghost of Genova heights" in seiner Verklappung von 80er-Synthies und Bee-Gees-Stimmlage zu Jamiroquai-Phrasierungen sicherlich ein neues Wagnis ein. Schafft es jedoch nicht, hieraus einen das Album herausfordernden Effekt zu erzielen. Vielmehr zieht sich das folgende "Personal" noch tiefer in sich selbst zurück. Und findet hier eine klassische Großstadtballade vor, die dann zur wichtigeren Geste wird, mit der "Barricade" erneut durch die 80er-Mauer bricht, um sich an Spandau Ballet doch noch den Kopf anzuschlagen. Hier ist zu jeder Sekunde klar, was sie vorhaben. Es ist komplex gestaltet und prima gemacht, dann aber doch recht einfach gedacht.

Dennoch: Sollten Stars es schaffen, zu einer ähnlichen Institution zu werden wie etwa Prefab Sprout, The Walkabouts oder The Go-Betweens, so ist das schon eine ganze Menge. "In our bedroom after the war" gibt diesbezüglich keinen Grund zur Sorge. Es ist vielmehr beruhigend mit anzuhören, dass diese Band immer noch wächst, dass sie sich Luft nach oben lässt und trotzdem ein hervorragendes Album aufnehmen kann. So bleiben sie ein mehr als willkommener Gast, der allerdings ein wenig zu sehr in Plauderlaune ist. "So genau wollte ich das gar nicht wissen", denkt man sich im Hinterstübchen, während es im Wohnzimmer selbst dann noch weiterplappert, wenn man eigentlich längst den Sandmann begrüßt. Nicht dringend, aber schön zu hören, dass sie noch da sind.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • The night starts here
  • My favourite book
  • The ghost of Genova heights
  • Personal

Tracklist

  1. The beginning after the end
  2. The night starts here
  3. Take me to the riot
  4. My favourite book
  5. Midnight coward
  6. The ghost of Genova heights
  7. Personal
  8. Barricade
  9. Window bird
  10. Bitches in Tokyo
  11. Life 2: the unhappy ending
  12. Today will be better, I swear!
  13. In our bedroom after the war

Gesamtspielzeit: 55:48 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Kai

Postings: 206

Registriert seit 25.02.2014

2019-09-27 21:54:11 Uhr
Gerade mal wieder aufgelegt nachdem ich am Dienstag bei der set yourself on fire show war.

Immer noch toll.

revilo

Postings: 73

Registriert seit 18.06.2013

2016-10-17 12:09:25 Uhr
Wieder mal gehört. Sehr schönes Album. Personal ist unheimlich stark
bee
2011-07-22 13:03:25 Uhr
die Bedroom Demos sind wirklich klasse!

2011-06-07 22:14:18 Uhr
Demos jetz neu auf CD und im Stream
http://www.thebedroomdemos.com/secretshow/streamthealbum/
biba butzemann
2009-08-21 12:04:01 Uhr
Nicht tot zu hören. Barricades aktuell der Favorit, kaum ein Song schafft es in dieser Ruhe so zu fesseln.
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