Pohlmann - Fliegende Fische

Pohlmann- Fliegende Fische

Virgin / EMI
VÖ: 21.09.2007

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Das Murmeltier

Ingo Pohlmann hat in seinem Leben vieles richtig gemacht. Zum Beispiel mit wehenden Haaren vor der besiegelten Zukunft als Fortführer der familiären Baufirma zu flüchten. Raus aus Rheda-Wiedenbrück, einem Ort, welcher sicherlich wie die gesamte deutsche Provinz unterschätzt wird, doch für einen aufstrebenden Musiker so nützlich ist, wie eine gebrochene Hand. Dass das ersehnte und hart erarbeitete Debütalbum "Zwischen Heimweh und Fernsucht" zwar erfolgreich, aber künstlerisch nicht des Esels Gold war, ist zu verkraften. Solange das Zweitwerk an diesem Status rüttelt.

Die Songs entstehen noch immer auf der Toilette und die Pointen sind immer noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Die Lieder könnten fast ausnahmslos auf dem Vorgänger eingewoben werden, ohne als Fremdkörper zu wirken. Pohlmann bleibt seinem Stil treu, geht den Weg dessen, der gerne als "deutschsprachiger Jack Johnson" angepriesen wird. Doch sollte man es sich mit "Fliegende Fische" nicht ganz so einfach machen. Schließlich sind fast zwei Jahre ins Land gezogen und irgendetwas wird sich ja wohl geändert haben!?

An den Texten hat er gefeilt. Diese sind nicht mehr kindisch naiv, sommerlich gutgelaunt, sondern nachdenklich und subtil. "Bitte folgen Sie dem Licht" ist da zu nennen, ein Song, der eine hübsche Geschichte über die alltägliche Verzweiflung entwirft. Auch das sehnsüchtige "Flüchten", das beste Stück der Platte, trifft den sentimentalen Kern des Hörers. Der Totalausfall "Mädchen und Rabauken" muss textlich unbedingt ignoriert, die dümmliche Hookline aber wegen Unausweichlichkeit spätestens nach dem zweiten Hören mitgesummt werden. Ist das was?

Wohl kaum. Schließlich kann das nicht als Kompliment durchgehen. Glücklicherweise hat Pohlmann neben "Flüchten" noch das schicke "Bruce Lee" auf sein Zweitwerk gepackt, das die steif gefrorene Rezeptur ein wenig ins Wanken bringt und den Kern zwischen Sentimentalität und Melancholie trifft. Bleibt noch die Frage, wer in Gottes Namen für diese Scheußlichkeit eines Album-Covers verantwortlich ist und wann Pohlmann endlich von seinen reichlich platt getretenen Pfaden abweicht. Talent ist da, nur der Wille zur Besonderheit muss noch geboren werden.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Flüchten
  • Bruce Lee

Tracklist

  1. Musik
  2. Wenn es scheint, dass nichts gelingt
  3. Flüchten
  4. Die Liebe
  5. Bitte folgen Sie dem Licht
  6. Mädchen und Rabauken
  7. Das Glück
  8. Fliegende Fische
  9. Teufel
  10. Bruce Lee
  11. Was geschieht
  12. Mördersong

Gesamtspielzeit: 44:23 min.

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