Montana Chromeboy - American massage

Montana Chromeboy- American massage

Yo Mama / Zomba
VÖ: 30.04.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Poor lonesome cowboy

Endlich ist es raus. Truck Stop irrt. Der wilde, wilde Westen fängt nämlich gleich hinter Frankfurt an. Hinter der Autobahnabfahrt Gießen wartet allerdings kein Maschendrahtzaun auf den interessierten Zuhörer. Wer dennoch ungläubig den Straßenatlas rauskramt oder an eine Verlegung der Karl-May-Festspiele glaubt, der lasse sich durch "American massage", dem frischgebackenen Erstling von Montana Chromeboy, eines Besseren belehren. Staubtrockene Beats, relaxter Groove und eine Coolness, die selbst Clint Eastwood gut zu Gesicht stünde, hätte man jedenfalls im hessischen Niemandsland nicht wirklich vermutet.

Wenn dann auch noch Yo Mama ein Label für dieses Debütwerk verantwortlich zeichnet, das ansonsten eher mit deutschem Hip-Hop assoziiert wird, ist die Verwirrung komplett. Der Qualität des Ganzen tut diese jedoch keinen Abbruch: Wie ein frisch geputzter Colt inmitten eines staubigen Saloons blitzt und blinkt der verchromte Junge aus Montana. Wer so gekonnt zwischen Funk, Blues, Country und Elektronik seine Zelte aufschlägt, muß das Duell mit den amerikanischen Originalen nicht scheuen. Auch der in den Credits auftauchende The Big Lebowski wäre sicher entzückt von der zurückgelehnten Soundschrauberei und würde das Werk der zwei Möchtgern-Revolverhelden mit dem ein oder anderen White Russian begießen.

Zum unverwechselbaren Sound tragen in besonderer Weise auch die Memphis Horns bei, jene Blechbläser, die bereits in den 60er und 70er Jahren Funk versprühten und jede Menge Soul hatten. Woher man mitten im kalten Deutschland die Inspiration für Songs nimmt, die mit jedem Ton an endlose amerikanische Highways, stolze Cadillacs und nicht zuletzt an neonbeleuchtete Diners mitten im staubigen Nirgendwo erinnern, bleibt ein Geheimnis der verchromten Hessen. Fast vermag man das Surren der Klimaanlage, das Klackern am Flippertisch oder das Umfallen der Bowling-Pine zu vernehmen, die aus der verklärten Vorstellung amerikanischer Spelunken herüberdringen. Und vor der Tür wartet noch immer die stilechte Pferdetränke darauf, daß die Klepper an ihr den Durst stillen. Wenn schließlich der leicht angetrunkene Cowboy aus dem Diner gewankt kommt und sich zwischen den Straßenschiffen hindurch auf seinen verläßlichen Freund zu bewegt, würde es auch Jolly Jumper nicht stören, wenn Lucky Luke Songperlen wie "Off the ground" oder "Jungle" vor sich herpfeift. Zum Ritt in Richtung Abendsonne paßten sie jedenfalls ebenso vorzüglich.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Off the ground
  • Zigan
  • Jungle

Tracklist

  1. Off the ground
  2. Zigan
  3. Receiver
  4. Little bit
  5. Big boy Pete
  6. Floppy love
  7. Halleluja baby
  8. Way down
  9. Jungle
  10. Coffee bar
  11. War on the bullshit

Gesamtspielzeit: 50:46 min.

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