Joe Henry - Civilians

Joe Henry- Civilians

Anti / SPV
VÖ: 07.09.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Schattenmann

Joe Henry ist schon längst einer der ältesten Hasen auf dem Feld, war aber lange Zeit nicht eben der dickste Fisch im Karpfenteich. Zu Recht Liebling der amerikanischen Folk- und Country-Szene zog ihn sich Europa und der Rest der Staaten im Grunde erst mit dem Jahrtausendwechsel an Land, als Madonna sich einen Song ihres Schwagers unter die Fingernägel krallte und mit "Don't tell me" einen Welt-Hit daraus manikürte. Kurze Zeit später rollten die Angebote, winkten die Preise und Kollaborationen als Produzent und Musiker (zuletzt etwa mit Elvis Costello und Loudon Wainwright III). Henry selbst aber hatte seine Americana zu jener Zeit gerade zum Trip-Hop unterlegten Folk-Pop entwickelt, den er dann schon bald in eine seltene Bar-Jazz-Melange überführen sollte. Nun nimmt er sich mit "Civilians" eine wohltuende Auszeit. Und findet den Weg zurück in eine Musik, die er vielleicht nicht am besten kann (das würde seinem Zwischenwerk in der Tat Unrecht tun), aber in der er sich definitiv zu Hause fühlt.

"Civilians" ist ein einziges Durchatmen, ein Lebenselixier, beinahe eine Erlösung. Locker und erleichtert schwingen die Arrangements, und Henry singt dazu wie von allen irdischen Fesseln befreit. Es ist Songs wie "Time is a lion", "Wave" oder "Shut me up" anzuhören, wie sehr er sich hier geborgen fühlt, wie sicher und leichtfüßig er diesen Boden (wieder) betritt, wie viel Vertrauen er hier hat, wie viel er erwartet und wie sehr er sich darauf verlassen kann.

Ob in voller Soul-Intrumentierung wie im Titelstück, im zugleich polternden und ebenso sehr zart wie präzise arrangierten Drama-Folk von "Parker's mood", ob "Our song" seinen Streichern noch die letzten Tränen auswringt oder "God only knows" natürlich nicht den Beach Boys, sondern dem frühen Dylan einen dicken Schmatzer auf die Wange presst - stets schafft es Henry, seinen Songs Konsistenz und Eindringlichkeit zu verleihen. Klaviere, Orgeln, Geigen, Cellos, Gitarren, Standbässe, Banjos gehen alle den gleichen Weg, bergab, bergauf, machtvoll und beeindruckend wie eine Prozession. Und doch unglaublich facettenreich. Denn die größten Dramen spielen sich in Henrys Songs immer wieder im Allerkleinsten ab. Die Welt können sie so zwar nicht erklären. Aber sie haben sie verstanden.

Wäre Henry noch so etwas wie eine Schwippschwägerin von, sagen wir mal, Bono seine Großtante ihr Jagdterrier, sein Siegeszug über die Musiklandschaft wäre gewiss nicht mehr aufzuhalten. So aber genießt er nach wie vor den allerletzten Rest einen Schattensdaseins, in dem seine Musik strahlen kann wie das Ausgangsschild im Höllenpfuhl. Er selbst hat die Pforte mit "Civilians" gefunden. Und lässt die Tür für den Hörer gleich sperrangelweit offen stehen. Eine Einladung, die man nicht ablehnen sollte. Tut auch Ihr etwas Gutes und macht das Licht an, wenn Ihr geht.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Parker's mood
  • Our song
  • God only knows

Tracklist

  1. Civilians
  2. Parker's mood
  3. Civil war
  4. Time is a lion
  5. You can't fail me now
  6. Scare me to death
  7. Our song
  8. Wave
  9. Love is enough
  10. I will write my book
  11. Shut me up
  12. God only knows

Gesamtspielzeit: 57:51 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
captain kidd
2011-10-19 22:18:21 Uhr
tiny voices fand ich toll (vor allem wegen don byron) - aber richtig gepackt hat er mich nie. aber schon ein guter.
Killyouridols
2009-10-24 18:15:58 Uhr
Das hier kenn ich noch nicht. Noch! Aber das neue Blood from Stars gefällt mir ausgesprochen gut. Geile Produktion! Unbedingt mit guten Kopfhörern genießen!
bee
2009-09-25 21:00:16 Uhr
dass der Mann hier nur einen Eintrag hat ist wirklich eine Schande! Dabei ist seine Leistung eine fast beispiellose Reihe von tollen Alben seit den Mid-80er.
Und auch das neue Album Blood from Stars ist wirklich sehr sehr gut! Folk, Blues, R&B, etwas Jazz und was für ein Songwriting!Irgendwie spielt der Mann inzwischen in seiner eigenen Liga.
music777
2007-09-04 10:31:03 Uhr
Am 7. September gibt es ein neues Album von einem der besten Songwriter aus den USA:

Civilians von Joe Henry

Info von seiner Homepage:


Joe Henry releases his second Anti- disc, Civilians, on September 11th, 2007. The twelve song set was recorded and mixed in his home studio and counts the talents of guest pianist Van Dyke Parks on the brilliantly poignant \"Civil War\" and the emotive, lilting \"I Will Write My Book.\"

IN ADDITION TO WINNING A GRAMMY FOR PRODUCING SOLOMON BURKE\'S DON\'T GIVE UP ON ME, Joe has also produced acclaimed efforts for Ani DiFranco, Aimee Mann, Bettye LaVette, Elvis Costello and Allen Toussaint, AND THE UPCOMING MARY GAUTHIER ALBUM. He ALSO worked with longtime hero Loudon Wainwright III on the soundtrack to this summer\'s smash hit Knocked Up.

Joe brings all of these diverse influences to the self-produced Civilians, which was recorded and mixed in his home studio. His impressive array of collaborators include jazz guitarist Bill Frisell, pianist and chamberlain organist Patrick Warren, guitarist and dobro master Greg Leisz, bassist Dave Piltch and longtime drummer Jay Bellerose.


Auf dieser Webseite gibts vom neuen Album vier ganze Songs und den Rest als Zwei Minuten Snippets zum herunterladen:
Songs



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