Manu Chao - La radiolina

Manu Chao- La radiolina

Warner
VÖ: 31.08.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Eine gute Wahl

Schon mal was von Diogenes gehört? Das ist der Typ, dem Alexander Der Große das Angebot gemacht hat, ihm jeden Wunsch zu erfüllen. Und was hat Diogenes dem bis dato mächtigsten Herrscher des Erdballs angetragen? Lediglich, ihm aus der Sonne zu gehen. Bei den alten Griechen wusste man halt noch, wie Coolness geschrieben wird. Man stelle sich das einfach mal vor: Diogenes relaxt so in seiner Mülltonne vor sich hin, dann kommt Alexander Der Große um die Ecke gecruist und will ihm Reichtum, Frauen und dicke Schlitten verpassen, aber der will nur chillen. Alexander soll daraufhin erwidert haben: "Wahrlich, wäre ich nicht Alexander, ich möchte wohl Diogenes sein."

Was das mit Manu Chao zu tun hat? Nun, er ist Diogenes' Bruder im Geiste. Der Typ hat längst genug Airplay und Fame, um sämtliche roten Teppiche der Welt zu besteigen und alles zu bekommen, was er begehrt. Aber stattdessen tingelt er durch die Weltgeschichte, genießt die Sonne Brasiliens, Afrikas, Lateinamerikas und braucht dabei nicht viel mehr als seine alte Klampfe, Tequila aus dem Kiosk um die Ecke und seine Sonnenbrille. Hinterfragen wir besser nicht diesen Mythos, hinterfragen wir besser nicht den Lebensstil von Manu Chao und hinterfragen wir besser nicht Diogenes Entscheidung, sämtliche Chicks Europas zu verschmähen.

Viel wichtiger - und wegen einer Geschichtsstunde kommt schließlich eh keiner zu Plattentests.de: "La radiolina" ist ein wunderbares Werk geworden. Zum einen ist es nämlich das bislang wohl gitarrenlastigste Album von Manu Chao, zum anderen kommen auch Freunde der beiden Meilensteine "Clandestino" und "Proxima estacion esperanza" vollends auf ihre Kosten. "La radiolina" greift permanent Songs auf, führt Motive fort, indem es sich oft selbst zitiert, kritisiert, mal über den Haufen wirft und letztendlich genau wie der kreative Mastermind hinter dem Album nur es selbst sein will. Das Album ist eine Art Bilderbuch mit Impressionen aus der ganzen Welt.

Die Themen sind nicht neu, aber nicht minder aktuell und bei Manu Chao ohnehin nur wenig verwunderlich. Der Mann kennt die Lage der Menschen in der Dritten Welt, kommt keineswegs erzieherisch daher, spricht deren und unsere Sprache und schafft es vielleicht gerade dadurch, auf eine Art zu verbinden, wie es Geld nie konnte und nie können wird. Seien es lateinamerikanische oder afrikanische Rhythmen, alles fühlt sich bei Manu Chao so vertraut und selbstverständlich an, wie es vielleicht tatsächlich sein sollte. Wo andere "World Music" machen, nimmt José-Manuel Thomas Arthur Chao viel lieber einfach die Gitarre in die Hand und zerschmettert mit wenigen Akkorden sämtliche Schubladen. "The bleedin' clown" brutzelt zum Beispiel sämtliche Hypes mit seinen Bratgitarren, und "La vida tombola" feiert eine wilde Skaparty mit Gott und der Welt.

Wo das alles hinführen soll? Manu Chao weiß es nicht, seine Songs kommen selbst selten zum Abschluss, bleiben am liebsten so kurz wie möglich und scheinen fast schon völlig zufällig angeordnet. Passende Übergänge kommen selten zustande, der Beat der Party ändert sich permanent, und wann Zeit zum Durchatmen bleibt, ist über die gesamte Albumlänge hinaus völlig ungewiss. Dank viel Herz und Seele bekommt man Lust, sich zu bessern und dadurch ein kleines Stückchen die Welt. Manu Chao will nicht unser Mitleid. Nicht unser Geld. Er will einfach nur ein kleines bisschen Sonne für alle.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Politik kills
  • Panik panik
  • Piccola radiolina

Tracklist

  1. 13 días
  2. Tristeza maleza
  3. Politik kills
  4. Rainin' in paradize
  5. Besoin de la lune
  6. El kitapena
  7. Me llaman calle
  8. A cosa
  9. The bleedin' clown
  10. Mundorévés
  11. El hoyo
  12. La vida tombola
  13. Mala fama
  14. Panik panik
  15. Otro mundo
  16. Piccola radiolina
  17. Y ahora qué? (Bonus)
  18. Mama Cuchara (Bonus)
  19. Siberia (Bonus)
  20. Otro mundo (Bonus)
  21. Amalucada vida (Bonus)

Gesamtspielzeit: 51:05 min.

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