Broken Social Scene Presents: Kevin Drew - Spirit if...

Broken Social Scene Presents: Kevin Drew- Spirit if...

Arts & Crafts / City Slang / Universal
VÖ: 21.09.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Abenteuerspielplatz

Oft gehe er ja nicht in Stripclubs, sagt Kevin Drew. Und wenn, dann eher, um die Mädchen in Gespräche über ihr Leben zu verwickeln, anstatt ihnen beim Tanzen zuzuschauen. Letztendlich fühle er sich deshalb wie der Produzent einer Dokumentation, nicht wie ein Gast. Und irgendwie wirkt das glaubwürdig, wenn auch unkonventionell, aber gerade das ist ja Drews Linie: Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Im Stripclub genauso wie in der Musik. Drew will Vielfältigkeit und er will sich stilistisch keinesfalls festlegen.

Als einer der beiden Gründungsväter von Broken Social Scene versammelt er auch für "Spirit if..." wieder die üblichen Verdächtigen um sich herum. Außerdem sind diesmal noch ein paar Gäste wie z.B. J Mascis (Dinosaur Jr) und Joules Scott-Key (Metric) mit von der Partie. Der einzige Unterschied zwischen Broken Social Scene und Broken Social Scene presents: Kevin Drew besteht darin, dass es diesmal keine Demokratie gab und Drew fast alle Lieder allein schrieb. Das bedeutet zwar noch lange nicht, dass er sein Album selbst versteht, aber das ist letztlich nur gerecht: Als Hörer muss man schließlich auch erstmal mit dieser fulminanten Stilmischung zurecht kommen. Einzig und allein klar scheint zu sein, dass Drews Musik abenteuerlich klingen soll.

Auf "Spirit if..." sind sowohl feine, leise als auch lärmende, krachend schräge Melodien zu hören. Oft findet sogar innerhalb eines Liedes ein dermaßen grober Bruch statt, dass nur ein Blick aufs Display bestätigt, dass es sich noch um das gleiche Stück handelt. Da kann es schon mal vorkommen, dass eben noch der Gesang fast vom Synthesizer erstickt wird und im nächsten Moment doch wieder die Stimme das Sagen hat. Wenn Drew schwindelerregende Höhen erreicht und der Rest der kanadischen Gruppe einstimmt, entsteht eine Mischung aus Energie und Zusammengehörigkeit, die von der ersten bis zur letzten Albumminute anhält und einen dazu animiert, sich als Bandmitglied zu bewerben - oder doch zumindest, sich zur Musik zu bewegen.

Doch trotz allgemeiner Verrücktheiten präsentiert sich die erste Hälfte von "Spirit if..." wesentlich verhaltener als die zweite. "Tbtf" und "Safety bricks" sind wunderbare Untermalungen für dieses angenehme Schweigen zwischen Menschen, wenn alles perfekt zu sein scheint. Der zweite Teil liefert dann eindeutig die wilderen Stücke. "Backed out on the..." mit J Mascis an der Gitarre beginnt zwar mit ruhigem, fast zartem Geklampfe, doch nach weniger als einer halben Minute befördert es einen mindestens gedanklich auf die Tanzfläche und infiziert auch die zurückhaltendste Person mit Bewegungsdrang. "When it begins" schließlich ist dann wieder ein Beispiel für Variationsfähigkeit von Drew und seiner Freunde. Das zu Beginn stellenweise schief klingende, mehrstimmige Stück steht am Ende als pompöse und zugleich pure Orchester-Instrumentalversion da. Ziemlich faszinierend, dass es möglich ist, auf diese Weise zugleich Power zu verbreiten und dabei noch zu berühren. Drew fordert zwar, aber er überfordert nicht. Folglich bleiben zwei Möglichkeiten: Entweder, man liebt Abenteuer, oder man wollte schon lange mal eins erleben.

(Natascha Leo)

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Highlights

  • Tbtf
  • Safety bricks
  • Backed out on the...
  • Bodhi sappy weekend

Tracklist

  1. Farewell to the pressure kids
  2. Tbtf
  3. F-ked up kid
  4. Safety bricks
  5. Lucky ones
  6. Broke me up
  7. Gang bang suicide
  8. Frightening lives
  9. Underneath the skin
  10. Big love
  11. Backed out on the...
  12. Aging faces / Losing places
  13. Bodhi sappy weekend
  14. When it begins

Gesamtspielzeit: 65:27 min.

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