Fictionplane - Left side of the brain

Fictionplane- Left side of the brain

Bieler Bros. / Rough Trade
VÖ: 07.09.2007

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Vatersöhnchen

Diese Kinder. Mühsam wickelt und säugt man die Schnullerbrut gen Pubertät, nur damit sie einem dann das Leben erst richtig zur Hölle macht. Kaum ist die hormonelle Selbstfindung erfolgreich abgeschlossen, droht Eltern dann schon der nächste Schock, wenn der Nachwuchs anstatt Banker, Arzt oder Spießer lieber ganz anders als seine Erzeuger werden möchte. Im Hause Sumner dürfte es dahingehende Reibereien eher nicht gegeben haben, im Gegenteil entschied sich Sohnemann Joe offenbar ganz freiwillig, der Profession seines Vaters Sting zu folgen und Sänger und Bassist einer Rockband zu werden. Der Apfel fällt halt nicht weit vom Sting.

Jener Pop-Pate namens Gordon Sumner hat seinem Sprößling die Musikerlaufbahn zumindest insofern aufgedrängt, als er ihm seine prägnante Stimme quasi eins zu eins vererbt hat. Kein Wunder also, dass die Single "Two sisters" allerorts für Aufhorchen sorgt, glaubt man doch sofort, Sting höchstselbst hinter dem Mikrofon zu vernehmen. Die Ähnlichkeiten sind insgesamt verblüffend. Und so kommt man eben auch nicht umhin, schon die halbe Rezension über die Vater-/Sohn-Geschichte zu verlieren.

"Left side of the brain" enthält immerhin vieles fernab vom Sting-Stangenpop und auch das, was der geneigte Indiehörer sich wünscht: "Death machine" und "Two sisters" bedienen sich ausführlich bei Hard-Fi und rezeptverbesserten Maroon 5 und packen den Sommer mit Groovebass und -gitarre lässig beim hitzigen Schlafittchen, "Cold water symmetry" ist eine gelungene Pixies-Imitation, und U2 gab es bei den Aufnahmen zum Album wohl ohnehin im Vorteilspack. Nur mit dem Pathos übertreiben es einige Songs ziemlich, wenn sich Sumner-Joe doch zu sehr über seine stimmlichen Qualitäten in Glückseligkeit schwelgt; der Titeltrack darf hierfür als schnulziges Paradebeispiel gelten.

Bei allen schönen Einflüssen vergessen Fictionplane leider oft, homogene Songs zu schreiben. Siehe "Presuppose": Beginnt als treibendes Placebo-Ripoff, mündet in warme Funkgitarren, um dann plötzlich "Sunday, bloody sunday" zu zitieren. "Eigen, abwechslungsreich" flüstert die linke Gehirnhälfte, "zerfahren, nichtssagend" raunzt die rechte. Ein Sohn auf der Suche nach dem perfekt gezuckerten funky Popsong, den der Vater zu seinen Glanzzeiten bereits perfektioniert hat. Noch klingen Fictionplane manchmal zu egal, um wirklich erinnerungswürdige Songs zu schreiben. Ihr Enthusiasmus weist aber den richtigen Weg. "We'll be running the country / Mummy is proud, daddy is proud" heißt es in "Running the country". Von letzterem kann man wohl ausgehen.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Death machine
  • Two sisters
  • Running the country

Tracklist

  1. Anyone
  2. Death machine
  3. Two sisters
  4. It's a lie
  5. Left side of the brain
  6. Cold water symmetry
  7. Running the country
  8. Drink
  9. Presuppose
  10. Cross the line
  11. Fake light from the sun

Gesamtspielzeit: 42:53 min.

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