The Enemy - We'll live and die in these towns

The Enemy- We'll live and die in these towns

Warner
VÖ: 07.09.2007

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Aufs Gemeinwohl

England, Land der Kolonisten, Land des Herrschens und Butlerns. Land seiner stolzen Traditionen, die sich von Anbeginn auch auf die Verwaltung der eigenen Musikgeschichte ausdehnten. Die Etikette wahrt man hier nur, wenn man seinen Weller, seinen Rotten, seinen Morrissey ebenso durchblicken lässt wie die Beatles und Oasis. Das sind die Umgangsformen des guten Tons, deren verschleppte Sippenhaft die Bildung eines konsistenten Undergrounds von vornherein verhindert. Dafür aber den Kolonialraum bis in die hinterletzten Proberäume des Commonwealth ausweitet. Garantiert wird so der schnelle Zugriff. Und dass alles sogleich "Thema" werden kann.

So findet man in England schon längst kaum noch Bands, die sich einem bestimmten Genre verschrieben haben. Stattdessen wird gebückt und durchdekliniert, immer wieder aufs Neue. Auch The Enemy sind nur zu gerne dabei. Hört man ihr Debüt "We'll live and die in these towns", ausgehend von Hits wie "Away from here" oder "It's not ok", so scheint es mittlerweile so zu sein, dass auch der Frühneunziger-Pop-Core britischer Bands, man denke an Ned's Atomic Dustbin und The Senseless Things, in die "To do"-Liste aufgenommen wurde. Um erwachsen zu werden, hatten diese jedoch noch Zeit und blieben so für ihre besten Alben stets bei genau einem Stil. Für The Enemy hingegen gibt es keine andere Möglichkeit, als mit "Technodanceaphobia", "Pressure" und "40 days and 40 nights" zwischen den Stilen und Jahrzehnten Hopplahopp zu spielen.

Was den Kasten dennoch einigermaßen zusammenhält, ist die Stimme von Tom Clarke, die man als altklug, rotzfrech und quietschfidel zugleich bezeichnen darf. Man könnte auch sagen: Michel aus Lönneberga, das Musical. Da steckt genug Kraft drin, um mit-, bisweilen sogar umzureißen, wird aber auch mal im Holzschuppen abgehangen und an der Phrasierung geschnitzt. Mit teils beeindruckendem Ergebnis. So leistet sich das Album mit "This song" und "Happy birthday Jane" einen gelungenen, balladesken Abschluss, in dem fiepende Streicher und pumpende Bläser ein wenig Selbstsicherheit für sich behaupten. Und auch Clarkes Stimme ihren versöhnlichen Feierabend findet.

"We'll live and die in these towns" ist irgendwo also schon sehr ordentlich, leistet sich allerdings viele vorhersehbare Ausreißer zu viel. Hier steht die Bringschuld gegenüber Brit-Pop, Brit-Punk oder Brit-Brit deutlich vor der Forderung nach einem weiteren guten Song. Dass solcherlei Größenwahn mittlerweile nicht mehr auf dem Ungestüm einer blutjungen Band beruht, sondern auf dem buchhalterischen Musik-Sachverstand ihrer Produzenten - in diesem Fall gar einer ganze Agentur, Jim Abbiss' (Arctic Monkeys, Editors, Kasabian) "This Much Talent"-Management, personalisiert durch einen gewissen Barny - ist mittlerweile auch zu bekannt, als dass es wirklich noch der Klage wert wäre. Dennoch oder gerade deshalb bleibt mächtig Luft nach oben im Commonwealth. Dieser ewig hochnäselnden Kopfgeburt.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Away from here
  • It's not ok
  • This song

Tracklist

  1. Aggro
  2. Away from here
  3. Pressure
  4. Had enough
  5. We'll live and die in these towns
  6. You're not alone
  7. It's not ok
  8. Technodanceaphobic
  9. 40 days and 40 nights
  10. This song
  11. Happy birthday Jane

Gesamtspielzeit: 37:24 min.

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