Black Francis - Bluefinger

Black Francis- Bluefinger

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 31.08.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Orangenhaut und Nagelspliss

Sparen wir uns dieses Mal einfach einen Aufhänger, in den bislang acht Frank-Black-Rezensionen auf Plattentests.de stehen genug davon herum. Wer also Bedarf hat, darf gerne in Vergangenem wühlen und damit glücklich werden. Womit wir dann doch wieder so etwas wie einen Aufhänger hätten, denn genau das hat Charles Michael Kittridge Thompson IV auch gemacht: Er hat für "Bluefinger" in jener Kiste gekramt, die er für die Pixies-Reunion ohnehin hervorgefingert hatte. Und dort neben seinem Pseudonym aus alten Zeiten auch gleich ein paar der alten Schrulligkeiten ausgekippt, über denen zuletzt dieser ulkige Cowboyhut saß.

Dass der dicke Glatzkopf aber immer noch deutlich knackiger klingen kann als auf "Honeycomb" und "Fast man, raider man", zeigt schon die erst neulich erschienene Kopplung "93-03". Dort hatte man die beiden Nashville-Platten einfach ausgelassen und mit dem munter polternden "Threshold apprehension" die Lunte für "Bluefinger" angezündet. Dieser herrlich überkandidelte Lärm brauchte sich zwischen alten Schepperern nicht zu verstecken. Und jetzt, wo aus Frank Black eben wieder Black Francis geworden ist, tummelt sich dieser Song zwischen dem holprigen Geradeaus von "Captain Pastry" und dem verbeulten "Test pilot blues" in bester Gesellschaft.

Wer ist schuld an diesem schicken Lärm? Nicht die Pixies-Reunion. Lasst Euch da mal vom Rückgriff auf alte Namensschilder nicht in die Irre führen. Es war ausgerechnet ein versoffener Holländer namens Herman Brood. Der inspirierte The Artists Formerly Known As Frank Black mit "You can't break a heart and have it" dermaßen, das sich gleich alle elf Songs mit dem rockenden Käskopp befassen. "He was punker than punk / A slave to rock'n'roll and a slave to junk." Genau wie Brood mit seiner eigentümlichen Mischung aus Pubrock, New Wave und Blues ziemlichen Lärm machte, kippt Francis sein ganzes Rock'n'Roll-Verständnis zusammen - inklusive der zuletzt notorischen Hemdsärmeligkeiten. Aber heftig geschüttelt, nicht gerührt.

Selbst wenn zu den ungestüm durchexerzierten Trademarks bei Black Francis '07 auch der bisweilen etwas schlichtere Rock gehört, will man das Dickerchen doch genau so haben. Darum dürfen die Bässe dengeln, und die Gitarren überschlagen sich. Das Schlagzeug taumelt, und plötzlich gibt's auch wieder diese ätherischen Sirenengesänge, obwohl Kim Deal gar nicht im Studio war. Wenn die bizarren Verse und der verspulte Rock schon nicht mit den Pixies zustande kommen, soll er es eben selbst machen. Egal, wie er gerade heißt. "It's amazing, it works."

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Captain Pasty
  • Threshold apprehension
  • Angels come to comfort you

Tracklist

  1. Captain Pasty
  2. Threshold apprehension
  3. Test pilot blues
  4. Lolita
  5. Tight black rubber
  6. Angels come to comfort you
  7. Your mouth into mine
  8. Discotheque 36
  9. You can't break a heart and have it
  10. She took all the money
  11. Bluefinger

Gesamtspielzeit: 39:27 min.

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