Talib Kweli - Eardrum

Talib Kweli- Eardrum

Blacksmith / Warner
VÖ: 17.08.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Alte Schule

Anfang des Jahres gab es einen jener seltenen Momente zu bestaunen, in denen man noch mal kurz auf die Idee kommen konnte, dass es im HipHop vielleicht doch nicht nur ums Geld geht. Talib Kweli und Madlib taten sich zusammen, nahmen ein Minialbum auf und stellten es inklusive Artwork ins Internet. Zum kostenlosen Download. Als wäre das nicht schon nett genug, war "Liberation" auch noch gut, ein hinreißend nostalgisches Old-School-Album mit verschlissenen Soul-Samples und Motown-informierten Bläserfanfaren. Prima Imagepflege also für den angeschlagenen HipHop - bis man dann lesen musste, dass die Platte so eifrig gezogen wurde, dass sie nun doch noch irgendwann "regulär" erscheinen soll. Damn.

Indes noch ärgerlicher: Kwelis richtige neue Platte "Eardrum", das Album, dem im letzten Jahr ein Großteil seiner Aufmerksamkeit gehörte, ist schwächer als der "Liberation"-Schnellschuss. Einerseits muss es nach den enttäuschenden letzten Platten von The Roots und Common als weiteres Indiz dafür gelten, dass sich der Conscious-HipHop dringend selbst erneuern sollte. Andererseits ist es immer noch verspielt und begeisterungsfähig genug, um viel zu viele Konkurrenten allein mit der linken Hand in die Tasche zu stecken. Vielleicht ist das sogar Teil des Problems, vielleicht ist die Selbstgefälligkeit, die so vielen Rap-Künstlern nachgesagt wird, ansteckend. Kweli jedenfalls wirkt auf "Eardrum" erstens unterfordert und zweitens unwillig, sich selbst zu fordern. Keine ideale Kombination.

Dabei startet das Album hinreißend, mit einer Lobrede auf den ausführenden MC, die fließend übergeht in die relaxte Eingewöhnungsnummer "Everything man" und den ersten von mehreren Gospel-Refrains. "Hostile gospel pt. 1" trägt die Bestimmung sogar im Titel und entfaltet sich im Namen des Herrn über einem unkontrollierbar austretenden Barjazz-Klavier. Hier wirkt Kweli noch frisch, hängt sich rein und packt in einen Track mehr Inhalt, als sich auf Hillary Clintons MySpace-Seite nachlesen lässt. Das Programm ist sowieso gut gefüllt: Rassismus, Klassenkampf, Frauenfeindlichkeit, Fake-HipHop und gelegentliches Eigenlob, fast immer eloquent und fantasievoll vorgetragen.

Bloß: Wer nicht sexistisch ist, sich weigert, Gewalt zu verherrlichen und bei Karat womöglich an abgestandenen Deutschrock denkt, macht eben noch nicht automatisch eine durchgehend aufregende Platte. Besonders in seiner zweiten Hälfte lässt einen "Eardrum" ein paar Mal hängen; nach dem sorgfältig von Norah Jones gepflegten "Soon the new day" werden mehrere Beats zu bequem und mehrere Gäste zur Plage. "Hot thing" etwa könnte man getrost vergessen, wenn Kweli nicht einmal seinem Mitstreiter will.i.am so schön über den Mund fahren würde, und weil die ja irgendwie zusammengehören, schließt sich am Ende mit Justin Timberlake und "The nature" der Singkreis der Langeweile. Kein Zuckerschlecken also diesmal - dass man trotzdem froh ist, "Eardrum" zu besitzen, liegt weniger an der Klasse von Talib Kweli, als der fehlenden von 50 Cent.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Everything man
  • Hostile gospel pt. 1 (Deliver us)
  • Eat to live
  • Soon the new day

Tracklist

  1. Everything man
  2. NY weather report
  3. Hostile gospel pt. 1 (Deliver us)
  4. Say something (feat. Jean Grae)
  5. Country cousins (feat. UGK & Raheem DeVaughn)
  6. Holy moly
  7. Eat to live
  8. In the mood (feat. Kanye West & Ron Ayers)
  9. Soon the new day (feat. Norah Jones)
  10. Give 'em hell (feat. Coi Mattison & Lyfe Jennings)
  11. More or less (feat. Dion)
  12. Stay around
  13. Hot thing (feat. will.i.am)
  14. Space fruit (Interlude)
  15. The perfect beat (feat. KRS-One)
  16. Oh my stars (feat. Musiq Soulchild)
  17. Listen!!!
  18. Hostile gospel pt. 2 (Deliver me) (feat. Sizzla)
  19. The nature (feat. Justin Timberlake)

Gesamtspielzeit: 74:13 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
paperpop
2009-05-22 04:40:28 Uhr
tja, paperpop, das sind im wesentlichen dj-sets. am anfang wird noch ein bißchen mitgerappt. lohnt sich nicht sooo arg. gruß, paperpop
paperpop
2009-05-20 19:14:08 Uhr
was hat man eigentlich von diesen "blacksmith soundsystem"-auftritten zu erwarten? sind das reine dj-sets?
Loam Galligulla
2007-08-22 20:32:06 Uhr
Pitchfork ist nicht mit dir down.
Soup Dragon
2007-08-22 15:42:50 Uhr
Seine besten bleiben natürlich Black Star mit Mos Def und das Reflection Eternal Album :)
Soup Dragon
2007-08-22 15:40:56 Uhr
Ja, kein Meilenstein, aber doch ein gutes Album.
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