K.I.Z. - Hahnenkampf

K.I.Z.- Hahnenkampf

Vertigo / Universal
VÖ: 24.08.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Menschenverachtende Untergrundmusik

K.I.Z. sind ein Phänomen. Keiner hätte wohl jemals gedacht, dass ein paar mit schmutzigen Reimen und harten Beats bewaffnete Berliner im Rocklager für Aufsehen sorgen könnten. K.I.Z. jedoch lösten genau dort einen Hype von immenser Schwere aus - und das, obwohl sie nicht weit weg von jenem Zimmertemperatur-IQ-HipHop rüpeln, der sich in den Alpträumen der Gesellschaft so wohl fühlt. 2005 wurde der Anfang gemacht, "Das RapDeutschlandKettensägenMassaker" traf genau dort, wo es weh tat, nahm ganz Aggro Berlin und den Rest der Rütli-Republik auf die Schippe und machte mit großartigen, fast schon dadaistischen Wort- und Reimkunststückchenen auf sich aufmerksam. Man erinnert sich zu gerne an "Hurensohn": "Ich renn in Gold durch die Hood wie C3PO" oder "Das Makeup deiner Mutter macht meinen Sack zum Regenbogen / Du suchst deinen Platz im Game, ich hab noch Platz im Nebenhoden." Das bis zur Schmerzgrenze durchgezogene Stilmittel der pervertierten Jugendsprache mit unendlich frivolen und vulgären Sexismen ist bei den Kriegsverbrechern in Zwangsjacken allerdings keineswegs nur Mittel um auf den ausgestopften Schritt hinzuweisen. Es ist der größtmögliche Beweis für die Existenz von Selbstironie und Sprachgefühl inmitten von Plattenbau, Kampfhund und Drogendeal.

Das Quartett führte die Restauration deutschen HipHops 2006 mit dem grandiosen Mixtape "Böhse Enkelz" fort und verstärkte den Eindruck der vulgär-dadaistischen HipHop-Punks. Dabei entstanden Kopfnicker satt, die lyrisch zwar den Freigeist des Hörers auf die Probe stellten, doch getreu dem Motto "Zieh den Stock aus dem Arsch / Bauch rein, Brust raus und dann hoch mit dem Glas" ein regelrechtes Lauffeuer unter gestandenen Rockern, Metalheads und Punks aller Couleur auslösten. Und nun ist "Hahnenkampf" da, das dritte Machwerk der jungen Berliner. Es soll das Album sein, welches ihnen und uns als der Durchbruch in Erinnerung bleiben wird. Denn entgegen aller Erwartungen ist aus "Hahnenkampf" kein Zugeständis an SidoFlerBushido e.V. geworden, sondern ein Sammelsurium kleiner Gemeinheiten. Was umso lustiger wirkt, wenn man sich vorstellt, dass eben jene Ghettorap-Fans, die permanent aufs Korn und in die Kimme genommen werden, vor den Bühnen abhotten. Dabei macht die erste Single "Geld essen (Ausgestopfte Rapper)" anfangs einen völlig anderen Eindruck, und erst aufs zweite Ohr werden einem die Funny-van-Dannen- und Stanley-Kubrick-Zitate bewusst. Der Beat kommt beim ersten Hören ebenfalls etwas schief daher, brennt sich aber wie auch der Rest des Albums mit der Zeit in den Nacken. Und für all jene Hörer mit zu schlechten Deutschkenntnissen, um zu verstehen, was die Klosterschüler im Zölibat da überhaupt sagen, ist der Beat nun einmal das Hauptargument.

Ach übrigens, so viel zum Thema Sexismus: "Ich will ein böses Mädchen, ein böses Mädchen / Das darüber lacht, wie andere Frauen sind / Mich unter Tisch trinkt und auf mich draufspringt." Das mit solchen Zeilen viele nicht klarkommen werden, liegt im Sinn der Sache. Dass viele vielleicht diese Rezension hier nicht verstehen, ebenfalls. Die Künstler im Zuchthaus entwerfen das Gegenmodell zum kulturell und geistig verwahrlosten Großstadtmilieu, in welchem Humor längst einer tätowierten Prollästhetik gewichen ist und von der Bürgerlichkeit angestrengt ignoriert wird. "Hahnenkampf" erzählt diese Geschichte auf raffinierte Art und Weise, textlich wesentlich interessanter als fast alles, was auf MTViva eine Gitarre hält und auf Deutsch singt. In den Siebzigern hat Punk nicht viel anders auf sich und seine Umgebung aufmerksam gemacht. Die Kreuzritter in Zentralasien kommen also hierzulande fast rechtzeitig.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Böhses Mädchen
  • Wenn es brennt
  • Herbstzeitblätter

Tracklist

  1. Geld essen (Ausgestopfte Rapper)
  2. Klassenfahrt
  3. Spast
  4. Böhses Mädchen
  5. Hahnenkampf
  6. Lass uns feiern (RMX)
  7. 11. Plage
  8. Whirlpool (Skit)
  9. Wenn es brennt
  10. Pauch it
  11. Der Schöne und das Biest
  12. Walpurgisnacht
  13. Schwarz, Rot, Geld
  14. Ellenbogengesellschaft (Pogen)
  15. Herbstzeitblätter
  16. Seekuh
  17. Neuruppin
  18. Der durch die Tür Geher
  19. Klassenfahrt

Gesamtspielzeit: 72:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Danny
2010-10-27 13:14:07 Uhr
Suche 2 Tickets ..in hamburg 11.12.2010....wer hat günstige???
IVIÆiИ (p.b.s)
2008-06-20 17:02:10 Uhr
nett gemacht

neuruppin-interaktiver musikclip
Armin
2008-06-04 17:24:12 Uhr
Künstler: K.I.Z.
Release: "Hölle" feat. Bela B. (Single), VÖ: 06.06.
Release: "Hahnenkampf - Live (Raus aus dem Körper - Rein in der Club)" (CD+DVD), VÖ: 13.06.
Label: Universal Music

Infos - Single:

Die beste Live Hip Hop Gruppe verbündet sich mit einem Mitglied der besten Band der Welt. Heraus kommt, ganz klar, der meistdiskutierte Song des Sommers. Krasser Text trifft auf Ohrwurmmelodien, interessanter könnte die Zusammenstellung nicht sein. Bei Freunden (oder auch Opfern) der allgemeinen Familienfeier-Partyclassics wird mit Sicherheit der Refrain die ein oder andere Erinnerung hervorrufen. Aber keine Angst, der Song hat damit wirklich nichts zu tun. Ohne schlechtes Gewissen darf laut aufgedreht und mitgegrölt werden. Als "Hölle" kann man die Verbindung K.I.Z und Bela B. nun wirklich nicht bezeichnen.

Infos - Live-CD + DVD (inkl. Bonus-Video "Hölle" feat. Bela B.):

Im Herbst 2007 gingen vier junge Männer auf große Tour. Tarek, Maxim, Nico und DJ Craft. K.I.Z. - eine Band der Superlative. Mit dabei ihre Freunde Darn, Vork, Massimo und Mach One. 25 Städte. 25 Tage. Die Tour gerät zu einem unglaublichen Siegeszug der besten deutschen Hip Hop Band seit KISS oder besser gesagt der letzten 70 Jahre. Ein einzigartiges Erlebnis.

Was steckt hinter der Maske der harten Männer? Was steckt wirklich hinter der Fassade aus Sex, Drugs an Rock'n'Roll? Diesen und anderen interessanten Fragen geht der Film auf feinsinnige und sensible Weise nach. Dabei erlauben sich die Filmemacher aber auch ab und zu, inne zu halten, nachzuhorchen und sich selbst die Frage zu stellen: "Wer bin ich, was mache ich hier, wo gehe ich hin?" Fragen, die in dieser Welt immer noch zu kurz kommen.

Weblinks: www.k-i-z.com

Clip "Hölle" feat. Bela B.: http://www.youtube.com/watch?v=PkLQYmNtduc


arnold apfelstrudel
2008-05-09 18:07:27 Uhr
Sollte die Single nicht auf dem kommenden Live-Album sein? Wieso nehmen sie dann nicht ne Live-Version? Weil das find ich jetzt auch billig.
knaTTerton
2008-05-09 17:25:20 Uhr
Hmm, dachte Bela würde jetz mal ne Strophe oder so übernehmen.
Da der Track aber nun schon etwas älter ist, find ich es ein wenig billig, das Teil nochmal neu aufzunehmen und mit Bela im Refrain und Video noch ein paar Fans an Land zu ziehen.
Zum kompletten Thread

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