The Polyphonic Spree - The fragile army

The Polyphonic Spree- The fragile army

Institute / Indigo
VÖ: 24.08.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das neueste Testament

Dingdong! "Eine Bibel für Linkshänder gefällig? 100 geweihte Sprüche + 200 Aphorismen berühmter Evangelisten? Vielleicht noch ein Hunderterpack immerbrennender Kerzen oder ein Weihrauchduftbaum fürs Auto? Nein, alles nicht? Vielleicht doch lieber gleich die neue Polyphonic-Spree-Platte?" Wirklich wundern würde es wohl niemanden, wenn "The fragile army" im Hausierbetrieb von umtriebigen Gläubigen angeboten würde. Zu sehr vermittelt das Auftreten von The Polyphonic Spree seit jeher diesen etwas seltsamen Wachturm-Charme. Doch die Gemeinde wächst, und so ist Hausieren längst nicht mehr nötig. Stattdessen hat man eine viel effektivere Methode entwickelt, welche es durchaus mit katholischen Jugendtagen unter Oberaufsicht von Papa Razi aufnehmen kann: Man schlägt einfach irgendwo eine Bühne auf und wartet, bis es dunkel wird. Haben sich erst mal hinreichend Neugierige versammelt, schleicht man auf die Bühne und überwältigt alles, was in Hörweite ist, durch schlichte Präsenz und unglaublichen Druck. Beides Dinge, die eine konstant um die 25 Köpfe zählende Band ganz locker aus den Gewändern schüttelt.

Dumm nur, dass man dieses Gefühl bisher nur halb so erhebend mit nach Hause nehmen konnte. "The beginning stages of The Polyphonic Spree" und "Together we're heavy" - die ersten beiden Alben oder genauer: die ersten 20 Kapitel des Polyphonic-Experiments - brachten zwar Freude in viele Herzen, verblassten aber im direkten Vergleich zur Live-Situation. Mit "The fragile army" soll nun alles besser werden: Tim DeLaughter und seine Glaubensbrüder haben erkannt, dass massenhafter Frohsinn auf Dauer nicht die Spannung verspricht, die nötig ist, um Wasser in Wein zu verwandeln. Auf "The fragile army" versuchen sie daher, den Kosmos ihrer Musik weit vollständiger auszuschöpfen und die Polyphonie der Konzerte in angemessene Kontraste zu übersetzen.

Was heißt das für den Hörer/Gläubigen? Häresie ist jedenfalls nicht zu befürchten, das Grundgerüst lautet nach wie vor: Erleuchtung in der Stimme, Sonnenschein im Herzen. Tim DeLaughters helle, immer leicht quäkige Stimme predigt nonstop, der Chor unterstreicht, was immer ihm vorgesetzt wird, dazu gibt es Harfen und Klaviere, Trompeten und Flöten. Was sich in der neuesten Offenbarung geändert hat, ist, dass das Kleistern mit guter Laune nicht mehr so omnipräsent ist. Die Texte sagen, dass man es schaffen kann und nicht, dass alles gut ist. Die Musik kennt Zwischentöne und Überleitungen, bevor sie sich in die Ekstase verabschiedet. Unter dem Strich ergibt das tatsächlich ein Plus, ohne das Erweckungserlebnis eines Polyphonic-Spree-Konzerts nunmehr wirklich auf CDs zu füllen. Und die neuen Aufs und Abs im Sound schaffen sogar etwas mehr Distanz. Menschen, die Probleme mit Marienbildchen und Kitsch haben, dürfen daher weiterhin in der Default-Düsternis zeitgenössischen Indie-Rocks verbleiben, ohne fürchten zu müssen, dass ihre Seele beim Jüngsten Gericht als zu leicht befunden werden könnte. Alle anderen sollten zumindest darüber nachdenken, dem freundlichen Hausierer die Tür einen Spalt breit zu öffnen.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Get up and go
  • Younger yesterday
  • Light to follow
  • Overblow your nest

Tracklist

  1. Together we're heavy
  2. Running away
  3. Get up and go
  4. the fragile army
  5. Younger yesterday
  6. We crawl
  7. Mental cabaret
  8. Guaranteed nightlife
  9. Light to follow
  10. Watch us explode (justify)
  11. Overblow your nest
  12. The championship

Gesamtspielzeit: 46:47 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Armin
2007-06-21 20:20:54 Uhr
24.08.2007

THE POLYPHONIC SPREE

„The Fragile Army“

Label/Vertrieb: Institute Recordings/Indigo



“Probably the Poly's best and deepest album yet!” – David Bowie

"Marvelous Bombastic Uplifting Invention" - Wayne Coyne, Flaming Lips



Was tut man, wenn man sich von Dunkelheit und Dämonen umzingelt fühlt? Man verkriecht sich unter der Bettdecke? Ha! Nicht, wenn man zu The Polyphonic Spree gehört. Auf ihrem neuen Album The Fragile Army kämpfen die Rocksymphoniker aus Dallas mit überschäumender Energie und Leidenschaft gegen die aufziehende Schwärze und das Verschwinden des Lichts in der Welt. „Wir streben jetzt in die echte High-Energy-Richtung, wie wir sie auch auf der Bühne präsentieren“, erklärt Mitbegründer und Songwriter Tim DeLaughter. „Ich denke, dass dieses Album bisher am besten einfängt, wie wir live rüberkommen.“ Die zweite Songwriterin der Band, Julie Doyle, ist ebenso begeistert vom neuen Werk. „Dieses Mal haben wir den Nagel richtig auf den Kopf getroffen – die Spree sind so gut wie nie zuvor.“

The Polyphonic Spree wurden 2000 von DeLaughter ins Leben gerufen, als seine bisherige Band Tripping Daisy sich nach der tödlichen Drogenüberdosis von Gitarrist Wes Berggren auflöste. DeLaughter suchte danach zum einen eine neue Perspektive in der dunklen Zeit nach dem Tod Berggrens, mit dem er eng befreundet gewesen war, zum anderen wollte er mit dem Sound experimentieren, wie ihn psychedelischen Gesangsgruppen wie The Fifth Dimension („Aquarius“) geprägt hatten, an die er sich aus seiner Kinderzeit erinnerte. Gemeinsam mit Julie Doyle und seinen ehemaligen Tripping-Daisy-Bandkollegen Mark Pirro und Bryan Wakeland stellte er eine erste Besetzung des neuen Projekts zusammen und nahm in nur zwei Tagen ein Demo mit zehn Songs auf.

Gegenwärtig zählt die Gruppe 24 Mitglieder; der Chor wird dabei von Rockinstrumentalisten, Bläsern, Streichern, zwei Keyboardern und auch einem Theremin-Spezialisten ergänzt. Die beiden Vorgängeralben, The Beginning Stages Of ... und Together We’re Heavy stießen in den USA auf gemischte Reaktion, ließen aber niemanden kalt, während man die Gruppe in Großbritannien bereits 2002 feierte, als sie auf Einladung David Bowies als Support für Neil Hannons Divine Comedy beim Meltdown Festival auftraten. Die Songs für Album Nummer drei schrieben DeLaughter und Doyle in ihrem Heimstudio in Dallas, bevor sie dann die übrigen Instrumentalisten und Chormitglieder baten, die Musik auf sich wirken zu lassen und zusammen mit DeLaughter die Arrangements zu erarbeiten. „Es war komisch“, erinnert sich Doyle, „weil es den Eindruck machte, als ob sie die Songs schon einmal gehört hatten – es lief alles so mühelos und leicht. Aber das gehört auch zu dem besonderen Zauber der Polyphonic Spree – Intuition.“



lumdam
2007-06-16 21:12:23 Uhr
Video zur ersten Single Running Away:

http://www.spinner.com/2007/06/05/video-premiere-the-polyphonic-spree-running-away/
lumdam
2007-06-15 23:32:41 Uhr
Mit Abstand ihr bestes...
mr.pink
2007-04-29 14:54:49 Uhr
juhu, wieder kirchentag.
Paul Paul
2007-04-29 14:51:53 Uhr
Super Band! Da werden die weißen Gewänder wieder ausgepackt.
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