Richard Hawley - Lady's bridge

Richard Hawley- Lady's bridge

Mute / EMI
VÖ: 17.08.2007

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schulterblick voran

Ein Rock'n'Roll-Leben. Multiple Drogenexzesse, Alkohol in rauen Mengen, ein tiefer Absturz, die Psyche auf dem Nullpunkt. Alles inklusive. Richard Hawley hat alles gehabt. Mit den Longpigs, seiner früheren Band, deren Alben wahrlich keine Freude waren. Die großen Taten sollten später folgen. Aber erst einmal führte der Weg den Engländer wieder in den Exzess. Pulp. Jarvis Cocker. "This is hardcore". Tourgitarrist. Die belastete Psyche zwang ihn beinahe dazu, der Musik den Rücken zu kehren. 2002 überraschte er mit einer Rückkehr. Solo. "Late night final". Die großen Songs. Hawley hat sie gehabt. "Baby you're my light", schwelgerisch schön. "The nights are cold", zwischen Romanze und Düsternis.

Zählt man aber Eins und Eins zusammen, so kommt man bei Hawley leider nie wirklich zu dem Schluss, dass seine Alben Gesamtkunstwerke wären. Keine seiner Erstveröffentlichungen wusste bisher vollends zu überzeugen. Keine ließ den Tiefpunkt aus, bei dem man schon längst den Kopf im Kissen verloren hatte. "Coles corner", sein Loblied auf seine Heimatstadt Sheffield von 2005, setzte dagegen neue Maßstäbe. Der Titelsong kam einer Offenbarung gleich. Der liebe Rest nahm sich dies zu Herzen. Scott Walker croonte im Gedächtnis. Frank Sinatra setzte sanfte tänzerische Einlagen. Lee Hazlewoods vibrierender Bariton vernahm sicherlich auch irgendwo im Hintergrund. Ein Garant dafür, den roten Teppich für das nun kommende Album "Lady's bridge" auszurollen.

Vorsicht, nicht stolpern. Denn "Lady's brigde" macht die Rolle rückwärts, den Schritt zurück, den Knick in den Teppich. War "Coles corner" düster, aufrecht und erzitterte vor dem Kommenden, ist "Lady's bridge" vergnüglich und selbstbewusster. Kein Wunder, war der Vorgänger doch in seinem Heimatland ein mehr als großer Erfolg. Doch was folgt, ist mitunter gar nicht erfreulich. Leicht verträglich, aber auch belanglos. "Dark road" beispielsweise: Böse dümpelt die Country-&-Western-Reminiszens durch Kakteen aus Pappmaché und blendet uns mit aalglatten Cowboystiefeln und -nähten. Wer es rauh und fordernd mag, der sollte sich in seinen Referenzen satt sehen. Der zauberhaft langsame Beginn von "Valentine", der schwelgerisch wie und je über die Bühne geht, wird zerschossen von völlig übertriebenen, gar bombastischen orchestralen Arrangements.

Tatsächlich ist der anfängliche Schock nach einigen Durchgängen verkraftet, und für Hawley typische und angenehme Blaupausen sind erkennbar. Die zauberhafte und ungewöhnlich strebsame Single "The streets are ours" weiß sogar zu begeistern. Das anmutig gespielte "Lady Solitude" rückt Hawleys wunderschöne Stimme ins rechte Licht. Auch hier finden sie sich, die großen Songs. Insgesamt mangelt es "Lady's bridge" aber an Sorge und Feingefühl. Neue Ideen sind Mangelware, alte Strukturen blättern langsam vom immer wieder benutzten Grundkonstrukt. Auch wenn es dazwischen des Öfteren blitzt und funkelt, wünscht man sich für die nahe Zukunft eine wesentliche Neuentwicklung. "Coles corner" hat es vorgemacht. Richard, Du hast es in der Hand.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • The streets are ours
  • Lady Solitude

Tracklist

  1. Valentine
  2. Roll river roll
  3. Serious
  4. The streets are ours
  5. Lady Solitude
  6. Dark road
  7. The sea calls
  8. Lady's bridge
  9. I'm looking for someone to find me
  10. Our darkness
  11. The sun refused to shine

Gesamtspielzeit: 48:24 min.

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