Tunng - Good arrows

Tunng- Good arrows

Full Time Hobby / PIAS / Rough Trade
VÖ: 24.08.2007

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Knapp vorbei

Noch ist unklar, an wen in diesem Jahr der Preis für den längsten Songtitel geht (bitte im Forum diskutieren). Eines steht aber schon jetzt fest: Tunng gewinnen den Pokal mit Sicherheit nicht. Die Londoner fallen nämlich neuerdings durch höchst übersichtliche Ein-Wort-Betitelungen auf. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass ihre Musik so klingt, wie das Albumcover aussieht: sehr bunt und sehr verschachtelt - eine Art Audio-Suchbild, in dem extravagante Geräusche herumspuken und lieblichen Folk genüsslich in den halluzinogenen Wahnsinn treiben.

Dass Tunng es vergnüglich finden, Seltsamkeiten miteinander zu verquicken, ist nichts Neues: Vor genau einem Jahr erschien ihr zweites Album, "Comments of the inner chorus", und wickelte mit seinem versponnenen Charme nicht nur die britische Musikpresse um den kleinen Finger. Anschließend fanden auch die vier Livemusiker der Band den Weg in das Londoner Experimentierheim, wo sich Sam Genders und Mike Lindsay bislang immer alleine verschanzt hatten. Der unüberhörbare Studio-Zuwachs erinnert an Improvisationstheater in einer Singleküche: zu eng, aber irgendwie spannend. Zumindest ansatzweise.

So schnittig wie der Albumtitel ist das Ganze dann aber leider doch nicht: "Good arrows" fehlt die verwunschene Leichtigkeit der Vorgängerplatte, das Betörungspotenzial, der Jokerärmelkanal. Überraschungseffekte werden dieses Mal mit Holzbein präsentiert, fernöstliche Exotik als einsame Animatrice verpflichtet und Becky Jacobs etwas zu oft als Co-Vokalistin ans Mikrofon gelassen. Mit dem Vaudeville-inspirierten Gaukler-Geschoss "Bullets" haben Tunng aber immerhin eine absolute Großtat im Köcher, die schon sehr bald mindestens den Platz ihres Mini-Hits "Pioneers" einnehmen wird - der genau genommen ja gar nicht ihrer ist, sondern bloß eine Interpretation des gleichnamigen Bloc-Party-Songs.

"We cut our fingers off / To give ourselves those little extra insights" - den Hang zu hübsch morbiden Texten besitzen die Briten aber immer noch, ebenso die Vorliebe für außergewöhnliche Klänge: Feuergeknister eröffnet unter Glockenspielaufsicht das Instrumental "Soup", während im Hintergrund ein Pferderennen kommentiert und im Vordergrund die Akustikgitarre auf eine Studienreise in den Orient geschickt wird - inklusive elektrisierender Heavy-Metal-Exkursion. Eigentlich haben Tunng ja den Bogen raus. Nur die wirklich guten Pfeile, die haben sie wohl für Album Nummer vier aufgehoben.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Bullets
  • Soup

Tracklist

  1. Take
  2. Bricks
  3. Hands
  4. Bullets
  5. Soup
  6. Spoons
  7. King
  8. Arms
  9. Secrets
  10. String
  11. Cans

Gesamtspielzeit: 42:59 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
rhdf
2007-11-15 11:45:35 Uhr
schon halt, good arrows "rockt" genauso wie die andern scheiben
nuja
2007-08-20 13:00:57 Uhr
ich hab bisher nur gehört, und die sind sehr schick. Bullets ist dabei ganz klar ein Hit. Mal sehen ob ich doch noch zum Recordstore tingele und mir die Pladde kaufe. Ohne die Vorgängerplatten zu kennen: 8/10 mit Tendenz zur 9. Achso Sch_eiss auf Brüchigkeit :-)
smörre
2007-07-30 20:06:45 Uhr
In der Tat nicht so zwingend von den Melodien, wie der Vorgänger - abgesehen natürlich von "Bullets", das ein bisschen verloren strahlt. Das ist natürlich der ultimative Hit der Band bisher.

Das mit dem "vertrackt" und "brüchig" sehe ich auch so. Und bei "Inncer Chorus" waren eben die Melodien ein bisschen mehr versteckt, aber umso schöner. Ein bisschen schade ist's schon mit dem neuen Tunng-Album. Nett, aber leider nicht mehr...
kingsuede
2007-07-28 23:05:14 Uhr
Das letzte Album gefällt mir auch besser, da es ein wenig vertrackter und brüchiger ist. "Good Arrows" ist mir doch ein wenig zuviel Pop und zuwenig Folk, dennoch ganz ok.

Die Single heißt übrigens Bricks.
onomato
2007-07-28 22:13:15 Uhr
Ein bisschen poppiger. Mit "Bullets" einen lupenreinen Popsong-Hit. Spricht für die Band, das sie einen anderen Song zur Single erkoren haben. Ältere Alben gefallen mir besser.
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