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Tiny Vipers - Hands across the void

Tiny Vipers- Hands across the void

Sub Pop / Cargo
VÖ: 27.07.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Eine Tragödie

Das Ende: "Swastika" erstreckt sich über zehn Minuten. Kein Grund, panisch zu werden. Kein Grund aufzugeben. Ein Grund für Hingabe und Hellhörigkeit. Das Kernstück von "Hands across the void" entpuppt sich allerdings als schleppend und eisekalt. Das starke Gesangsorgan Jesy Fortinos hat aufgehört zu variieren und ergibt sich einer immer gleichen und nervtötenden Melodienfolge. "Swastika", wie auch der nachfolgend letzte und ebenso längliche Song "The downward", ist keine Dokumentation depressiv-hemmender Zustände, kein Symbol für den erschlagenen Schwermut, sondern nur der Versuch dessen, auf Teufel komm raus. Reduktion heißt nicht gleich Faszination.

Der Anfang: "Campfire resemblance" feiert den Minimalismus. Vier Töne hypnotisieren ohne Unterlass und lenken die Aufmerksamkeit auf die wundervolle Stimme Fortinos, die wispernd schwach und eindrucksvoll klagend im Zentrum von "Hands across the void" steht. "On this side" feiert den Folk zwischen Intensität und Andacht. Mit "Aron" und "Shipwrecks" leben Schlaflieder auf, die schöner hätten nicht in Szene gesetzt werden können. "Forest on fire" bricht vor Eindringlichkeit und Tiefe schier in sich zusammen - trotz Verzerrung und Lärm anmutig, still und leise. Mitt zitternden Knien wird der Übergang erwartet. "Swastika" bahnt sich seinen endlosen langen Weg in unsere Hörgänge. Eine Tragödie.

Die Personalien: Jesy Fortino ist jung, kommt aus Seattle, ihre Haare sind lang und sie schwört auf Natürlichkeit. Auf Fotos blickt sie meist nachdenklich zur Seite oder in Richtung Erdboden, oft steht sie dabei am Wasser oder im Wald. Ohne Zweifel ist sie einer der Damen, die davon profitieren, dass Joanna Newsom einen immens großen Erfolg mit ihren ersten beiden Alben erringen konnte. Stimmlich auf gleichem Niveau und mit ebenso süßlicher Schieflage, verzichtet Fortino allerdings auf Harfe und sonstiges altertümliches Instrumentarium, sondern gibt sich als Folkbardin im neuzeitlichen Sinne. Akustische Gitarre, ein spartanisches Aufnahmesessionszimmer und ein Sack voller Schwermut reichen aus um Assoziations- und Referenzketten rotieren zu lassen. Vereinzelt eingestreute Noise-Flächen stehen für experimentelle Bemühungen, vermeiden die Eintönigkeit und knüpfen das Band zur Aktualität.

"Hands across the void" von hinten aufzurollen und damit an seinen Schwachpunkten aufzuziehen, ist eigentlich unfair. Wieso gleich meckern, wenn das Debüt von Tiny Vipers so viel zerbrechliche Schönheit in sich trägt? Hinter dem analytischen Aufbau, der sich in diesem Falle vom Ende zum Anfang erstreckt, steckt natürlich menschliche Methode. Denn nichts würde uns mehr verärgern, als ein schlechtes Bild von Tiny Vipers, nur weil das Augenmerk auf Konzeptionskunst in diesem Fall klein gehalten wurde. "Hands across the void" hätte der introspektive Liebling des Jahres werden können. Hinfort mit Nina Nastasia. Scheuch dich, Meg Baird. Tiny Vipers hätte sie schlucken können. Hätte ...

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • On this side
  • Shipwrecks

Tracklist

  1. Campfire resemblance
  2. On this side
  3. Aron
  4. Forest on fire
  5. Shipwreck
  6. Swastika
  7. The downward

Gesamtspielzeit: 42:06 min.

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