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Reiziger - My favourite everything

Reiziger- My favourite everything

Stickman / Indigo
VÖ: 26.03.2001

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Unterdrückte Leidenschaft

Wenn die Marketingmaschine einmal ins Rollen kommt, dann rollt sie eben. Angestachelt vom Chartserfolg von Jimmy Eat Worlds famosem Meisterwerk "Clarity" versuchen sämtliche Labels und Promotion-Agenturen, all ihren Schützlingen, die auch nur den kleinsten Happen Melancholie oder Weltschmerz verbreiten , die profitträchtigen Buchstaben "E","M" und "O" aufs schweißdurchtränkte T-Shirt zu drucken. Vom großen Kuchen mit Geld statt Sahne obendrauf will schließlich jeder etwas abhaben. Die Belgier von Reiziger werden auch gerne in die Ecke der Hornbrillenträger und Weicheier gedrängt. Genaugenommen hat man mit dieser Szene jedoch nicht allzu viel am Hut. Packt die Pomade wieder weg und die Brille ins Etui, denn beim Blick ins sorgfältig katalogisierte Regal bleibt euch so eine mittelschwere Enttäuschung erspart. Denn dort finden wir die Karteikarte "Reiziger" in der leicht angestaubten Schublade "Indie-Rock", und zwar unter "D" wie Durchschnitt.

"My favourite everything" erinnert an vieles mit Rang und Namen. Die Genialität Radioheads Mitte des vergangenen Jahrzehnts, die Ansammlung skurriler Seltsamkeiten der Antwerpen-Kauze dEUS und zuweilen dann auch an die Niedergeschlagenheit von Acts wie Mineral oder deren Quasi-Nachfolgeband The Gloria Record. Da war sie wieder, die Herzschmerzassoziation. Klingt vielversprechend? Aber sicher doch! Der Haken an der Geschichte ist, daß Reiziger nie auch nur annähernd den drei genannten Schulen voll gerecht werden. Dabei sind eigentlich alle Eckpfeiler gepflegter Indie-Unterhaltung vorhanden. Dezenter Einsatz von Streichinstrumenten, ausufernde Instrumentalparts, dröhnendes Orgelspiel und beißende Laut-/Leisekontraste verdecken offensichtliche Schwachstellen in der Besetzung der gefühlvollen Schrammeloper trotz allem nur unzureichend.

Im Chor gegröhlte Halbweisheiten wie "Small is beautiful and big is powerful" in "Windows of the world", einschläfernde Langeweile in "The welta" und ausufernde Effektspielerei im Titelsong läßt die Mehrheit der sicherlich vorhandenen Kollektion von Nettigkeiten im Nichts versanden. Wirklich gut sind Reiziger nur dann, wenn die Lautstärke zurückgenommen wird und die Instrumente in der improvisatorischen Dreifaltigkeit aus Gitarre, Schlagzeug und Baß im Einklang sind. Allzu oft werden Songstrukturen durch nicht gerade sparsam eingesetzte Experimentierfreude verunstaltet und verlieren deutlich an Reiz. Da holt auch das wirklich sehr gelungene Fast-Instrumental "Gods musical messenger" nicht mehr viele Kohlen aus dem Feuer. So landen wir zwar in keinem "Worst case scenario", aber wurden "In a bar under the sea" mit Sicherheit schon besser bedient.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Grab and nailed
  • Gods musical messenger

Tracklist

  1. Behind the lies
  2. Windows of the world
  3. Grab and nailed
  4. The welta
  5. Gods musical messenger
  6. Is it safe?
  7. This song is killing me
  8. My favourite everything
  9. Navigator

Gesamtspielzeit: 41:57 min.

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