Euros Childs - The miracle inn

Euros Childs- The miracle inn

Wichita / Cooperative / Universal
VÖ: 24.08.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Euros allein zu Haus

Mai 2006. Leise haben sie sich verabschiedet. Gorky's Zygotic Mynci. Geschockt war mitunter auch der Rezensent dieses Albums, der nicht fassen konnte, dass einer der großen kleinen Bands Großbritanniens ihre Arbeit so überraschend einstellte. Herzzerreißende Nachrufe in den anspruchsvollen Musikgazetten dieses Landes wurden erwartet. Pustekuchen, nichts gab’s. Anders als in ihrem Heimateiland, im südlicheren Europa oder im nördlichen Amerika, hatte die walisische Großcombo in Deutschland nie wirklich einen Stein im Brett. Aber keine Zeit für Analyse und Traurigkeit - auf zum Bahnhof, den multinationalen Kiosk aufsuchen, der die britischen Musikzeitschriften in den letzen schmuddeligen Randregalen versteckt hält. Dorthin, wo sich sonst nur manteltragende Hobbypornographen verirren. Ein Heidengeld landet auf dem Tresen. Man wird belohnt. Der Abgesang auf Gorky’s Zygotic Mynci ist zwar nicht meisterlich, aber immerhin vorhanden.

Die Mischung zwischen britisch-walisischem Kammerfolk, kunterbuntem und astreinem Pop, experimenteller Komödie und psychedelisch Ausuferndem brachte in sechzehn Jahren acht Alben zum Vorschein, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch mit genügend vertrauten Elementen eine treue Fanschar um sich hielten. Eine Mischung, die auch Euros (gesprochen: E-Juros) Childs, ehemaliger Hauptsänger der Gorkys, schon im Februar des letzten Jahres auf "Chops", seinem ersten Versuch auf Solopfaden, integrierte. Childs zweiter Anlauf, "The miracle inn", geht nach dem strapazierenden Knallbonbon "Chops" deutlich entspanntere und konzentrierte Wege.

Allein die mitreißende erste Single "Horse riding" flippt mit elektrifiziertem Piano und schmissigen Uh-Uh-Uh-Chören völlig aus den größtenteils akustischen Bahnen des walisischen Songwriters. Nicht zu vergessen, dass fein arrangierte Prunkstück des Albums, der gleichnamige Titelsong, der sich in fünf wundervolle Parts gliedert. Seine extrovertierten Teile an den Anfang stellend, geht das nach festen Songstrukturen agierende Kunststück seinen Weg über minimalistische Balladen zurück zum Anfang, um die tanzbare Klaviermelodie neu und auf sanfte Art und Weise zu instruieren. "The miracle inn" entfernt sich vom ungehaltenen Psychedelischem, setzt auf kleinstmögliche Akzente und steht mit seinen wärmenden Songs näher am reinen Singer/Songwritertum, als es Gorky'y Zygotic Mynci jemals getan haben. Die bittersüße Lebensflucht "Think I'll run away" und das mit Drums und Orgel spärlich instrumentierte "Outside my window" stützten diese Weiterentwicklung. Dieser beschriebenen Transformation obliegt keine Kritik, geschweige den Tendenzen in Richtungen von Gut oder Schlecht. Gespickt mit minimalen Euphorismen, beschreitet Childs konsequentere Wege und schenkt uns mit "The miracle inn" ein Kleinod an sommerlichen, reduzierten Balladen. Für den trauernden Fan ein schönes Trostpflaster.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • Horse riding
  • The mircale inn

Tracklist

  1. Over you
  2. Horse riding
  3. Ali day
  4. Think I'll run away
  5. Outside my window
  6. Hard times wondering
  7. The miracle inn
  8. Go back soon

Gesamtspielzeit: 36:31 min.

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