Boy Hits Car - The passage

Boy Hits Car- The passage

Golf / Cargo
VÖ: 20.07.2007

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Wald vor lauter Bäumen

So genannte Musikkritiker sind schon echt verdammt seltsam. Sitzen den ganzen Tag vor ihrem Musikabspielgeräten und gaffen dabei genauso treudoof in der Welt herum wie jene so genannten "Freaks", denen ProSieben derzeit etwas mehr Aufmerksamkeit widmet, als irgendwer ertragen könnte. Natürlich müssen sie aber im Gegenzug von allem Ahnung haben und überall ihre Meinung kundtun. Auch zu Boy Hits Car hatte man eine solche. Die aber taugte manchmal eher wenig, denn entgegen der publizierten Ansicht war durchaus nicht alles New Metal, war knapp nach der Jahrtausendwende die Gitarre aufdrehte. Selbst das Indiz, dass sich Boy Hits Car 2001 mit Granaten wie Kid Rock, Linkin Park oder Limp Bizkit die Hauptbühne bei Rock am Ring teilten, zieht nicht. Da habt ihr es euch wohl ein bisschen sehr einfach gemacht mit der Stigmatisierung.

Trotzdem haben Boy Hits Car einiges an Schelte verdient, wenn auch aus ganz anderen Gründen. Zugegeben, mit dem verschnörkelten "I'm a cloud" hatten sie nach einigem Unter-die-Nase-Reiben endlich einen Hit. Aber wenn man den gleichen Song schon vom eigenen Debüt recyclet hat, muß man den noch lange nicht bei jedem Schrutz weiter vermarkten. Und dabei war nicht einmal das World Wrestling Entertainment das Bewammsteste, bei dem der Song hausieren ging, sondern Dragon Ball Z. Hallo?

Nun könnte man ja gleich einwenden, was einen der Kram von vorgestern denn jetzt noch interessiere, aber die mindermotivierte Salamitaktik setzt sich bis heute fort: Nachdem "The passage" 2005 zunächst über die Band-Website und auf Konzerten erhältlich war, gab's 2006 einen offiziellen Release in den Staaten. Und 2007 stellt uns Golf das Ganze auch hierzulande in die Läden. Hätte man innerhalb dieser Jahre wenigstens das moosige Booklet einmal geändert, würden wir ja schon einen Handstand vor Freude machen. Einarmig wohlgemerkt.

Das hätte nämlich auch noch den positiven Nebeneffekt. dass man noch einen Arm frei hätte, um sich einen Finger ins Ohr zu stecken. Tief und fest. Und diesen hätte man bitte auch erst nach exakt 57:23 Minuten wieder herausgenommen. Denn sonst könnten Hirn, Herz und Seele kleinere Schäden davontragen, wenn Cregg Rondell seine vierzehn Versionen des selbstbetitelten "Lovecore" trällert. Leider gibt es von diesem in Kitsch getränkten "I never felt so alone"-Liebesfrust mit diesen schrecklich langgezogenen quot;Gooooone, oh ooohh oh"-Nachwehen viel zu viele. Und das nennt sich dann Konzeptalbum. Selbst die vereinzelt vorkommenden guten Melodiebögen versuppen im Selbstmitleid. Das ständige Pathos-Overachievement klingt zwar wie von vor vier Jahren und hätte genauso gut auch von Earshot oder Breaking Benjamin stammen könnten, aber wir wollen ja mal nicht kleinlich werden. Boy Hits Car und vor allem ihr Sänger leiden schließlich schon schwer genug an der Welt.

(Christoph Schwarze)

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Highlights

  • Love's subtle scheme

Tracklist

  1. As day fades ...
  2. Tonight
  3. Escape the world
  4. The sound of a breaking heart
  5. These burning memories
  6. Windswept
  7. Love's subtle scheme
  8. Forever and a day
  9. Everything
  10. You don't care
  11. Beneath the sea's bed
  12. This song for you
  13. All the love we hold inside
  14. The passage

Gesamtspielzeit: 57:23 min.

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