Shy Child - Noise won't stop

Shy Child- Noise won't stop

Wall Of Sound / PIAS / Rough Trade
VÖ: 13.07.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kleine Geschichte des Umhängekeyboards

Was war noch mal das Beste an Modern Talking? Richtig: die Keytar. Das war jenes seltsam anmutende Instrument aus den Tiefen der 80er, mit dem ein sehr haariger Thomas Anders im Video zu "You're my heart, you're my soul" rumschwenkte, während das Bohlen Vollplaybackgitarre spielte und die Beine zusammenkniff, als müsse es mal dringend aufs Klo. Eine Keytar spielt auch Pete Cafarella, der nach dem Exitus von Supersystem mit seinem Kumpel Nate Smith am Schlagzeug einfach das bisherige Nebenprojekt Shy Child weiterführt und mit "Noise won't stop" bereits das dritte Album vorlegt.

Und das lässt vom Start weg keine Zweifel aufkommen, wohin die Reise gehen soll. Nervöse, treibende Trommelrhythmen kopulieren wild mit von der Leine gelassenen Synthies und dazu heult zwischendurch auch mal die Ravesirene. Darüber legt sich die dünne, immer etwas angestrengt klingende Stimme Cafarellas, deren Störfaktor sich aber nach ein paar Durchläufen verflüchtigt. Elektro-Dancerock also, mit weniger aggressiven Keyboards als bei den belgischen Goose und weniger Irrsinn als bei den Klaxons, dafür umso reicher an dem Dancehall entliehenen Rhythmen.

Damit gelingt Shy Child ein gutes, fett produziertes, äußerst tanzbares und homogenes Album, bei dem nur "Astronaut" ein wenig nervt. Das einzige, was "Noise won't stop" noch zu einer sehr guten Platte fehlt, sind zum einen ein paar richtige Killermelodien, die sich in die Hirnrinde fräsen, zum anderen noch etwas mehr Experimentierfreude in der Instrumentierung. Wie das gehen kann, zeigen sich Shy Child selbst in "Drop the phone" und "Generation Y (we got it)". Ersteres wartet mit Handclaps und einem an The Rapture erinnernden Saxophonsolo auf - vielleicht das Ergebnis der Zusammenarbeit mit Paul Epworth AKA Phones. Letzteres setzt neben Handclaps auf Klavier und weibliche Vocals, die auch im entspannten "What's it feel like?" wieder auftauchen, hier ergänzt um ein auf italienisch gesprochenes Gedicht.

"What's it feel like?" ist aber schon die einzige Möglichkeit, mal durchzuschnaufen, denn ansonsten gehen Shy Child fast permanent durch die Decke. Dennoch ist "Noise won't stop" auch in den heimischen vier Wänden hörbar, da die Synthieattacken auf einem Niveau gehalten werden, das auch außerhalb von Clublautstärke noch erträglich ist. Und das ist auch gut so, denn wo, wenn nicht zu Hause, soll man bitteschön üben, mit einem Umhängekeyboard zu dancehalligen Elektrobeats zu tanzen und dabei nicht wie Thomas Anders auszusehen?

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • Drop the phone
  • Generation Y (we got it)
  • What's it feel like?

Tracklist

  1. Drop the phone
  2. Pressure to come
  3. Kick drum (feat. Spank Rock)
  4. The volume
  5. Generation Y (we got it)
  6. Astronaut
  7. Good and evil
  8. Noise won’t stop
  9. Summer
  10. What’s it feel like?
  11. Cause and effect

Gesamtspielzeit: 40:20 min.

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