The Format - Dog problems

The Format- Dog problems

Vanity / Nettwerk / Soulfood
VÖ: 27.07.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Aus den Federn

Rache ist kreative Blutwurst: The Format haben mit "Dog problems" das vielleicht beschwingteste und cleverste Sommerpopalbum des Jahres vorgelegt. Dies allerdings in Eigenregie, nachdem sie gleich zwei Mal von ihrem Majorlabel geschasst worden waren. Ihr Debüt "Interventions and lullabyes" schrubbte sich mit munterem, schlackefreiem Indiepop zu überraschenden Achtungserfolgen und weckte entsprechende Begehrlichkeiten. Als es nun daran ging, den Nachfolger auszutüfteln, kamen die schwarzbefrackten Managerherren von der großen Plattenfirma mit Flip-Charts, einem Reißbrett-Erfolgskonzept namens "Nummer sicher" und einem Stromlinienkorsett unter dem Arm, das sie der Band überzustülpen gedachten. "Weitermachen, wie bisher! Nur mit noch größerer Hitdichte!", forderten die humorfreien Brötchengeber. "Weiterentwickeln!", riefen hingegen Sam Means und Nate Ruess, die beiden kreativen Köpfe hinter The Format. Es kam zum Streit. Zermürbt, unentwegt gegen Wände risikoscheuer Starrsinnigkeit zu rennen, warfen Sam und Nate das Handtuch. Auch Angebote anderer Majors schlugen sie aus.

Stattdessen gründeten sie ihr eigenes Label, um ohne Drohgebärden von oben ihren verspulten Fantasien freien Lauf lassen zu können. Losgelöst von gestrengen Vorgaben und Erwartungsschablonen wirkt "Dog problems" wie ein Befreiungsschlag und ist zu einem Tummelplatz kunterbunter Ideen geworden, die sich, wild durcheinander purzelnd, zu einem Dutzend toller Songs verknäueln. Das Gerüst von "Dog problems" ähnelt dabei durchaus dem seines Vorgängers. Zwingende Melodien tanzen zu flotten Grooves über leichtfüßige Gitarrenakkorde. Hier und da veredelt cleverer mehrstimmiger Gesang die Passagen. Daraus wurden schon auf dem Debüt quietschfidele, mitreißende Nummern, gespickt mit Ohrwürmern, und auch die neue Scheibe strotzt davon. Doch Sam und Nate sind für "Dog problems" noch einen Schritt weiter gegangen, haben tief in die Instrumentenkiste gegriffen, viele der Songs mit fuchsschlauen Arrangements verfeinert und sind dem Stein der Weisen, dem perfekten Popsong, mehrfach verblüffend nahe gekommen.

"Dog problems" lebt von seinen großen Melodien und den kleinen Gegensätzen. Vordergründig schlichte Songs rocken geschmeidig voran, häuten sich dann aber plötzlich und legen ungeahnte Schichten frei. Immer wieder wuseln spinnerte Ideen durch das Klangbild, dank einiger Gastmusiker, vor allem aber dank des Multiinstrumental-Wunders Nate Ruess. Glockenspiele stolpern die Dachbodentreppe herunter, Klaviertasten klimpern sich schwindelig, Klarinetten, Oboen und Fagotte vernaschen ein paar Streicher in einem schummrigen Nachtclub. Geradlinige Songs nagen plötzlich am Dixieland, nippen am Swing, lecken an Kreissägen, brettern sich um Kopf und Kragen oder brechen ohne Vorwarnung das Metrum aus den Fugen. Und ein Augenzwinkern später zieht der Song die Reißleine und erstrahlt wieder in bezwingend hübscher Eingängigkeit, besäuft sich an der eigenen Euphorie und knattert in den nächsten hymnischen Refrain.

Aus sparsamen, zögerlich kreiselnden Wurlitzer-Akkorden rumpelt sich der Opener "Matches" in einen schrulligen Walzerhimmel voll trunkener Bläser, stolpernder Glockenspiele, famoser Engelschöre und Harfen. Der großartigste Song des Albums, "Dog problems", kommt daher wie die wilde Dreizehn. Streichertrunken und schleppend zu Beginn, nimmt das Stück wie eine Dampflok schnaufend Fahrt auf, wirft allmählich alle Trägheit von Bord, steigert sich in einen mitreißenden, beschleunigenden Strudel und zieht mittendrin plötzlich die Notbremse. Aller Schwung stürzt in sich zusammen, weicht zarter Melancholie, verzweifelter Tristesse. Doch die währt nur kurz, denn Momente später nimmt der Song wieder volle Fahrt auf, geigt blechbläserbefeuert vorwärts, um am Ende beinahe zu verglühen.

Zum furiosen Finale des Albums, "If work permits", schreddern sich The Format selbst in Rage und mähen im Geiste von Neutral Milk Hotel mit sägenden Gitarren alles nieder, was ihren Weg kreuzt. Und im gewitzten Wirbelwind der ersten Single "The compromise" bekommen dann auch die Herren Labelchefs noch eine süffisante Breitseite ab: "I'm one step closer to where I want to be / Away from this scene, away from this machine." In Anbetracht der Hitdichte von "Dog problems" dürfte mancher Plattenboss nachträglich feuchte Augen bekommen. Alle Anderen sollten sich über ein ungemein kreatives Album voll schwungfedernder Ohrwürmer inklusive hoch originellem Hundepappklapp-Artwork freuen, das auch verregnete Sommertage zum Strahlen bringen kann.

(Ole Cordsen)

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Highlights

  • Matches
  • Dog problems
  • Dead end
  • The compromise
  • If work permits

Tracklist

  1. Matches
  2. I'm actual
  3. Time bombs
  4. She doesn't get it
  5. Pick me up
  6. Dog problems
  7. Oceans
  8. Dead end
  9. Snails
  10. The compromise
  11. Inches and falling
  12. If work permits

Gesamtspielzeit: 47:20 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Lars Tøve Rasmussen
2014-08-10 14:16:16 Uhr
Gerade wieder auf dem Kopfhörer. Ein Album, das selbst im verregneten Summer of '14 noch Euphorieschübe auslöst.

solea

Postings: 267

Registriert seit 15.06.2013

2014-05-24 13:41:40 Uhr
Qutasch! Der Sänger ist nun in dieser Band "fun", die diesen Ohrwurm "we are young" gemacht haben. Man hätte es am Gesang erkennen können, hab ich aber nicht... Bin ganz schön überrascht.
The Triumph of Our Tired Eyes
2012-08-14 11:19:40 Uhr
Für mich immer noch eine der besten Frühlingsplatten die es gibt.
SAM
2008-09-17 18:32:05 Uhr
nicht zu vernachlässigen die EP mit dem wohl besten format-song

http://www.youtube.com/watch?v=aLw-wkc0WEk



für mich defintiv einer der besten songs überhaupt, aber den hier wohl kein schwein kennt --- leider!!!
Robben
2008-08-16 22:35:17 Uhr
schon gut, aber er soll einfach the format zurückbrinegn...!

"i can't stand to think about
a heart so big it hurts like hell"
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