Beach - Play it to death

Beach- Play it to death

Sinnbus / Al!ve
VÖ: 20.07.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Gabelstapler im Herzen

Hier werden keine Pauschalreisen angeboten, keine Palmenwedel und südliche Schönheiten, die zu lauwarmen Karibikrhythmen ihre Hüften schwingen. Das Eiland von Beach ist verseucht, pechschwarz selbst bei Vollmond und blutüberströmt am Tage. Das Seelenmassaker wird zur Neurose. Keine Hoffnung - nur Ohnmacht.

Der Bandname führt also in die Irre, eher schon bietet das Plattenlabel einen Anhaltspunkt. Sinnbus Records gebührt ohnehin große Anerkennung, steht es doch seit Jahren für ausgesuchte Indie- und Elektrokost. Immer wieder kommen die Berliner Musiknerds aus ihrem Friedrichshainer Hinterhof heraus gekraxelt und verwöhnen eine ausgesuchte Schar von Jüngern mit kleinen Leckerbissen wie jetzt "Play it to death".

Mit einer kargen Gitarre-Bass-Schlagzeug-Instrumentierung bewegen sich Beach auf Messers Schneide, rutschen mehrere Male aus, reißen den Schorf von frisch verheilten Wunden, pumpen zähes Blut durch ihre abgründigen Noise-Muskeln und driften immer wieder in schräges Post-Hardcore-Gezirpe ab. Letztlich bekommen sie doch noch die Kurve und pressen ihren Sound in so was wie Songstrukturen. "Mimi cries" ist eine rockende Zeitbombe und erinnert an die alten Helden von Kvlr. "A shape on tape" spritzt nur so vor Zynismus und schluckt die Wut literweise hinunter. Die Lunte am Pulverfass von Beach ist längst abgebrannt, doch läuft das Aggressionspotential zähneknirschend ins Leere. Hat ja doch keinen Sinn. Die brachialen Gitarreneruptionen bleiben aus, schwimmen an der Oberfläche, sind da und versickern mit einem Seufzer im Sand.

Überhaupt. Diese Leere. Dieses sterile, trockene Weiß. Diese nach innen gekehrte Gewalt fasziniert auf der einen Seite, wie im grellen Instrumentalstück "Subtalk", und stößt einen doch mit voller Absicht von sich. Beach haben die Schnauze gestrichen voll, stolpern häufig über ihren eigenen Sound und rocken sich dann doch wieder nach vorne. Mal wacklig und deprimiert, dann wieder nüchtern und klar, mit einem Hang zum Wahnsinn. In "Capture the flag" und "Spare parts", den letzten und besten Tracks auf "Play it to death", hofieren sie kunstvoll Tool und knacken die Fünf-Minuten-Grenze. Das hätten sie mit gutem Gewissen häufiger machen können.

(Steffen Meyer)

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Highlights

  • Capture the flag
  • Spare parts

Tracklist

  1. Timer
  2. Pray or pay
  3. Glass container
  4. A shape on tape
  5. Decode
  6. Subtalk
  7. Mimi cries
  8. Linear
  9. Capture the flag
  10. Spare parts

Gesamtspielzeit: 43:40 min.

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