Siva. - The story is complete, but I think we've lost the book

Siva.- The story is complete, but I think we've lost the book

Devilduck / Indigo
VÖ: 20.07.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Sommersturm

Abends fahren sie meistens an den See. Trinken ein paar Bierchen, rauchen Pot und glotzen Nacktbaderinnen hinterher. Sie tun so, als ob sie böse wären. Und vielleicht sind sie es auch. Doch bleibt da der Blick zu den Sternen, der sie verrät. Der die romantische Seite dieser Junggebliebenen an die Oberfläche zerrt und ein Gefühl von vager Zuneigung aufzwingt. Siva. fahren immer mit. Zerrissen von unterschwelliger Aggressivität, Melancholie und jugendlichen Träumen.

Vier junge Herren aus Berlin kümmern sich um diese Vision des Sturm und Drangs der Romantik des Post-Rock-Pops. Nach zwei in Eigenregie produzierten EPs, Umformierungen im Bandlager und der musikalischen Standortauslotung können nun endlich die Fenster zum Durchzug weit aufgerissen werden. Es ist nicht nur ein schönes Ereignis, dass mit "The story is complete, but I think we've lost the book" endlich das Debütalbum dieses vielversprechenden Quartetts in den Startlöchern steht, sondern dass vor allem der Zeigefinger auf die Wunde gelegt wird, die da sagt, dass in den deutschen Heimatgefilden keine Großartigkeiten der Popmusik stattfinden können. Dreimal in die Hände gespuckt. Und Siva. legen los wie ein Sommersturm.

Ein perlendes Pianomotiv, elektronische Sprenkel: Ein wenig verquer bahnt sich "Opinion leader" seinen hypnotisierenden Weg, der mit dreckigen Gitarren, stoischem Schlagzeugbeat und einer herzerweichenden Stimme die Lunte zum Brennen bringt. Ein knapp vierminütiges Chaos der Emotionen. Sehnsüchte rauschen am Auge vorbei, Herzschmerz macht sich breit, und Freude türmt sich haushoch zu einer Perle der Popmusik empor. Sometree lugen um die Ecke, Radiohead lassen grüßen, und Weilheim scheint ein Dorf der Nachbargemeinde zu sein.

Die Marschrichtung ist klar. Das traumatisierende "Duo loss", der würdevolle inoffizielle Nachfolger von Snow Patrols "Run", fährt tonnenschweres Geschütz auf, während "Nibiru" zuckersüß und leicht verspielt an Slut erinnert. Quengelige Rhythmen suchen sich ihren Weg an die Oberfläche, werden vom trotzigen Basslauf geerdet, während die Gitarren niemals ganz zu fassen sind. Ein aufreibendes musikalisches Erlebnis, das für eine debütierende Band fast zu großartig scheint. Zu perfektionistisch und detailversessen. Doch sind es wohl genau diese Eigenschaften, die Siva. zu den Bands katapultiert, die man dick und fett auf seinem Zettel stehen haben sollte. Das Zweitwerk kann kommen.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Opinion leader
  • Duo loss
  • Nibiru

Tracklist

  1. Opinion leader
  2. We're off air
  3. This house is empty
  4. Duo loss
  5. Sleepie
  6. Nibiru
  7. Open
  8. Gift of reading palms
  9. Method: acting
  10. Backdoors/trapdoors

Gesamtspielzeit: 44:57 min.

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