The Negatives - At the end of the rope

The Negatives- At the end of the rope

Bad Dog / Rough Trade
VÖ: 13.07.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Das Glück liegt auf der Straße

Klären wir das gleich zu Beginn: Nein, neu ist das nicht wirklich. Hier wird kein Genre begründet, keine Schublade frisch aufgemacht und schon Mal gar kein Steinblock erstmals in runde Form geschlagen. Im Gegenteil liefert "At the end of the rope" von The Negatives grundsoliden, altbekannten Streetpunk, wie ihn jeder schon einmal gehört hat. Und damit dürfen sich jetzt die Nörgler selbstzufrieden nickend in die Ecke verziehen, laut "Oi!" schreien und ihr "Nur '77 war's echt"-Mantra murmeln, während alle anderen in Ruhe weiter lesen können, warum diese Platte trotzdem so gut ist.

Zunächst die Fakten: Bei The Negatives hat man es keinesfalls mit Frischlingen zu tun, bereits seit 1999 ist das Quartett aus Schweden zusammen musikalisch unterwegs, Punk macht jeder Einzelne längst seit den 80er Jahren, womit dann auch die Frage nach der Street Credebility abgehakt wäre. Kein Wunder also, dass ihr vorliegendes drittes Album routinierter klingt, als das meiste, was vergleichbare Bands mit einem Durchschnittsalter in Zimmertemperaturhöhe veröffentlichen. Relevant ist das ohnehin nur im positiven Sinne, dem Spaßfaktor schadet es schließlich kaum, die Band rotzpunkt erfrischend spielfreudig nach vorne.

Wenigstens ein Auge hat man in Sachen Sound und Songwriting dabei immer auf den üblichen Verdächtigen aus Boston. Aber auch die eigenen skandinavischen Wurzeln drängen an die Oberfläche: Beispielsweise fährt "Smiling faces" so selbstverständlich Turbonegro-Gitarren auf, dass es auch auf deren "Ass Cobra" eine gute Figur gemacht hätte. "Under pressure" verneigt sich gen Social Distortion, ähnlich wie das noch bessere "Shitface", zu dem noch mancher Pogo aussteht. Und wenn gegen Ende in "The Captain" die Akustikgitarre erklingt, darf auch der letzte Kerl im Pub seinem Sitznachbarn kräftig um den Stiernacken fassen und bierselig mitschunkeln.

Die große Stärke der Platte ist, dass sie in alle Richtungen schielt. Überall Zitate und Remineszenzen an Punk- und Rockkollegen, ohne dass das Ergebnis zerfahren wirkt. So organisch klingt - auch wenn das Wort zu hoch gegriffen sein mag - Eklektizismus nicht immer, die Erfahrung der Band macht sich offenbar bezahlt. Und nur ganz am Rande: Die Texte kommen recht deutlich über die üblichen Saufklischees hinaus. Heuschreckenmentalität, Krieg, verlogene Mitmenschen - Sänger Jyrki ätzt gegen alles, was allgemein vor allem unter Punks als doof gilt - und der Hörer hat seinen Spaß dabei. Eine der Ausnahmen: "It still spins" ist die ganz persönliche, namedropping-lastige Verneigung der Band vor dem Punk von '77. "Vinyl ruled - 77 / Vinyl ruled / 78 / Vinyl ruled / 79/ And it still spins." Immer weiter so.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Our own worst enemies
  • Under pressure
  • Shitface

Tracklist

  1. Kick it in
  2. Our own worst enemies
  3. On a mission
  4. Where's the unity?
  5. Smiling faces
  6. It still spins
  7. Under pressure
  8. This is not my war
  9. Fields of germany
  10. At the end
  11. Shitface
  12. The captain
  13. So spoiled
  14. (A real good) Freak show

Gesamtspielzeit: 39:33 min.

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