Mindflow - Mind over body

Mindflow- Mind over body

Unlock Your Mind / H'art
VÖ: 20.07.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Mens sana in corpore sano

Dann fangen wir mal mit den Warnhinweisen an. Wer auch immer Musik nicht rezipiert, sondern ausschließlich konsumiert, darf an dieser Stelle die Maus zur nächsten Rezi bewegen. Noch dabei? Prima. Kommen wir nun zu Hinweis zwei: Wer die Lyrics im Booklet entziffern kann, darf sich bedenkenlos um ein Stipendium zur Ägyptologie, Fachrichtung Schriften, bewerben. Was damit zum Ausdruck gebracht werden soll: Dieses Album ist ein Gesamtkunstwerk. Nur selten konnte seit seligen Vinyl-Zeiten eine Produktion bereits vor der ersten Note optisch wie haptisch begeistern. Höchst aufwendiger Prägedruck auf dem Schuber, wirklich sehr hübsche Graphiken, gleich zwei fette Booklets - da können sonst eigentlich nur teure Special Editions mithalten. Selbst das Labelinfo ist ein kleines Poster geworden.

"Mind over body" halt. Musik erleben mit allen Sinnen. Und das von einer Progband aus einem Land, welches auf der einschlägigen Karte bislang blütenweiß war - Brasilien. Die eigentliche Aufgabe ist somit klar: Nicht nur durch das Drumherum, sondern vor allem durch die Musik sind die Skeptiker zu überzeugen. Insbesondere diejenigen, die aus Brasilien nur Samba und Sepultura kennen. Zum Warmwerden gibt's dann mit "Crossing enemy's line" auch gleich 'nen Zwölfminuter. Um zunächst das brasilianische Klischee zu bedienen "natürlich" mit gepflegtem Tribal-Drumming. Und einem Riff, das zunächst der Feder von Dream Theaters John Petrucci entfleucht zu sein scheint, nur um dann doch weitere Einflüsse einzubinden. So klingt Sänger Danilo Herbert mal nach der früheren Fates-Warning-Sirene John Arch, mal nach einem Bastard aus Daniel Gildenlöw (Pain Of Salvation) und Devon Graves (Deadsoul Tribe). Alles nur geklaut? Nö.

Denn Mindflow bewegen sich äußerst gekonnt in der Schnittmenge aus Fates Warning, Pain Of Salvation, Dream Theater (vor allem in ruhigen Momenten) und frühen Queensrÿche, ordnen ihre Musik dabei aber dem Gesamtkonzept vollständig unter. Der Geist steht über dem Körper, beide sind jedoch symbiotisch aufeinander angewiesen. Aber der Geist ist zerrissen, voller innerer Dämonen. Und somit ist der Körper die Manifestierung des Geistes. Oder so. Diese Zerrissenheit jedenfalls wird in Songs wie "Follow your instinct", das die Gefühlswelt eines Serienmörders beschreibt, deutlich. Die musikalische Umsetzung: kongenial. Wilde Riffs, beschwörender Gesang, der zunächst überhaupt nicht dazu passen mag, aber bei größerer Aufmerksamkeit eben die Puzzlestücke zusammenfügt. Wie man auf sowas kommt? Zum Beispiel, indem man den Comic, der das zweite Booklet bildet, ausführlich studiert und zu interpretieren versucht. Auch eine Art Kopierschutz.

Auch wenn das alles zunächst wirr klingen mag: Am Ende des Weges steht ein brillantes Konzeptalbum, das sich hinter den erwähnten Vorbildern sicherlich nicht verstecken muss. In die Seele eindringend wie "Six degrees of inner turbulence", anspruchsvoll wie "BE". Ein Konzeptalbum, das höchste Ansprüche an den Hörer stellt, aber dennoch Songs aufweist, die trotz ihrer Länge auf den Punkt kommen. Denn die Story ist auf die Musik angewiesen, um sie angemessen zu transportieren. So wie hier. Beim neuen Stern auf der Prog-Landkarte. Respekt.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Crossing enemy's line
  • Chair designer
  • Hellbitat

Tracklist

  1. Crossing enemy's line
  2. Upload - spirit
  3. Thousand miles from you
  4. Just water, you navigate
  5. Chair designer
  6. A gift to you
  7. Hellbitat
  8. Follow your instinct
  9. Hide and seek

Gesamtspielzeit: 79:52 min.