Frank Black - 93-03

Frank Black- 93-03

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 15.06.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Zwergenausstand

Timing war damals nicht so seine Sache. Als Charles Michael Kittridge Thompson IV 1993 einen zwischenzeitlichen Schlussstrich unter die Geschichte der Pixies zog, war das nicht gerade die erfolgversprechendste Option. Im Zuge der Grunge-Hysterie hatte der so genannte Alternative Rock mehr als nur einen Fuß im kapitalträchtigen Mainstream, und für welchen Wirbel ein weiteres Pixies-Album hätte sorgen können, deutete die unverhoffte Reunion vor drei Jahren angemessen an. Aber die Frontkugel hatte die Faxen dicke. Von drogensüchtigen Bassistinnen und sturen Produzenten. Von lästigen Flöhen, die ihm seine Vormieter im Haus hinterlassen hatten. Und von unfähigen Journalisten, die sein Pseudonym Black Francis kaum je richtig schrieben.

Aus der Not aber machte er eine angemessen dreiste Tugend: "Death to the Pixies" prangte auf der Hülle seines Solodebüts. Ganz so konsequent wie der forsche Aufkleber und die ironische Namensänderung war "Frank Black" allerdings nicht. War der abstrahierte Laut-Leise-Popkrach der Pixies die Formel für die spätere Machtübernahme des Alternative Rock, brauchte sich Black um nichts mehr zu scheren. Wie befreit hängte er sich die Klampfe tiefer und jonglierte mit waghalsigen Riffs und süffigen Effekten. Die dann aber gar nicht mal so weit weg von den Pixies waren. Standesgemäß spinnerte Melodien wie von "Ten percenter" oder "Czar" brauchten sich aber nie hinter deren kanonischen Indiehymnen verstecken, und vor allem "Los Angeles" wogte los wie ein delirierendes Frettchen.

Auch auf dem Kritikerliebling "Teenager of the year" tummelten sich 1994 herunter geschrubbter Punkrock, kitschige Science-Fiction-Klischees und lauter hyperaktive Kleinigkeiten, die den Pop aus der Sofaritze fummelten und dann doch wieder mit Lärm bewarfen. "(I want to live on) Abstract plain", "Calistan" oder "Headache" tapsten mitten ins Ohrwurmzentrum. Das zwei Jahre später folgende "The cult of Ray" entstand für Rick Rubins American Recordings, gönnte sich dann neben dem lustig paranoiden Minihit "Men in black" mehr rauhe Härte - und floppte.

Ersatzbefriedigung fand Black in der Technik. Statt aber den neuesten Gadgets hinterher zu hecheln, schmissen seine Mitstreiter einfach alles weg, bis auf ein Tonbandgerät mit gerade einmal zwei Spuren. Entsprechend furztrocken knarzten "Frank Black And The Catholics", "Pistolero" und "Dog in the sand" mit Songs wie "Western star" oder "I gotta move" los. In den rustikalen Tumult mischten sich aber nach und nach dermaßen viele traditionelle Momente, dass der notorisch ungeduldige Black mit dem überdrehten "Devil's workshop" und dem beseelten "Black letter day" gleich zwei Alben gleichzeitig auf dem Markt warf. Und sich schnell den Vorwurf einhandelte, stiernackigem Country auf den Leim gegangen zu sein. Dabei standen Songs wie das auf der Bonus-Scheibe als Liveversion schunkelnde "Horrible day" oder "Velvety" den guten alten Rolling Stones viel näher. Auf dem zu unrecht gescholtenen "Show me your tears" förderte das Sentiment mit dem wummernden "Massif Central" gar mal wieder eine herrlich gespaltene Hymne zu Tage. Und "Threshold apprehension", der taumelnd rockende Vorgeschmack auf das nach den beiden auf "93-03" ausgelassenen Nashville-Ausflügen "Honeycomb" und "Fast man raider man" nächste Post-Pixies-Reunion-Frank-Black-Album "Bluefinger", sollte auch den Skeptikern wieder Laune machen. Denn diese Best-Of zeigt eines deutlich: Überkandidelten Lärm bekommt immer noch kaum jemand spaßiger hin als Frank Black.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Los Angeles
  • Czar
  • Old black dawning
  • Men in black
  • Massif Centrale

Tracklist

  • CD 1
    1. Los Angeles
    2. Ten percenter
    3. Czar
    4. Old black dawning
    5. (I want to live on) Abstract plain
    6. Calistan
    7. Speedy Marie
    8. Headache
    9. Freedom rock
    10. Men in black
    11. You ain't me
    12. I don't want to hurt you (every single time)
    13. All my ghosts
    14. I gotta move
    15. Bad harmony
    16. Western star
    17. Robert Onion
    18. Hermaphroditos
    19. Velvety
    20. California bound
    21. Massif Centrale
    22. Manitoba
    23. Threshold apprehension
  • CD 2
    1. Bullet (live)
    2. Nadine (live)
    3. Remake/remodel (live)
    4. Living on soul (live)
    5. That burnt out rock'n'roll (live)
    6. All around the world (live)
    7. Six sixty six (live)
    8. Horrible day (live)
    9. (Do what you want) Gyaneshwar (live)

Gesamtspielzeit: 112:37 min.

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