Debbie Rockt! - Egal was ist

Debbie Rockt!- Egal was ist

Columbia / Sony BMG
VÖ: 13.07.2007

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Gürtelnieten

Wagen wir ein Experiment: Die folgende Rezension versucht, konsequent ohne den Bandnamen von vier bekannten Monsunianern aus Magdeburg auszukommen. Kein Problem? Vielleicht doch, manche Parallele drängt sich schließlich auf wie ein Callcenter-Anruf. Eine bereits bestehende Band junger Menschen wird unter Vertrag genommen, die einzelnen Charaktere werden optisch mit Kajal, Lederjacke und Nietengürtel in Richtung Manga-Punk oder Glam-Rocker aufgehübscht, und man produziert ihnen ein Album zurecht, das den 14-Jährigen schnöden Hochglanz-Poprock mit deutschen Texten als Revolution anbietet. Mit dem Unterschied, dass nach Nevada Tan, den Killerpilzen oder Revolverheld bei Debbie Rockt! fünf Mädels für die musikalische Untermalung des Erwachsenwerdens zuständig sind.

Eine weibliche Teenie-Band aus Deutschland mit Marketing-Maschinerie im Rücken wäre allein wohl noch nicht der Rede wert. Eben jene läuft allerdings auf Hochtouren und preist Fie, Denise, Tan, Kathi und Rosa als das nächste große Ding in Sachen fünffaches Fräuleinwunder. Auch das ist zunächst weder neu, noch problematisch. Aber: Das Album hält die vollmundigen Versprechen von Einzigartigkeit und Qualität natürlich nicht. Zwar gebärdet sich der Opener "Auf der Jagd" enthusiastisch und rockig, und die folgende erste Single "Ich rocke" bringt ebenfalls Hitqualitäten mit, aber spätestens wenn sich "Illusion" nach dem Beinahe-Metal-Intro zur 08/15-Popnummer wandelt, schwindet die Hoffnung, dass man hier Songwriting mit Substanz oder Wiedererkennungswert erwarten darf.

Und dann wird es richtig schlimm: "Goldener Käfig" versucht sich im Refrain glücklos an Social-Distortion-Einflüssen, "Egal was ist" samplet ein VIVA-Interview mit Gülcan Karahanci (!), und der hochnotpeinliche "Popp Song" stellt inhaltlich den Tiefpunkt der ohnehin maximal-pubertär betexteten Platte dar. Vor allem die enorme Gleichförmigkeit der aalglatten Produktion vernichtet immer wieder zuverlässig jeden guten Ansatz, den die Band in die Stücke einbringt. Erst am Ende gibt es mit der kurzweiligen Horrorversion von "Schneewittchen" und der abschließenden Ballade "Lass mich gehen" annähernd so etwas wie einen Lichtblick.

Lassen wir es gut sein, eigentlich kann man ohnehin nichts wirklich Schlimmes über die fünf Nieten mit den Nietengürteln sagen. Die leidige Diskussion Authentizität vs. Image sollte man sich sowieso sparen, die Songs sind eher belanglos als ärgerlich, und dass es für diese Art der konsumierbaren Gebrauchsmusik eine kaufkräftige Zielgruppe unterhalb der Adoleszenz gibt, werden wohl auch die meisten schulterzuckend akzeptieren können. Am Ende wird man aber das Gefühl nicht los, es durchaus mit talentierten Musikerinnen zutun zu haben, die sich von ihrer Plattenfirma vereinnahmen lassen. Vielleicht wollen die das ja auch alles so. Womit sie dann das Potenzial hätten, die weiblichen Tokio Hotel ... ach, verdammt!

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Lass mich gehen

Tracklist

  1. Auf der Jagd
  2. Ich rocke (Extended version)
  3. 1000 Flüsse
  4. Illusion
  5. Meine Seele
  6. Goldener Käfig
  7. Egal was ist
  8. Popp Song
  9. Schneestürme
  10. Halt mich fest
  11. Schneewitchen
  12. Lass mich gehen

Gesamtspielzeit: 48:23 min.

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