Thursday - Full collapse

Thursday- Full collapse

Victory
VÖ: 10.04.2001

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Farbe der Nacht

Seien wir doch einmal ehrlich. Eigentlich ging das doch spätestens damals im Kindergarten los. Kleine Raufereien um die Bauklötzchen in der Spielecke und Platzwunden nach einer Zankerei auf dem Klettergerüst um den Platz an der Sonne waren erst der Anfang. Seine Fortsetzung fand diese Entwicklung später mit ausgeschlagenen Zähnen und blauen Augen auf dem Pausenhof der örtlichen Grundschule. Wenn spätestens dann nicht die lieben Eltern oder andere kompetente Autoritätspersonen schnellstens eingriffen, war es um eine geglückte Erziehung in punkto Gewaltbereitschaft geschehen. Als hätten wir von Menschen der Sorte Prügelknabe nicht ohnehin schon genug. Dabei ist es so einfach! Negative Emotionen lassen sich doch so leicht in positive Energie umwandeln. Energie, die doch weitaus sinnvoller in kreatives Schaffen investiert werden kann, als in der Ausübung stumpfer körperlicher Gewalt nutzlos zu verpuffen.

Thursday gehen mit gutem Beispiel voran. Die Gitarre in der Hand, den Totschläger in der Mülltonne. So handelt nur der Wohlerzogene. Wenn die Instrumente aber mal anfangen zu knarzen und die Türen des Saals sich schließen, dann fliegt die Kuh. Aber hallo! Knochen brechen und Köpfe rollen. Wutschreie lassen sämtliche Gläser bersten. Dies alles nur bildlich ausgedrückt, wohlgemerkt. Denn dem Wohlerzogenen sind derartige Massaker, wie vorhin bereits erwähnt, von Haus aus fremd. Keine Gnade und kein Entfliehen gibt es aber für den, der sich zum ersten mal "Full collapse" in voller Lebensgröße gegenüberstellt. Das ist die Intensität, die garantiert jeden berührt. Wen soviel Engagement und Ungestümtheit kalt lassen, dem ist das Herz wahrscheinlich schon vor Angst in die unendlichen Tiefen der Hose gerutscht. "Full collapse" bietet Riffgewitter wüstester Prägung, ohne sich jemals in unkontrolliertem Gebolze zu verlieren, da Thursday es meisterhaft verstehen, aus Krach eine hochmelodiöse, kompakte und gleichzeitig ungemein nach vorn preschende Einheit zu formen. Wer sich noch allen Ernstes traut, das hier "Emo-Core" zu nennen, hat die Ausmaße der Gefühlswelten, in denen Thursday sich bewegen, nicht verstanden.

Beruhigend zu wissen, daß es abseits der musikalischen Stumpfsinnshärte, die sonst über den großen Teich zu uns hinüberschwappt, auch noch etwas anderes gibt. Etwas schöneres. Etwas weitaus tiefgehenderes und intensiveres. Etwas, das über die Klischees dicke Hose, dicker Geldbeutel und rote Kappe auf dem Kopf hinausgeht. Auch das inhaltliche Konzept steht weit über dem Niveau blanker Haßtiraden. "How long is the night?" entpuppt sich als Klagelied schmerzhaftester Machart. "I'm falling down and you're not here to catch my fall" beklagt man sich über einen menschlichen Verlust, der schwer wiegt. "The color of the night is all I ever see / The night it never ends / I will never sleep again.". Solche Zeilen tragen innerste Gefühlswelten nach außen und reißen wahre Depressionsfluten mit sich. Versuche, die Gesamtmenge an Energie, die Thursday hier bündeln, mit herkömmlichen Meßgeräten erfassen zu wollen, sind ohnehin kläglich zum Scheitern verurteilt. Der krasse Gegensatz aus Brachialgewalt und Streicheleinheit entwickelt sich zum Mitreißer, der kein Ende mehr nimmt. Derbes Shouting meets Engelsstimme meets Knüppel im Sack. Thursday brauchen Vergleiche mit alteingesessenen Szenegrößen wahrlich nicht zu scheuen. Willkommen im Club.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Understanding in a car crash
  • Cross out the eyes
  • Wind-up

Tracklist

  1. A0001
  2. Understanding in a car crash
  3. Concealer
  4. Autobiography of a nation
  5. A hole in the world
  6. Cross out the eyes
  7. Paris in flames
  8. I am the killer
  9. Standing on the edge of summer
  10. Wind-up
  11. How long is the night?
  12. 1100

Gesamtspielzeit: 42:26 min.

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Affengitarre

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2015-02-24 17:54:26 Uhr
Höre ich letztens wieder verstärkt. Wahnsinnsalbum mit einer unglaublichen Emotionalität!
chucky
2007-06-07 17:05:18 Uhr
Gestorben ist er danach noch lange nicht, immerhin sind erst danach noch Alben wie Worship and Tribute oder In Keeping Secrets... erschienen!
comeback kid
2007-06-07 17:03:35 Uhr
da kann ich nur zustimmen. fans des albums sollten sich aber mal "imagery" von SECOND MONDAY anhören! myspace.com/secondmonday
these strangers whose faces i know
2007-06-07 16:17:40 Uhr
full collapse ist das letzte große emo-album unserer zeit, wobei der begriff emo nicht negativ gemeint ist. danach ist "emo" in meinen augen gestorben.. anschließend wurde halt leichenschändung im großen stil betrieben. man schaue sich mal die nekrophilen bullet for my valentine an, oder my chemical romance. oder oder oder..
peter
2007-06-07 16:13:30 Uhr
Oh ja!
Mit "Cute without the e" vielleicht ;)
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