Buffalo Tom - Three easy pieces

Buffalo Tom- Three easy pieces

Ammal / New West / Blue Rose / Soulfood
VÖ: 06.07.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nase an Nase

Die Entwicklung von Buffalo Tom war stets so etwas wie die Antithese zu ihrer eigenen Musik. Denn während sich jeder einzelne Song, den sie geschrieben haben, genug Zeit nahm, um seine volle Wirkung zu entfalten, entwickelten sich Buffalo Tom selbst in wahrlich atemberaubender Geschwindigkeit. So sprangen sie von ihrem etwas verhaltenen, selbstbetitelten Debüt kopfüber in den das gerade erst frisch gebackene Alternative-Genre neu entflammenden Flächenbrand namens "Birdbrain". Und von dort in den glanzvollen Zwitter "Let me come over", auf dem neue Einflüsse gleich kübelweise dazukamen. Dann bescherte ihnen der geglättete und dennoch herausragende Soul-Rock von "Big red letter day" ihr erwachsenes Album, bevor "Sleepy eyed" die Rückkehr zum rauen Sound der Anfangstage in Angriff nahm. Schließlich war "Smitten" der logische Abschluss. Ein Album, zu orientierungslos, um danach noch weiter machen zu können.

Und nun also, genau das fehlt nämlich noch in der Reihe, "Three easy pieces", das Comeback nach siebenjähriger Pause. Und wieder wird geunkt und gerufen: Nicht noch ein Comeback, heißt es hinter vorgehaltener, ein schlecht geschauspielertes Gähnen verbergender Hand. Wer Buffalo Tom noch nie mochte, wird das auch heuer nicht. Mehr steckt nicht hinter dieser Geste. Allen anderen zieht es die Schuhe aus, wenn Chris Colbourn und Bill Janovitz gleich den ersten Takt von "Bad phone call" in einem Jubelgesang feiern, der die Tür von "Three easy pieces" prompt sperrangelweit aufstößt. Und so einen Lichtstrahl bis tief in das eigene Bewusstsein wirft: Endlich weiß man, was so viele Jahre gefehlt hat. Und man wundert sich, warum man nicht früher drauf gekommen ist. Es lag doch so nahe.

Weiter geht es mit einer Sammlung aus Buffalo-Tom-Standards, die mit einer einnehmenden Selbstverständlichkeit vorgetragen werden. Das wunderschöne "You'll never catch him", aber auch "Lost downtown" oder "Hearts of palm", verlassen sich ganz auf die vor Langem ausformulierten Song-, Akkord- und Soundmuster, werden quasi aus der Hüfte geschossen und zerschlagen doch zielsicher des Hörers Mundhöhle und Ohrmuschel. Und schaffen so eine Leichtigkeit, die Ihresgleichen gar nicht erst zu suchen braucht. Auch Janovitz' Stimme kann schon längst nicht mehr größer werden, ist nach wie vor Herz, Muskel und Fleisch zugleich. Partner Colbourn hingegen besingt auf "Three easy pieces" erstmals nicht nur melodiesprudelnde Indie-Popper wie "CC and Callas", sondern erklimmt mit der von Klavier und Trompete verzückten Ballade "Pendleton" auch den Gipfel des wohl besten Stücks des Albums. Schließlich geben "Good girl" und "September shirt" zwar nicht eben das hochgefuzzte Armschlenkern von "Birdbrain" zum Besten, schleudern aber immer noch mehr als genug Energie durch die Luft. Und wer den Titelsong nicht für einen Lemonheads-Kracher hält, wie ihn immer schon einzig Buffalo Tom schreiben konnten, der ist, nun ja, wohl eher ein Lemonheads-Fan.

In der Tat bleibt auch nach "Three easy pieces" die Entwicklung von Buffalo Tom mit "Big red letter day" zu Ende definiert. Großartige Songs schreiben sie aber weiterhin. Und nach wie vor hat wohl niemand den Soul derart tief in den Folk-Rock versenkt, dass er als solcher gar nicht mehr auffällt. Nicht nur ihren Platz in der Musikgeschichte, sondern auch den im Heute haben sie damit allemal verdient. Nicht Dinosaur Jr. jr., nicht die Großcousins des Grunge, nicht die Adult Angst des College-Rock. Schneller als all das haben Buffalo Tom nun auch sich selbst eingeholt.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Bad phone call
  • Three easy pieces
  • Pendleton

Tracklist

  1. Bad phone call
  2. Three easy pieces
  3. You'll never catch him
  4. Bottom of the rain
  5. Lost downtown
  6. Renovating
  7. Good girl
  8. Pendleton
  9. Gravity
  10. Hearts of palm
  11. September shirt
  12. CC and Callas
  13. Thrown

Gesamtspielzeit: 50:54 min.

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